Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und Christa Müller

Freitag, 13. Dezember 2013

Joschka Fischers wirre NATO-Idee, Johannes B. Kerners nackter Weihnachtsmann: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 15 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 13. Dezember 1998.

In „Mona Lisa" (ZDF) am Sonntag meinte die Ehefrau des Bundesfinanzministers, Christa Müller, dass das Publikum ihr Sätze wie „Gerhard Schröder, Oskar Lafontaine und ich - und die gesamte SPD" übelnehme, sei „das Problem der Öffentlichkeit und nicht meines".

Der Apfel fällt nicht weit vom Mann.

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In „Tagesthemen" am Dienstag sagte ARD-Kommentator Bednarz: „Man sagt es als Journalist ja vielleicht nur ungern, aber wo ein Politiker recht hat, da hat er recht. Und recht hat Joschka Fischer mit seiner Forderung, die Nato möge auf den Ersteinsatz von Atomwaffen verzichten ... Dass die Atommächte, und vor allem die USA, die sich gern als Weltpolizist aufspielen, auf diesen Knüppel nicht verzichten wollen, ist verständlich. Es ist militärisch-männliches Macho- und Imponiergehabe!"

Stanislaw Jerzy Lee: „Auch geistige Kastraten machen sich mit schriller Stimme bemerkbar."

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In „Tagesthemen" am Mittwoch sagte ARD-Kommentator Vogel über Pinochet: „Großbritannien und vor allem aber die USA waren es, die immer wieder im eigenen Interesse anders handelten, als es die hehren Ideale der freien Welt erwarten ließen. Pinochet war ihr Mann. Und nicht nur das, die CIA, besonders unter Richard Nixon, vereitelte fast alle oppositionellen Versuche vor ihrer amerikanischen Haustür ... Demokratie und Menschenrechte blieben auf der Strecke. Pinochet ist eines der zwei Gesichter der mächtigsten Demokratie der Welt. Ein spanischer Richter hat ... dieses Gesicht bloßgelegt. Interessant zu beobachten wird sein, wie das heutige Amerika mit diesem Teil seiner Geschichte umgeht..."   •

Helmut Qualtinger: „Moralische Entrüstung ist der Heiligenschein der Scheinheiligen."

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In „Die Johannes B. Kerner-Show" (ZDF) am Donnerstag zeigte ZDF-Showmaster Kerner einen im Stil des Straßenverkehrs-Ratgebers „Der 7. Sinn" gedrehten, Kurzfilm, in dem ein als Weihnachtsmann verkleideter Exhibitionist im Wald vor einer Frau, den Mantel öffnet. Text: „Denken Sie daran: Nicht jeder Mann mit rotem Mantel, einer langen Rute und dickem Sack ist der Weihnachtsmann."

Elfmal werden wir noch wach...

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In einem „Panorama"-Bericht am Donnerstag über die von der Bremer Anti-Atomkraft-Aktivistin Schmitz-Feuerhake aufgestellten Falschbehauptungen über das Kernkraftwerk Krümmel sagten

ARD-Moderatorin Schlesinger: „Niemand hat so viele Krümmel-Gutachten vorgelegt wie sie. Aber ihre Forschungsergebnisse halten oft wissenschaftlicher Prüfung nicht stand ... Glaubenskrieger ... das verstellt bekanntlich den Blick."

Der Bremer Physiker Kirchner, ebenfalls Kernkraftgegner und einstiger Mitstreiter Schmitz-Feuerhakes: „Ich kann eindeutig ausschließen, dass dieses Plutonium aus dem Kernkraftwerk Krümmel emittiert ist."  

ARD-Reporterin von Hollander: „Außer Thesen nichts gewesen… Das Ende der Debatte dann in einer Fernsehdiskussion. Weinerlich versucht die Professorin den Abtrünnigen als Feind aller Frauen in der Wissenschaft zu verunglimpfen... die sogenannte ‚kritische Wissenschaftlerin'•produziert seit Anfang der 90er Jahre dünne Studien und dicke Schlagzeilen. Bereitwillig greifen die Medien ihre Hypothesen auf..."

Bisher leider vor allem auch die ARD.

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Zitat der Woche

„Beim nächsten Parteitag der Grünen wird die Presselounge von Reemtsma gesponsert. Warum nicht? Bei der SPD zum Beispiel stellt VW den Bundeskanzler!“

Harald Schmidt in•“Die Harald Schmidt Show" (SAT.1)

Anmerkungen

Die Ökonomin Christa Müller war von 1993-2013 mit dem SPD- und späteren Linke-Politiker Oskar Lafontaine verheiratet. Ihre Äußerung bezieht sich auf höhnische Kommentare, in denen Journalisten ihr Selbstüberschätzung vorwarfen.

Der SPD-nahe TV-Journalist Klaus Bednarz trat als Moderator der ARD-„Tagesthemen“ (1983) und des ARD-Magazins „Monitor“ (1983-2001) nachhaltig für die politischen Ziele der SPD ein, der er als 68er nahestand. Seit seiner Pensionierung dreht er für die ARD Reportagen aus aller Welt.

Der TV-Journalist Immo Vogel war Chef-Korrespondent und Auslandschef des SWR sowie Moderator der ARD-Magazine „Weltspiegel“ und „Europamagazin“.

In seinem Betrag bezog sich Vogel auf den spanischen Untersuchungsrichter Baltasar Garzón Real. Der Jurist ist Mitglied der Spanischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Er erreichte internationale Aufmerksamkeit, als er im Oktober 1998 einen internationalen Haftbefehl gegen den ehemaligen chilenischen Staatspräsidenten Augusto Pinochet erließ. Später wollte er wegen US-Aktionen der 70er Jahre in Lateinamerika gegen US-Außenminister Henry Kissinger vorgehen. 2003 trat Garzón öffentlich als Gegner des Irak-Kriegs in Erscheinung und eröffnete Verfahren gegen verschiedene Mitglieder des US-Präsidenten George W. Bush. 2009 sollte er wegen Unterschlagung gegen die Bank Santander ermitteln. Nach mehreren Anklagen wegen Korruption und Rechtsbeugung erhielt Garzón im Februar 2012 vom Senat des obersten Gerichts Spaniens schließlich ein elfjähriges Berufsverbot.

Patricia Schlesinger wurde 1990 Reporterin beim ARD-Magazin „Panorama“. 1995-1997 leitete sie das ARD-Auslandsstudios in Singapur. 1997 kehrte sie nach Hamburg zurück und moderierte bis 2001 „Panorama“. Danach wechselte sie ins ARD-Studio Washington. 2004 kehrte sie erneut zurück. Seit 2007 leitet sie den NDR-Programmbereich Kultur und Dokumentation.

Ingrid Schmitz-Feuerhake wurde bundesweit bekannt, weil sie immer wieder Studien verfasste, die beweisen sollten, dass sich durch das Kernkraftwerk Krümmel in den Elbmarschen Leukämiefälle häufen würden. Fachkollegen wiesen die Studien sämtlich zurück. Selbst der atomkritische „Spiegel“ meldete 1998 jedoch ohne Umschweife: „Die angeblichen Beweise der Bremer Physikerin stürzten zum dritten Mal in sich zusammen.“



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