Als Münchens Rotgrüne einen Automaten für Einwegspritzen aufstellten

Freitag, 22. November 2013

Die Grünen und der Katastrophentourismus, Deutsch als Sprache der Wissenschaft auf dem Rückzug: In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 22. November 98.

SONNTAG

Kiels grüner Umweltminister Rainder Steenblock antwortet auf die Frage, warum er nicht schon längst zum Havaristen „Pallas" gefahren sei, er habe nicht dem Katastrophen-Tourismus Vorschub leisten wollen. Hebbel:Wer die Menschen kennenlernen will, der studiere ihre Entschuldigungsgründe.“

MONTAG

Über 40 Nobelpreisträger veröffentlichten ihre Werke auf Deutsch- jetzt stellt ein Forscher fest, dass die Sprache Goethes nur noch in drei wissenschaftlichen Disziplinen führen ist: Finnougristik, Assyriologie und Theologie.Wilhelm von Humboldt:Die Sprache ist gleichsam die äußere Erscheinung des Geistes der Völker.“

DIENSTAG

Nach der kritisierten Ausweisung eines 14jährigen aus München deckt ein Bochumer Kriminologe auf: jeder zweite in Deutschland inhaftierte Jugendstraftäter ist Ausländer; bei älteren Häftlingen sind es 30 Prozent. Dag Hammarskjöld: „Die Wahrheit ist so einfach, dass sie als anspruchsvolle Banalität erscheint. Und doch wird sie im Handeln ständig verleugnet.“

MITTWOCH

Münchens Polizei ist entsetzt, weil die rotgrüne Rathausmehrheit einen Automaten für Einwegspritzen aufstellen ließ. Auf Spielplätzen und Schulhöfen in der Umgebung droht Gefahr durch weggeworfene Injektionsnadeln, Dealer können am Automaten auf Kundschaft warten. Giordano Bruno: „Ein kleiner Irrtum am Anfang wird am Ende ein großer.“

DONNERSTAG

Hamburgs GAL-Umweltsenator Alexander Porschke bestellt ein Gutachten zu der Frage, ob es wirtschaftlich vertretbar sei, Kernkraftwerke stillzulegen. Der Auftrag geht an die Beratungsgesellschaft LDB. Sie hatte der GAL bereits 1997 eine Expertise geliefert - mit dem politisch erwünschten Resultat. Erich Kästner:Was immer auch geschieht, nie dürft ihr soweit sinken, von dem Kakao durch den man euch zieht, auch noch zu trinken!“

FREITAG

Der Göttinger Theologe Gerd Lüdemann, der sich vom Christentum losgesagt hat, lehnt es ab, an einer anderen Fakultät zu wirken: Eine freie Wissenschaft dürfe sich nicht an kirchliche Bekenntnisse binden. Deutsches Sprichwort: „Wenn der Fuchs predigt, so nimm die Hühner in Acht.“

SAMSTAG

Die Politlyrik der neuen Koalition kreiert neue Begriffe: statt geistig-moralische Wende" heißt es jetzt „Klima des geistigen Aufbruchs", aus dem Standort wird der „Bewegungsort Deutschland", aus Regierungsarbeit „Chancen-Management". Wilhelm Busch: „Grad so behilft sich der Poet, Du liebe Zeit, was soll er machen? / Gebraucht sind die Gedankensachen/ Schon alle, seit die Welt besteht.“

Anmerkungen   

Der „Grüne“-Politiker Rainder Steenblock war 1996-2000 Minister für Umwelt, Natur und Forsten in Schleswig-Holstein.

Der „Grüne“-Politiker Alexander Porschke war 1997-2001 Umweltsenator in Hamburg. Heute ist er Vorsitzender des NABU Hamburg.

Der evangelische Theologe Gerd Lüdemann lehrte 1983-1999 Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen. Als er sich vom christlichen Glauben lossagte, wurde ihm die Lehrbefugnis entzogen. Dagegen klagte er und erreichte, dass er die Hochschule ihn weiterbeschäftigen musste, wenn auch nicht mehr als Theologen mit Lehrbefugnis.

 

 

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