Der Nikolaus war ganz anders

Freitag, 6. Dezember 2013

Heute wird der Nikolaustag gefeiert. Doch die aus kinderfreundlichem Brauchtum gewachsene Gestalt des rauschebärtigen Gabenbringers hat mit dem Namensgeber kaum noch etwas zu tun.

Am Tag des hl. Nikolaus, am 6. Dezember, feiert die Christenheit ihr bei weitem populärstes Heiligenfest: Nur die Herrenfeste Weihnachten und Ostern besitzen eine noch reichere Tradition. Die aus kinderfreundlichem Brauchtum gewachsene Gestalt des rauschebärtigen Gabenbringers hat indes mit dem Namensgeber kaum noch etwas zu tun: Der historische Nikolaus war ein todesmutiger Märtyrer, ein weitgereister Pilger und ein führender Intellektueller seiner Epoche.

Den Keim zu einer kirchlichen Karriere legte sein Vater Euphemius, wohlhabender und frommer Bürger der Hafenstadt Myra an der Südküste Kleinasiens. Dort wurde Nikolaus um das Jahr 270 geboren. Seine Mutter Anna war die Schwester eines früheren, sein Vater der Bruder des amtierenden Erzbischofs von Myra, der ebenfalls Nikolaus hieß. Beider Namenspatron war der biblische Nikolaus (griechisch „Sieger des Volkes“) aus Alexandrien, der nach der Kreuzigung Christi zu den sieben Dienern der Apostel zählte.

Der jüngere Nikolaus besuchte die örtliche Schule und wurde zum Priester geweiht. Als eine Pestepidemie ihm die Eltern raubte, verteilte er das Erbe unter die Armen. Der Onkel setzte ihn darauf als Abt in einem Kloster ein: Als er starb, pilgerte der Neffe ins Heilige Land.

Da sich die Einwohner Myras lange nicht auf einen neuen Erzbischof einigen konnten, beschlossen sie eines Abends, denjenigen zu wählen, der am folgenden Morgen als erster die Kirche betrete. Es war der heimgekehrte Nikolaus. Er verwaltete sein Amt ganz im Geist einer Zeit, die erste Mönche hervorbrachte: Er lebte keusch, schlief auf dem nackten Boden und versammelte seine Gemeinde noch vor Sonnenaufgang zum ersten Gebet. Er ging ihnen auch ins Gefängnis voran: Bei der Christenverfolgung des Kaisers Galerius um 310 wurde er eingekerkert und gemartert. Da er der Folter widerstand, erhielt er den Ehrennamen „Bekenner“.

Die Bekehrung des neuen Kaisers Konstantin beendete die blutige Hatz. Das Toleranzedikt von Mailand 313 verfügte völlige Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung des Christentums, die Rückgabe kirchlichen Eigentums und die Abschaffung des heidnischen Staatskults. Nun aber drohte Gefahr von innen: Arius, ein Priester aus dem Hafenviertel von Alexandria, lehrte, dass Christus von Gott nicht gezeugt, sondern nur geschaffen und deshalb nicht ewig sei. Um eine Spaltung der rasch aufgeblühten Kirche zu verhindern, zitierte der Kaiser im Jahr 325 die führenden Seelenhirten des Reiches in seinen Sommerpalast nach Nicäa. Die Diskussionen dort dauerten neun Wochen an.

Unter den 280 Bischöfen setzte sich der brillante Theologe Nikolaus besonders beredt für die Anschauung des orthodoxen Patriarchen Athanasius ein, der Christus für wesensgleich mit Gott erklärte. Die Folternarben bestärkten die Autorität des Bekenners, und Athanasius siegte. Die Beschlüsse dieses ersten Konzils schufen das noch bis heute gültige Glaubensbekenntnis, das der Kaiser zum Reichsgesetz erhob – das wieder einheitliche Christentum wurde Staatsreligion.

Nikolaus kehrte nach Myra zurück, wo er um das Jahr 342 starb – an einem 6. Dezember. Bereits im 6. Jh. Bildete sich um ihn ein Kult heraus, der sich rasch in der gesamten griechischen Kirche und später auch in die slawischen Länder verbreitete. Besonders in Russland wurde der Heilige ungemein beliebt. Mit Angehörigen vieler anderer Berufe erkoren ihn sich auch die Bierbrauer und Schnapsbrenner zu ihrem Patron – zum russischen Wort für „sich betrinken“ wurde bis heute „nikolitjsja“.

Im 9. Jahrhundert drang die Verehrung des Nikolaus über Unteritalien nach Westeuropa vor. Im Mai 1087 landeten vierzig normannische Kaufleute in Myra, das nach Attacken moslemischer Eroberer und Rückzügen byzantinischer Truppen im Niemandsland lag. Die Seefahrer raubten die Gebeine des Heiligen aus dem von nur drei Mönchen bewachten Grab und entführten sie nach Bari. Von dort gelangten heilige Überreste auch in die Schweiz, ein Fingerglied kam nach Lothringen.

Den Reliquien folgten die Legenden: Der barmherzige Bischof soll alljährlich zur Weihnachtszeit vermummt durch Myra gelaufen sein und heimlich vergoldete Äpfel oder Nüsse vor die Türen der Armen gelegt haben. Einer Braut, die ihre Mitgift im Bordell verdienen sollte, warf er Goldstücke durch den Kamin. Erinnerungen an solche Wohltaten erhalten sich im Nikolaus Europas ebenso wie im amerikanischen Santa Claus. Züge des aus germanischen Naturgeistern entstandenen Kinderschrecks Ruprecht wiederum vereinen sich mit denen des Nikolaus zum strengen Herrn Winter, den Moritz von Schwind 1847 für den „Münchner Bilderbogen“ entwarf – er war der Vorläufer des modernen Weihnachtsmanns.

Wie der Kommerz will nun auch die Political correctness das Fest für eigene Zwecke nutzen: In Holland lenkten jetzt Antirassisten öffentliches Interesse auf sich und ihre Sache, indem sie dagegen protestierten, dass der „Sinterklaas“ mit als Mohren verkleideten Begleitern („Zwarte Piets“) auftritt und sein Kreuz auch vor Kindern zugewanderter Muselmanen trägt.



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