Armin Mueller-Stahls Spott über die ZDF-Talker

Samstag, 16. November 2013

In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 14. November 1993.

In „24 Stunden“ am Sonntag zeigte SAT.l einen Beitrag des Reporters Toerkell über die Hamburger Hafenstraße. Ankündigung: „Zum ersten Mal seit Jahren gewährten die Bewohner einem TV-Reporter ein Interview". Auszug aus Toerkells Kommentaren:

„Nachbarliche Zuwendung gehört zu den Geboten der Hafenstraße. In der Fahrradwerkstatt etwa flickt man auch die Reifen des Mitbewohners.“

„Wer die Einrichtungen der Hafenstraße nutzt, soll nicht nur an sich denken, sondern auch bereit sein, für andere zu arbeiten. Das gilt für Kochen, Nähstube, Kinderladen."

„Bei den Hafenstraßen-Bewohnern hat vielleicht so etwas wie Sozialisierung stattgefunden. Die Tolerierung könnte ein Gebot der Klugheit sein."


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In der neuen ARD-Serie „Nicht von schlechten Eltern" am Montag wurde das Leben an einer Schule gezeigt. Beispiele:

Neue Schülerin: „Macht ihr alle Lehrer so an?“ - Klassenkameradin: „Mit dem kannst du machen, was du willst. Das ist ein liberaler Waschlappen."

Neue Schülerin über einen alternativen Biologielehrer: „Wie ist der denn so?" - Antwort: „Der tut dir nichts. Wenn dir 'ne Vier reicht, musst du es ihm nur sagen, dann lässt er dich in Ruhe."

Egon Erwin Kisch: „Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit.“

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In „Nachschlag“ am Mittwoch sagte ARD-Kabarettist Rogler

über Berlin-Planungen der Bundesbauministerin: „Ihre Begründung: Es soll uns hinterher niemand vorwerfen, wir hätten zu optimistisch geschätzt. Also heißen Sie jetzt Schätzer oder Schwaetzer?"

Über den bayerischen Ministerpräsidenten: „Der Stoiber will jetzt in Bayern eine eigene Währung einführen - als Zahlungsmittel soll die bayerische Biermarke fungieren."

Kabarettistisches Kleingeld.

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In „ZDF live" am Donnerstag sprachen Moderatorin Schulze-Rohr und ihr Kollege Herles mit dem Schauspieler Mueller-Stahl. Auszug:

Schulze-Rohr: „In Ihrem neuen Film sieht man, wie Sie Geige spielen. Können Sie das eigentlich oder macht das immer ein anderer?"

Mueller-Stahl: „Immer ein anderer."

Schulze-Rohr: „Wollen wir nicht doch versuchen, ob Sie ein paar Töne auf der Geige spielen können?" (lässt ihm ein Instrument reichen).

Mueller-Stahl: „In jeder Talkshow kriege ich eine Geige in die Hand gedrückt." Spielt ein paar Takte, dann: „Diese Geige ist wirklich extrem schlecht."

Schulze-Rohr: „Das müssen Sie dem ZDF sagen!"

Herles: „Das läuft im Rahmen der Sparmaßnahmen!"

Mueller-Stahl: „Nicht alles ist ein Zeugnis der Armut, manches ist auch ein Armutszeugnis."

Gilt nicht nur für Geigen.

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In„“Gottschalk" am Freitag sagte die Österreicherin Eveline Zarbl, die durch geistesgegenwärtiges Verhalten zur Festnahme eines serbischen Terroristen beigetragen hatte: „Ich glaub', das Lob gilt weniger mir als den Polizisten. Das wird nie ausgesprochen. Wenn mal was falsch gemacht wird, wird wochenlang genörgelt. Aber wenn sie es richtig machen, dann ist das selbstverständlich. Ich glaub‘, das sollte man auch mal sagen.“

Vor allem im deutschen Fernsehen.



Anmerkungen

Die ZDF-Talkshow „live“ lief 1987 – 1996.

Christa Schulze-Rohr moderierte für das ZDF seit 1979 „Zeugen des Jahrhunderts“, seit 1982 die Gesprächsreihe „Wortwechsel” und später auch die ZDF-Talkshow “live”.

Wolfgang Herles wurde 1984 stellvertretender Hauptredaktionsleiter Innenpolitik die Konzeption und Moderator der Politmagazine „Bonn direkt“ und „Was nun, Herr ...“ 1987-1991 leitete er das ZDF-Studios in Bonn. Später moderierte er die ZDF-Talkshow „live“, 2000 wurde er Redaktionsleiter und Moderator der ZDF-Kultursendung „aspekte“.

Thomas Gottschalks RTL-Show „Gottschalk Late Night“ lief 1992-1995.

 

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