Kondome und Eier-Witze zum Heiligen Abend bei RTL

Mittwoch, 27. November 2013

Spott über Helmut Kohl in der ARD, Perversionen bei RTLplus: In TELE-RETRO zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 25 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 27.November 1988.

In der Nachrichtensendung „RTL aktuell" vom Montag sagte die Moderatorin: „In Dänemark verschenken Taxifahrer jetzt Kondome an ihre Fahrgäste. Vielleicht könnte das ja auch bei uns helfen - zum Beispiel gehetzten Ehemännern auf der Jagd nach einem Mitbringsel zum Heiligen Abend..."

Tucholsky: „Denn mit dem Stil ist das wie mit so vielen Dingen: man hat ihn, oder man hat ihn nicht."

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Am Dienstag zeigte „RTLplus" seine Erotik-Sendung „Sexy Folies". Kostproben:

„Ich heiße Jane, und sollte sich hier in der Nähe ein Tarzan aufhalten, können wir zusammen ein Fass aufmachen."

„Perversion gibt es nicht - ich meine, das spielt sich doch alles auf intellektueller Ebene ab."

„Ich habe immer große Lust, meine Frau zu…, wenn sie gerade Eier kocht.“

Kulturauftrag erfüllt.

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In seiner „Brennpunkt“-Sendung am Mittwoch über die Gesundheitsreform zeigte ARD-Moderator Pleitgen einen Zeichentrickfilm über Arbeitsminister Blüm. Auszug: „Wie Sie wissen, habe ich mich lange Zeit mit Reiseabsichten getragen zu den Negern in Südafrika ... Ich bin jetzt heimlich dort gewesen, aber das hatte ausschließlich gesundheitspolitische Gründe. Gern schicke ich persönlich allen Mitbürgern, die mit mir die Kosten dämpfen möchten, ein Video, in das meine persönlichen Erfahrungen eingeflossen sind. Hier ein Ausschnitt." Danach tanzte der Zeichentrick-Blüm als Medizinmann umher.

Gute Besserung!

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In der ARD-Sendung „Scheibenwischer" vom Donnerstag sagten:

Kabarettist Hildebrandt: „Und dann der regierende amtierende Berliner Polizeiober-wauwau Kewenig: ,Verprügelt zu werden, das gehört zum Berufsrisiko des Journalisten' - das ist so ein richtig barschel-forscher Satz aus der alten Kieler Schule..."

„Wenn alle Politiker, die schon mal Unsinn geschwatzt haben über die Nazizeit, zurücktreten müssten, dann wäre der Stoiber der absolute Zupotaz - der zurückgetretenste Politiker aller Zeiten..."

Kabarettist Thomas: „Unsere Fußballnationalmannschaft und die Bayern, diese Versager - da kann man ja gleich die Bundesregierung schicken, da sitzen auch elf Verteidiger auf der Regierungsbank, und der Auswechselspieler ist der Mannschaftskapitän." - „Als ich Kohl das letzte Mal gesehen habe, wie er bei Gorbatschow herumgestanden und -gesessen und -gelümmelt hat, da habe ich mir immer gedacht: der Junge ist doch gedopt! Von der Figur sieht er doch schon ein bisschen dem Ben Johnson ähnlich. Intellektuell nähert er sich immer mehr dem Zehnkämpfer Hingsen an."

Theodor Wolfe: „Der ewige Flachkopf bleibt ewig Sieger. Ignoranz und Snobismus sind unüberwindliche Mächte."



Anmerkungen

Das Erotik-Magazin „Sexy Folies“ übernahm RTL aus Frankreich. Es lief 1988-90 auf verschiedenen Sendeplätzen am späten Abend, u. a. alle 14 Tage dienstags im „Wechsel mit Eine Chance für die Liebe“. Mit der Fleischbeschau machte der damalige RTL-Chef Helmut Thoma Quote auf Kosten des Niveaus.

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete.

SPD-Mitglied Dieter Hildebrandt (1927-2013) perfektionierte in „Scheibenwischer“ (1980-2003) das bundesdeutsche Gesinnungskabarett, bis sinkende Quoten die ARD bewogen, die Sendung an Mathias Richling zu übergeben. Da Hildebrandt später Namensrechte reklamierte, heißt die Sendung seit 2009 „Satire-Gipfel“. Richling sagte darüber: „Das Problem ist auch, dass Altgenosse Dieter Hildebrandt kein politisches Kabarett kann, sondern immer nur parteipolitisches. Sein Scheibenwischer wurde von der SPD immer angesehen als parteieigene Sendung. Deshalb geht Hildebrandt leider jede Form von Objektivität ab, auch in der Beurteilung von Kollegen.“

Der CDU-Politiker Wilhelm Kewenig (1934-1993)war 1986-89 Berlins Innensenator.

 



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