Regensburg im 2. Jh.: Als Mark Aurel die Barbaren vertrieb

Montag, 9. Dezember 2013

So verteidigten die alten Römer die Donaustadt gegen wilde Germanenstämme

Hochsommerliche Hitze brütet über dem fruchtbaren Donautal. Als die gepflasterte Militärstraße „Via Claudia Augustana“ den schattigen Wald verlässt, zügelt der junge römische Zenturio sein Pferd und hält schützend die Hand über die von der grellen Sonne geblendeten Augen. Dann stößt er triumphierend die Faust in die Luft. Das Ziel seiner gefährlichen Reise ist in Sicht: drei Meilen vor Castra Regina, der wichtigsten Festung im Norden des Reichs.

Der Offizier dreht sich im Sattel um und ruft seiner Hundertschaft aufmunternde Befehle zu. Die verschwitzten Legionäre brüllen begeistert Zustimmung. Vor vier Tagen sind sie mit mulmigen Gefühlen in der Provinzhauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg) aufgebrochen: Wilde Germanen haben über die Donau gesetzt und das Land südlich des Stroms schlimm verwüstet. Die Schutztruppen aus Castra Regina sind hinter ihnen her und versuchen, den Barbaren ihre Beute wieder abzujagen. Um die nun von Truppen fast entblößte Grenzstadt zu sichern, hat der Präses von Rätien, wie die Provinz zwischen Alpen, Donau und Inn heißt, Verstärkung geschickt.

Seit langem hat die Stadt an der Donau nicht mehr solch schreckliche Zeiten erlebt. Schon vor 500 Jahren haben sich keltische Bauern und Händler an der Einmündung des Flusses Regen angesiedelt. Ihre Kultur ist fast so hoch entwickelt wie die der Römer. Als der Feldherr und spätere Kaiser Tiberius 13 Jahre vor Christus die Alpen überquert und das Land bis zum zweitlängsten Strom Europas für das Imperium in Besitz nimmt, fügen die Kelten sich ohne Murren: Sie fanden es sicherer, im Schutz des Reiches zu leben, als Überfällen jener unbekannten Völkerschaften ausgesetzt zu sein, die in den weglosen Urwäldern nördlich der Donau hausen. Darum sind sie auch froh, als Kaiser Domitian in den Jahren 77-81 n. Chr. bei ihrer Siedlung Radaspona ein kleines Kastell für 500 Soldaten anlegen lässt. Diese Maßnahme hat die wilden Waldleute am anderen Ufer, die sich nach ihren Speeren „Ger-Mannen" nennen, vorsichtig gemacht. Inzwischen hat sich sogar ein reger Handel entwickelt.

Doch nun hat sich das friedliche Nebeneinander schlagartig in blutige Feindschaft verkehrt. Neue, noch viel stärkere Germanenvölker sind an den Strom vorgestoßen: die Markomannen und die Quaden. Der ganze Norden des Reichs ist in Aufruhr.

Zum Glück herrscht in Rom ein fähiger Mann: Mark Aurel (161-180), den man den „Philosophen auf dem Kaiserthron" nennt, weil er höchst geistvolle Selbstbetrachtungen verfasst. Von Hause aus aber ist er General, und das beweist er in diesen bedrohlichen Zeiten: In Hessen wirft er die Chatten über den Limes zurück, an der mittleren Donau zwischen Passau und Wien treibt er Markomannen und Quaden mit mächtigen Schlägen in die Flucht.

Eine der wichtigsten Festungen entsteht am nördlichsten Punkt der Donau, gleich neben der alten Keltenstadt Radaspona. Fünf Jahre lang bauen Tausende Legionäre an der gewaltigen Stadtmauer. Sie umfasst ein Geviert von 540 mal 450 Metern, der Innenraum ist 24 Hektar groß. In den Stützpunkt zieht die III. Italische Legion des römischen Heeres, die „Legio Concors", mit 6000 Soldaten ein. Zum Lager gehören Offizierskasinos. Bäckereien, Schmiedewerkstätten und Bäder. Im Gewerbeviertel werden Leder, Textilien und Nahrungsmittel weiterverarbeitet; auch Bayerns erste Bierbrauer sind hier am Werk.

Als der junge Zenturio und seine Truppe durch das Westtor einziehen, werden sie von den Bürgern mit Erleichterung begrüßt. Bald kehrt auch die Stammtruppe wieder; sie hat den Barbarenhaufen stromabwärts gestellt und zusammengehauen. Neugierig betrachten die Regensburger die vielen Gefangenen, die in Ketten durch die Straßen in das Kastell geschleift werden. Erst als das Römerreich in den Völkerstürmen des 5. Jahrhunderts zusammenbricht, können die Germanen den Süden Bayerns besetzen. Nun sind sie die Herren auch von Regensburg, aber der Stadt bleibt ihr Rang: Sie wird zur Residenz der bayerischen Herzöge und später zum Standort des „Immerwährenden Reichstags" der Deutschen.

 

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