Jenny Elvers und Wolfgang Thierse über „Baywatch“

Freitag, 29. November 2013

Otto Schily über Einwanderung, die Langeweile der RTL-Talkshows: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 15 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 29. November 1998.

In „Talk im Turm" am Sonntag sagte Innenminister Schily zur Diskussion um ein Einwanderungsgesetz: „Es gibt in Deutschland so ein Empörungspotential. Da gehen viele Menschen dann vor den Spiegel und bestätigen sich, wie gut sie seien."

Wie z.B. Schilys Wähler.

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In „Frontal" am Dienstag sagte ZDF-Moderator Kienzle: „Der Präsident des BDI Hans-Olaf Henkel hat ... ganz bewusst seine Sprache der Politik angepasst. Denn, so Henkel wörtlich: ‚Es hat keinen Zweck, als Florettfechter gegen jemanden anzutreten, der eine Axt in der Hand hat.' Lieber Herr Henkel, jetzt wissen wir endlich, was mit Ihnen wirklich los ist: Aus Angst, von Politikern vielleicht doch verstanden zu werden, benehmen Sie sich selbst wie die Axt im Walde."

Hebbel: „Der Witz ist das einzige Ding, das um so weniger gefunden wird, je eifriger man es sucht:'

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In „Boulevard Bio" am Dienstag sprach ARD-Moderator Biolek mit Bundestagspräsident Thierse und Schauspielerin Elvers, die ihre Karriere als Heidekönigin in Amelinghausen begann, über die für ihre Strandschönheiten bekannte US-Serie „Baywatch". Auszug:

Biolek: „Wie sind Sie denn in Amerika an eine, wenn auch kleine Rolle in der Serie 'Baywatch' ..."

Elvers: „Immerhin drei Folgen!"

Biolek: „Dieser Hasselmann ..."

Elvers: „Hasselhoff!"

Thierse: „Das hätte sogar ich gewusst."

Elvers: „Mensch!"

Thierse: „Ja, ich habe ja Kinder, die das sehen…"

Elvers: „Ich dachte, Sie kennen eher Pamela Anderson!"

Biolek: „Jaja!"

Elvers: „Bei ‚Baywatch' ist nicht so viel Schauspielkunst gefragt."

Thierse: „Das ist wiederum auch richtig, ja."

Biolek: „Der Fachmann spricht!"

Elvers: „Sag mal - Sie sind der größte Fan, nehme ich mal an! Ich habe meinen eigenen Fanclub in Amelinghausen."

Zu Recht.

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Aus dem RTL-Programm vom Mittwoch:

„Bärbel Schäfer", 13 Uhr: „Meine Nachbarn finde ich zum Kotzen!"

„Birte Karalus", 14 Uhr: „Verdammt noch mal! Du hast mein Leben ruiniert!"

„Ilona Christen", 15 Uhr: „Ohne Kinder hätten wir ein besseres Leben!"

„Hans Meiser", 16 Uhr: „Jetzt reicht's - zieh endlich aus!"

Genug ist genug.

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Am Donnerstag wiederholte „Monitor" Äußerungen des heutigen Innenministers, der am 2. Dezember 1992 gesagt hatte: „Zuwanderung ist für uns aus vielerlei Gründen erforderlich und notwendig. Aus wirtschaftlichen Gründen, aus demographischen Gründen, aber ich denke, auch aus kulturellen Gründen. Diesem Land hat es immer gutgetan, wenn wir Zuwanderung gehabt haben."

Dazu ARD-Moderator Bednarz: „Das sagte Otto Schily 1992. Jetzt hat er erklärt, die Grenze der Belastbarkeit Deutschlands ist überschritten ... So ändern sich die Zeiten, und manche mit ihnen."

Rückert:Das sind die Weisen, die durch Irrtum zur Wahrheit reisen. Die beim Irrtum verharren, das sind die Narren."

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Zitat der Woche

"Wenn man fragt: ,Herr Schröder, wollen Sie das Fenster aufmachen oder zulassen?' Dann sagt er: ‚Beides'!“

Jürgen Becker in „Mitternachtsspitzen" (WDR)

Anmerkungen

Otto Schily war Mitbegründer der „Grünen“ und wechselte im November 1989 zur SPD. 1998-2005 war er Bundesinnenminister

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Hans-Olaf Henkel war 1995-2000 war er (im Ehrenamt) Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI).

Alfred Biolek begann seine TV-Karriere 1974 als Produzent der Rudi-Carrell-Show „Am laufenden Band“ und leitete später vor allem Talkshows in WDR und ARD: 1983–1984 „Bei Bio“, 1985–1991 „Mensch Meier“, 1991–2003 „Boulevard Bio“ und 1994–2006 die Kochsendung „alfredissimo!“

Klaus Bednarz war u.a. Auslandskorrespondent in Polen (1971–1977) und der Sowjetunion (1977–1982). 1983 wurde er Moderator der ARD-„Tagesthemen“, 1983 Leiter und Moderator der ARD-Sendung „Monitor“ und 2002 Sonderkorrespondent und Chefreporter für den WDR.



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