Krokodile: Mutter ist die Beste

Montag, 25. November 2013

Krokodile haben ein bekannt schlechtes Benehmen, obwohl sie eigentlich eine gute Kinderstube genießen, und die Mama wachsam bei den Kleinen an der Wiege „klebt“

 

Der zwei Meter lange Nilwaran lauert schon den ganzen Tag im Schilf. Nicht weit von ihm lagern hungrige Hyänen unter einer Schirmakazie. Von einem Felsen schielen Paviane herüber, und immer wieder staksen Marabus vorbei. Sie alle sind scharf auf die köstlichen Eier unter dem Ufersand. Am liebsten würden sie sich auf der Stelle darüber hermachen, aber sie trauen sich nicht.

Denn im Wasser wacht Suzy. Suzy ist 4,5 Meter lang und 18 Zentner schwer. Ihr Panzer ist fünf Zentimeter dick, und ihre 64 Zähne ragen wie Zimmermannsnägel aus dem aufgerissenen Rachen. Sie lebt seit 36 Jahren im Albertsee mitten in Afrika und kennt jeden Eierdieb. Nesträuber leben hier besonders gefährlich: Wenn’s drauf ankommt, düst Suzy wie ein Torpedo durchs Wasser, und manche Landratte wunderte sich auch schon, wie schnell ein Krokodil auf dem Trockenen flitzt.

Auch bei Reptilien vom Nil gilt: Mutter ist die Beste! Moderne Forscher beobachteten verblüfft, dass die Urwelt-Echsen fast so familiär zusammenleben wie Menschen – und sich aus ähnlichen Gründen in die Schuppen geraten.

Krokodile sind durchaus nicht ungesellig und können auch gönnen: Bei Festmählern z. B. an ertrunkenen Nilpferden reißen bis zu 120 Gäste gleichzeitig die Schnauze auf. Krokodile sind aber auch eifersüchtig: Jedes Männchen krallt sich 100 Meter Ufer als Privatstrand und schwimmt dort jeden Tag Patrouille - nur Weibchen können bei ihm landen! Kommt ein anderer Kerl zu nahe, gibt es erst tierisches Gebrüll und dann Klopperei.

Krokodile sind Kavaliere: Sie umwerben stets nur ein einziges Weibchen und bleiben ihm treu. Die Echsen-Erotik beginnt mit geduldiger Krokodil-Konversation (dumpfes, lang anhaltendes Brüllen der Bullen, kehlige Antwort der Braut), danach schwimmt das Paar stunden lang nebeneinander im Kreis.

Kleiner Fauxpas der Natur: Da der oft tonnenschwere Auserwählte auf den Rücken seiner Partnerin klettern muss, geht Frau Krokodil regelmäßig beim Liebesspiel unter. Halb so schlimm: sie kann eine Stunde lang die Luft anhalten, und die Kinder sind schon nach zwei Minuten gemacht.

Krokodile sind fürsorgliche Eltern: Auch Vater hilft, das Gelege zu bewachen. Nur selten verschwindet er mal wieder ins Wasser, um sich einen fetten Fisch zu fangen. Mutter aber bleibt besonders eisern: Nur wenn die Sonne gar zu heiß brennt, taucht Suzy kurz mal unter, bleibt aber immer in der Nähe, die Stelle fest im Blick, wo ihre bis zu 80 Eier (so groß wie Gänseeier) in ihrem natürlichen Brutkasten reifen.

Nach 90 Tagen macht sich das Krokodil als Hebamme ans Werk: Vorsichtig lockert Suzy den inzwischen festgebackenen Sand, durch den sich die Kroko-Kinder kaum aus eigener Kraft ans Tageslicht buddeln könnten. Ist eines der Kleinen zu schwach, um die Schale zu knacken, nimmt Mutter das Ei zärtlich zwischen die Zähne und beißt ihrem Nachwuchs den Weg ins Leben frei - so manches Echsenbaby kommt im Maul seiner Mama zur Welt.

Doch damit ist der Mutter-Job noch lange nicht gelaufen: Ohne Schale hat Klein Kroko noch viel mehr Feinde, denn jetzt können sich auch Fischadler, Geier, Uhu, Wels und Schildkröte an ihm vergreifen. Darum bleibt Mutter Krokodil auch im Wasser stets auf dem Posten - volle sechs Monate lang! Nirgends könnten sich die Mini-Monster (30 Zentimeter lang) sicherer sonnen als auf Mamas breitem Rücken oder auf dem einer Tante, denn Krokodilfrauen passen auch auf fremde Kids auf.

Der Albertsee ist zehnmal so groß wie der Bodensee und voller Fische, aber manchmal wünscht sich Suzy etwas Abwechslung auf dem Speisezettel und versucht, an einer Tränke eine Antilope zu erwischen. Niemals dagegen würde sie sich mit einem Nilpferd oder gar einem Elefanten anlegen - im Tierreich sind die Kompetenzen klar geregelt.

Da Krokodile ungefähr so alt wie Menschen werden, kann Suzy noch gut 30 Jahre leben. Dann wird sie friedlich in den See hinausschwimmen und nicht mehr zurückkehren. Vielleicht sinkt ihr Körper so tief in den Schlick, dass er konserviert und eines Tages versteinert gefunden wird, so wie die Knochen ihrer Vorfahren: Die haben fast als einzige ihrer Art die großen Naturkatastrophen der Saurierzeit überstanden – hoffentlich überstehen ihre Nachkommen nun die Naturkatastrophe Mensch.

 

Krokoland ist überall, wo’s warm ist

Krokodile leben in drei Familien: Alligatoren (Nordamerika, China) und Kaimane (Südamerika), Gaviale (Südasien) sowie echte Krokodile (rund um den Äquator vom Amazonas bis Australien)

Die größten: Orinoko-Krokodile (7,2 Meter), Spitz- und Leistenkrokodil (7 Meter)

Die kleinsten: Mohrenkaiman (4,7 Meter), Brillenkaiman (2,7 Meter), Keilkopfglattstirnkaiman (1,25 Meter)

Die seltensten: Ganges-Gavial (Indien, 7 Meter) und Sunda-Gavial (Indonesien, 5 Meter) sind beide stark gefährdet.

Die bösesten: Mississippi-Alligator (6 Meter), China-Alligator (2 Meter) – beide fressen gern Haustiere.

 

Das Krokodil ist älter als der Nil

Die größte Echse unserer zeit existierte schon vor 225 Millionen Jahren, der längste Strom der Erde erst seit 100 Millionen Jahren. Bis vor zwei Millionen Jahren schwammen Krokodile auch durch Deutschland.

 

Krokodil-Witz

Zwei Touristen zelten am Nil. Plötzlich schreit der eine: „Verdammt, verdammt, ein Krokodil hat mir ein Bein abgerissen!“ Fragt der andere: „Welches?“ jammert das Opfer: „Weiß ich doch nicht, hier sieht ja ein Krokodil wie das andere aus!“

 

Was Menschen von Krokodilen lernen können

Großzügigkeit: Krokodile teilen ihre Mahlzeiten mit allen Artgenossen, die Hunger haben.

Geschwisterliebe: Krokodile, die aus demselben Gelege geschlüpft sind, bleiben durch die gesamte Kindheit praktisch unzertrennlich – und oft auch später noch zusammen.

Geduld: Krokodile können tagelang auf Essen warten, werden nie nervös.

Ritterlichkeit: Krokodile werben mit großem Zartgefühl, versuchen nie, ein Weibchen ungebührlich zu bedrängen.

Verantwortungsgefühl: Krokodilmütter kümmern sich um fremde Kinder genauso intensiv wie um die eigenen.

Gemeinschaftsgefühl: Krokodile sonnen sich gern gemeinsam, unterhalten sich mit Grunzen und Quieken, warnen einander vor Gefahr.

Kameradschaft: Krokodile sind kooperativ – in Flüssen schwimmen manchmal zwei Dutzend Tiere als lebendes Netz Seite an Seite, und keines verlässt seinen Platz – auch nicht dann, wenn der Nachbar gerade den größeren Brocken hat.

Treue: Krokodile sind monogam und betrügen einander nie, solange die Partnerschaft besteht.

Disziplin: Krokodile können zwar enorm viel auf einmal fressen, fasten dann aber oft mehrere Tage lang.

Genügsamkeit: Krokodile sind mit wenig zufrieden, in schlechten Zeiten auch mal mit ein paar Käfern oder einem Büschel Gras.

Hygiene: Krokodile lassen sich täglich stundenlang die Zähne putzen – als Zahnbürsten dienen kleine Vögel, die ihnen Essensreste aus dem Gebiss picken.

 

 

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