Die ARD über „Aktionäre und Reaktionäre“ in Bayern

Donnerstag, 21. November 2013

ARD-Häme über die CSU und „Spiegel“-Spott über Waldbrandopfer: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 21. November 93.

In der ARD-Sendung „Zak“ am Sonntag sagten

Reporter Eling zu Bildern von Strauß und Stoiber: „Bayern ist schön. Hier gehen Aktionäre und Reaktionäre Hand in Hand.“

Moderator Küppersbusch über eine Ex-CSU-Politikerin, die jetzt für die SPD kandidiert: „…sie hat zehn Jahre Kommunalpolitik gemacht und das offenbar zunehmend als den dort traditionellen Laberkäse empfunden.“

Harold Pinter: „Viel mehr Menschen müssen mit dem geistigen Existenzminimum auskommen als mit dem materiellen.“

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Am Sonntag berichtete die RTL-Sendung „Spiegel TV“ über ein deutsches Ehepaar, das es schaffte, sein Haus in Malibu-Canyon vor der Feuerkatastrophe zu retten. Auszug: „Ehemann Jürgen greift zunächst zur Videokamera… Der Mechaniker bei VW läuft und läuft, um sein privates Katastrophenprogramm zu absolvieren … Auch die Rückeroberung der feuerumtosten Heimstatt ist durchorganisiert… Wenig später kann man befriedigt die Ergebnisse der Pionierarbeit in Augenschein nehmen… gartenzwergmäßige Bewältigung der Katastrophe.“

Dazu Moderator Aust: „Vor allem dem fleißigen Gebrauch der Gießkanne ist es zu danken, dass die Gartenzwerg-Idylle erhalten blieb.“

Je schmutziger die Lache, desto wohler dem Frosch (deutsches Sprichwort)

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Aus der ZDF-Sendung „Frontal“ am Dienstag: „Und Gott schuf ein großes Licht für den Tag und ein kleines für die Nacht; so ward aus Abend und Morgen der vierte Tag, als der Herr sich zur Arbeit anschickte, hörte er eine Stimme: Halt ein, Herr, die vier-Tage-Woche ist genug! Da sprach der Herr zu sich: Nun gut, dann eben keine Tiere und Menschen – und blickte mit Wohlgefallen auf seinen riesigen Freizeitpark.“

Amen…

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In der ZDF-Übertragung des Fußballspiels Deutschlang – Brasilien am Mittwoch sagten:

Reporter Reif über die Aufstellung der Gäste: „Stammtorhüter Taffarel ist beim Lampenaufhängen vom Stuhl gefallen – dabei sollen die Brasilianer doch technisch so versiert sein.“

Kommentator Kürten zu einem Foul an dem Stuttgarter Buchwald, dem ein Gegenspieler mit dem Stiefel in das Gesicht trat: Er drückt ihm den Arm gegen die Halsschlagader, und da bleibt bekanntlich nicht nur die Luft, sondern auch das Blut weg. Und nach dem, was wir gesehen haben heute, muss man das Ganze doch beklagen.“

Auch nach dem, was wir gehört haben.

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Am Freitag ließ die ARD im „Bericht aus Bonn“ den SPD-Parteitag von der SPD-Journalistin Bütow kommentieren. Kostprobe: "Scharping ist die Nüchternheit in Person – aber in der nach der Wiedervereinigung ernüchterten Republik haben Politiker wie er einen hohen Stellenwert.“

Wenn wir schreiten Seit‘ an Seit‘…


Anmerkungen

Stefan Aust wurde 1988 Chefredakteur von „Spiegel TV“ und 1994 Chefredakteur des „Spiegel“. 2001 gründete er gemeinsam mit der Produktionsfirma dctp den mittlerweile durch DMAX ersetzten „Spiegel TV“-Ableger XXP. 2007 gab er seinen Posten als Geschäftsführer der Spiegel TV GmbH ab und wurde stattdessen Herausgeber der Sendung. Ein Jahr später schied er nach einem außergerichtlichen Vergleich aus. Seit Anfang 2009 ist Aust zur Hälfte an der Agentur agenda media GmbH beteiligt, die unter anderem für die WAZ-Mediengruppe Konzepte für Print, Fernsehen und Online entwickelt. Vor der Bundestagswahl 2009 produzierte und moderierte Aust mit der früheren ARD-Talkmasterin Sabine Christiansen fünf Sendungen für Sat.1.

Renate Bütow leitet seit 2005 die Redaktion "Europamagazin" im ARD-Studio Brüssel.

 

 

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