Dramaturgische Tricks der ARD gegen den Koalitionsvertrag

Dienstag, 3. Dezember 2013

Sendungen von Montag, 2.Dezember 2013

In „Hart aber fair“ sagen zum Koalitionsvertrag (Auszüge)

ARD-Moderator Frank Plasberg: „Was die Halbwertzeit von Themen, die eigentlich angeblich glasklar in diesem Koalitionsvertrag geregelt werden, was die Halbwertzeit angeht, da gibt es ein sehr schönes Beispiel. Ich sage nur M-A-U-T.“

ARD-Stimme zu TV-Ausschnitten vom Tag nach Vertragsabschluss: „6.50 Uhr. Willy-Brandt-Haus Berlin. CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt.“

Dobrindt, engagierter Befürworter der Maut, in einer ARD-Direktübertragung: „Die Pkw-Maut wird kommen, und so wird’s kommen.“

ARD-Stimme: „Eineinhalb Stunden später. 8.20 Uhr. Auftritt CDU-Vize Julia Klöckner.“

Klöckner, stets skeptisch gegen über den Maut-Plänen der Schwesterpartei, im ARD-Morgenmagazin: „Es sind ja drei Bedingungen genannt: dass kein deutscher Autofahrer mehr belastet wird, es muss EU-rechtkonform sein, und es muss was in die Kasse kommen. Das wird überprüft. Ich sehe es noch nicht.“

ARD-Stimme: „Noch eine halbe Stunde später. 8.50 Uhr. SPD-Parteivorstand Ralf Stegner.“

Stegner, linker Flügelmann im SPD-Vorstand und ein besonders erbitterter Gegner der Maut, in einem ARD-Interview: „Sagen wir mal, wenn Weihnachten und Ostern zusammengelegt wird im nächsten Jahr, dann kommt auch die Maut.“

Plasberg: „Wir haben das mal handgestoppt: Zwei Stunden hat das gehalten, die Maut ist geregelt, und dann ist es so zerbröselt. Was für ein Licht wirft das auf ein Vertragswerk, in Anführungszeichen, das sich an Symbolstellen so leicht auseinanderdröseln lässt?“

Was will Plasberg damit beweisen? Eine Politikerin und zwei Politiker, die zur Maut unterschiedliche Auffassungen vertraten und noch immer vertreten, sind mal mehr, mal weniger sicher, ob die Umsetzung des Vorhabens auch wirklich gelingt. Sie äußern sich dazu in unterschiedlichen Sendungen zu unterschiedlichen Zeiten. Dobrindt erklärt später noch den ganzen Tag und erklärt bis heute, dass die Maut kommen werde. Da ist also gar nichts zerbröselt. Und Dobrindt behauptet auch keineswegs, dass die Maut bereits „glasklar geregelt“ sei, wie Plasberg das unterstellt. Das wäre ja auch gar nicht möglich: Ein Koalitionsvertrag kann immer erst dann umgesetzt werden, wenn eine Koalition geschlossen ist und die Koalitionsregierung sich an die Arbeit macht. Der ARD-Zusammenschnitt verfolgte ausschließlich das Ziel, den Koalitionsvertrag und die Vertragspartner am Beispiel der Maut durch dramaturgische Tricks in Misskredit zu bringen. Die ARD nennt das „hart, aber fair“. Stanislaw Jerzy Lec: „Man kann auch ein Virtuose des falschen Spiels sein.“

*

In „Spätschicht – Die Comedy Bühne“ sprechen die Kabarettisten Lars Reichow und Christoph Sieber über die Frauenquote. Auszüge:

Sieber: „Hast du das gelesen? Die CDU möchte jetzt auch die Frauenquote. In unseren Firmen und Behörden sitzen so viele inkompetente Männer, da wäre es doch an der Zeit, dass jetzt auch mal eine unfähige Frau ran darf!“

Reichow: „Es gibt einen Haufen Jobs, die können nur Männer. Zum Beispiel Hausmann!“

Sieber: „Das überlasse ich meiner Frau. Ich sehe das Gesetz jetzt schon kommen. Da heißt es: Im Jahr 2020 müssen 50 Prozent aller Männer Frauen sein!“

Reichow: „Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Meine Frauenquote ist erfüllt: Ich bin verheiratet, mit einer Frau. Aber das dankt einem ja kein Mensch. Meine Frau sagt ja, dass wir Männer mittelfristig Auslaufmodelle sind. Allein schon wegen der Prostata.“

Sieber: „Uns Männern geht es inzwischen wie dem Fernsehen: Wir haben Quotendruck!“

Reichow: „Ich fühle mich als Mann langsam unerwünscht. Es ist ja fast schon so wie zu Hause: Wenn meine Frau das Wohnzimmer aufgeräumt hat, darf ich erst mal nicht rein.“

Sieber: „Was wir brauchen, ist keine Frauenquote, sondern eine Opferquote, für Männer, die wegen Frauenquote keinen Job mehr kriegen.“

Reichow: „Jetzt mal Klartext! Wenn sich eine Frau und ein Mann um einen Job bewerben, dann wird die Frau bevorzugt, wegen der Quote. Aber was ist, wenn der Mann einen Buckel hat, oder mit Behindertenausweis - wird dann gelost?“

Sieber: „Ja. Außer, er ist auch noch aus Afrika. Dann geht die Runde an ihn.“

Reichow: „Eine Frau aus Afrika mit Buckel, das wäre dann der absolute…“

Sieber: „Außer, der Mann kommt auch aus Afrika, und vielleicht ist er auch noch Transvestit. Das schlägt alles. Dann kriegen die zwar wahrscheinlich den Job nicht, aber eine eigene Sendung auf RTL 2.“

Tucholsky: „Die Satire muss übertreiben und ist ihrem tiefsten Wesen nach ungerecht … Sie kann gar nicht anders arbeiten als nach dem Bibelwort: Es leiden die Gerechten mit den Ungerechten.“

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TV-Sprüche

„Costa Cordalis ist inzwischen von der ‚Costa Concordia’ nicht mehr zu unterscheiden!“

Stefan Raab in „TV Total“ (ProSieben)

„Viele Menschen haben gespannt die Koalitionsverhandlungen verfolgt - zwischen der SPD und ihrer Basis!“

„Die SPD-Basis, das sind mehr als 400.000 Menschen, Das entspricht also Null komma irgendwas Prozent der Bevölkerung. Das nennt man übrigens Oligarchie: Die Herrschaft einiger. Und wenn sich das bewährt, dann bestimmt in Zukunft die SPD-Basis auch über den Bundestrainer, den Benzinpreis und das Fernsehprogramm!“

„Bei den nächsten Wahlen werden nur noch die Stimmen der SPD gezählt!“

Dieter Nuhr in „Satire Gipfel“ (ARD)

„Ich bin Sozialdemokrat – für euch wird es hart!“

„Ich komme aus einem ganz schwarzen Nest, alles CDU. Der einzige Vorteil: Ich konnte mit meinem SPD-Mitgliedsausweis auf dem Behindertenparkplatz stehen!“

„Willy Brandt hat immer gesagt: ‚Sozialismus und Alkoholismus – zwei Grundelemente zur Gestaltung einer lebenswerten Gesellschaft!‘ Mehr Demokratie wagen heißt eben auch: Einer geht noch, einer geht noch rein!“

Ingo Appelt in „Satire Gipfel“ (ARD)



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