Ottfried Fischers Witze über die CSU

Mittwoch, 13. November 2013

In TELE-RETRO zeigen „Teletäglich“-Kolumnen aus 1988, welche Themen vor 25 Jahren wichtig waren und wie das Fernsehen sie präsentierte. Heute: Die Ausgabe vom 13.November 1988

In der „Sportschau" vom Samstag vergangener Woche kommentierte ARD-Reporter Clarisse das Fußballspiel Frankfurt-Leverkusen.

Clarisse nach einem Fehlpass: „Nun, bald ist Weihnachten - vielleicht wünscht er sich dann einmal ein gutes Anspiel..."

Clarisse über das Spiel: „Es war noch weitaus schlechter, als diese Ausschnitte es vermuten lassen. Unser Zusammenschnitt kommt im Grunde einer Nachrichtenfälschung gleich. Das Beste an der Partie war, daß es nicht regnete..."

…und dieser Kommentar.

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Am Sonntag zeigte die ARD-„Lindenstraße" einen untreuen, aber besserungswilligen Ehemann und seine Frau beim Kochen

Ehefrau: „Und wenn ich dir nicht helfen kann, sie zu vergessen?"

Ehemann: „Du kannst alles."

Ehefrau: „Aber ich werde nicht attraktiver!"

Ehemann: „Ich auch nicht. Wir müssen eben die Reste unserer Attraktivität zusammenschmeißen."

Ehefrau: „Hans - ich bin nur der Alltag!"

Ehemann: „Aber ein sehr lieber Alltag. Dieser Pudding ist jedenfalls im Arsch."

Und die „Lindenstraße" im Eimer.

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In den „Tagesthemen" vom Mittwoch sagte Kommentator Pleitgen über US-Wahlsieger Bush: „Von zwei Kandidaten der weniger üble ... Intellektuell steht er Ronald Reagan nicht nach. Doch als Führer, wie ihn die Weltmacht USA und der Westen jetzt brauchen, hat er sich bislang nicht hervorgetan ... Nur im Vorwahlkampf geriet er einmal, nach der Niederlage in Iowa, unter Druck. Und da will mir nicht aus dem Gedächtnis, wie aufgescheucht der künftige Präsident seinerzeit reagierte. Nun warten ungleich härtere Prüfungen auf ihn."

Und auf Pleitgens Gedächtnis.

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Aus einer Darbietung des Münchner Kabarettisten Fischer am Donnerstag in der ARD-Sendung „Extratour":

„Da sieht man wieder mal die weise Voraussicht von Franz Josef Strauß, der schon damals geahnt hat, daß für seine Kanonisierung das Olympiastadion weitaus zu klein werden würde und der deshalb schon viel früher eine weitaus größere Fläche hat roden lassen - in der Oberpfalz. Und da weiß man jetzt auch, warum der Papst, wenn er den Boden geküßt hat, immer so strahlt."

„Apropos Gauweiler, unser Immunschwäche-Rambo . .."

„Edmund Stoiber - da ist der Name schon Pogrom - äh, Programm."

„Diese paar tausend Asylanten - wenn man sich vorstellt, daß die unser Millionenvolk durchmischen und durchrassen wollen, dann haben die ja Tag und Nacht nichts anderes zu tun als zu rammeln."

„Gerold Tandler, dieser Charismatiker für Kassenpatienten, diese Schwabbelversion von Pokerface ..."

Diderot: „Je glücklicher die Zeiten sind, um so viel mehr vermehren sich die Idiotismen."



Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete.

George Herbert Walker Bush war 1989-1993 der 41. Präsident der USA und zuvor 1981-1989 unter Ronald Reagan der 43. Vizepräsident der USA.

Ottfried Fischer hatte seinen ersten Soloauftritt als Kabarettist 1989 mit dem Programm „Schwer ist leicht was“. Sein Strauß-Witz spielte auf die Wiederaufbereitungsanlage (WAA) von Wackersdorf in der Oberpfalz an. Ihr Bau wurde 1985 begonnen und 1989 eingestellt, nachdem der Energiekonzern VEBA (heute E.ON) mit den Betreibern der Wiederaufarbeitungsanlage im französischen La Hague einen Vertrag schloss, der Wackersdorf überflüssig machte.

Die Musik- und Comedysendung „Extratour“ lief 1985-1989 bei Radio Bremen (Branchenspott: „Radio Hanoi“)

Gerold Tandler war 1971-1978 CSU-Generalsekretär, 1978-1982 bayerischer Innenminister, 1983 erneut Generalsekretär, 1988 Wirtschafts- und danach bis 1990 Finanzminister. 1991-2001 war er Vorstandsmitglied der Linde AG.

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