Heidelberg, 1689: Als die Franzosen das Schloss zerstörten

Donnerstag, 12. Dezember 2013

In einer Nacht sank eine der schönsten deutschen Städte in Schutt und Asche

Über der ganzen Rheinpfalz glüht der Himmel wie flüssiges Eisen. Auf den Dorfplätzen sammeln sich verstörte Bauern. Gewaltige Detonationen haben sie aus dem Schlaf gerissen. Bald strömen die Menschen aus dem gesamten Umland in Richtung Heidelberg. Auch der junge Michel von einem kleinen Bauernhof in Odenwald hat sich mit seinen Eltern auf den Weg gemacht. Als sie den letzten Höhenzug am Neckar erreichen, starren sie fassungslos hinab ins Tal.

Das prächtige Schloss steht in Flammen. Französische Truppen plündern die Stadt und schleppen die Beute weg. Die Brandschatzung von Heidelberg im Jahr 1689 beendet den Aufstieg der Stadt, die zu den schönsten und reichsten Deutschlands zählt. Schon vor einer halben Million Jahren hatte der Urmensch „Homo heidelbergensis“ die Vorteile des Siedlungsplatzes am Neckar erkannt. 50 n. Chr. Kamen die Römer und schlugen 200 n.Chr. die erste Steinbrücke über den Fluss. Die Franken bauten im 11. Jahrhundert eine Burg auf den „Heidelberg“. 1170 herrschte dort Pfalzgraf Konrad, ein Halbbruder Barbarossas.

1386 wurde in Heidelberg nach Prag und Wien die dritte deutsche Universität gegründet. Die Stadt zählte über 12000 Einwohner. Handel und Gewerbe blühten. Im Dreißigjährigen Krieg winde sie von Feldherr Tilly erobert. Nach ihm kamen die Schweden, später die Bayern.

Aber den schlimmsten Schlag führten die Franzosen gegen die Stadt. Der Grund war ein blutiger Erbstreit. Der Herzog von Orléans, ein Bruder des „Sonnenkönigs" Ludwigs XIV., hat Liselotte von der Pfalz, eine Schwester des Heidelberger Kurfürsten, geheiratet. Nachdem der Kurfürst stirbt, macht Ludwig XIV. im Namen seiner deutschen Schwägerin, aber gegen deren Willen, Erbansprüche geltend. Da seine Forderung zurückgewiesen wird, schickt er Truppen und belagert Heidelberg. Alles Flehen Liselottes zur Rettung ihrer Heimat verhallt ungehört.

Der Stadtkommandant schenkt einem vermeintlich großzügigen Übergabeangebot der Franzosen Glauben und öffnet die Stadttore. Aber der berüchtigte General Mélac lässt die Mauern von Stadt und Schloss unterminieren. In der Nacht des 1. März 1689 schleudern die Franzosen Hunderte von Pechkränzen auf die Dächer. Mit riesigem Getöse werden die Pulverminen gezündet. Im Morgengrauen steht das Schloss in Flammen. Der Dicke Turm mit dem Festsaal ist auseinandergebrochen. Die Neckarbrücke ist in den Strom gestürzt. Große Teile der Stadt brennen. Männer, Frauen und Kinder hasten durch die Straßen. Viele springen vor Verzweiflung in den Fluss und werden von den eiskalten Wogen mitgerissen.

Auf Befehl des „Sonnenkönigs" soll auch im Umkreis von zehn Meilen um Heidelberg kein Stein auf dem anderen bleiben. In panischer Angst raffen Michel und seine Eltern in ihrer kleinen Kate das Nötigste zusammen. Kaum sind sie in den Wald geflüchtet, müssen sie mit ansehen, wie auch ihr Hof in Flammen aufgeht. Die Heidelberger können die Brände löschen und einen großen Teil ihrer Stadt retten.

Aber vier Jahre später kommen die Franzosen zurück. Diesmal sorgt Mélac dafür, dass der Befehl des Königs buchstabengetreu ausgeführt wird. Danach ist die Stadt nur noch ein rauchendes Trümmerfeld. Aber schon wenige Jahre später ist Heidelberg wieder aufgebaut. In der Pfalz aber bleibt für viele Jahre ein neuer Name für Hunde populär: Mélac.

 

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt