Wie SPD und Grüne den Ausstieg aus der Atomenergie erzwangen

Freitag, 20. Dezember 2013

Vorweihnachtlicher ARD-Hohn über Papst Johannes Paul II., kalter Kaffee von Dieter Hildebrandt: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 15 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 20. Dezember 98.

In „heute-journal" am Montag sagte ZDF-Moderator von Lojewski

zu den sogenannten Konsensgesprächen über den Ausstieg aus der

Atomenergie: „Sie betreiben eine Bäckerei. Ich sage Ihnen, die machen Sie zu in ein paar Jahren. Bis dahin werden wir Ihnen die Betriebsauflagen noch kräftig verschärfen, und Sie werden doch einsehen, dass Sie von mir keinen Schadensersatz wollen. Warum kann man so was Konsensgespräche nennen?"

Gogol: „Wie oft wird das Verständliche durch den Vergleich noch klarer!"

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In „Frontal" am Dienstag sagte ZDF-Moderator Kienzle (SPD) „Abschied von zwei Augenbrauen. Theo Waigel, der Herr der Löcher, hat jetzt auch als CSU-Chef den Dienst quittiert... Verehrter Herr Waigel, Sie werden mir fehlen. Von allen Bonner Löchern waren Sie mir das liebste. Neun Jahre lang haben wir gemeinsam in den Abgrund geschaut, jetzt sind Sie einen Schritt weiter."

Abgestürzt.

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In „Monitor" am Donnerstag sagte ARD-Moderator Bednarz: „Zum Schluss möchten wir... auf Weihnachten einstimmen. Zur Besinnung hat der Papst aufgerufen, und zur Buße für unsere Sünden. Doch - wofür und wie büßt er selbst?“

Danach folgte ein Zeichentrickfilm des ARD-Mitarbeiters Siegel. Kostproben:

Zu Bildern des Papstes: „Bei einem Glas Chianti gerät der Stellvertreter Gottes ins Grübeln. Kreuzritter. Frauen und Kinder mussten sterben. Dörfer wurden niedergebrannt. Wie gut, dass ich den Ablass verkündete. Einen Tag Rotwein, und die Schuld ist getilgt Prima."

Zu Bildern von Bischöfen, die auf einem Scheiterhaufen Kondome

verbrennen: „Gerade will sich Wojtila bei einer hübschen Havanna erleichtert von millionenfacher Sünde zurücklehnen, da kommt schon wieder ein störender Gedanke. Wie viele Menschen werden in diesen Tagen elendiglich vor Hunger sterben? Überbevölkerung in Afrika, diesem unchristlichen Kontinent. Und meine Bischöfe, was können die schon dagegen tun?"

Zu Bildern des Papstes vor einem TV-Apparat, auf dessen Bildschirm Bednarz erscheint: „So viel Sünde! Doch welche Strafe gibt es noch? Da, einer Offenbarung gleich, bietet himmelsgleich sich die Lösung an: Selbstkasteiung muss sein. Bei einer so schrecklichen Strafe ist die Sünde getilgt."

Deutsches Sprichwort: „Dummheit und Stolz wachsen auf einem Holz."

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In „Scheibenwischer" am Donnerstag sprachen die ARD-Kabarettisten Hildebrandt und Jonas über Schwarzarbeit. Auszug:

Hildebrandt: „Ich suche einen Handwerker, der mein Bad neu fliest. Ich habe mich schon gewendet an einen alteingesessenen Handwerksbetrieb. Ein netter Mann. Der hat gefragt: Mit oder ohne?"

Jonas: „Soviel ich weiß, trinkst du ihn schwarz. Wieso bietet dir der am Telefon einen Kaffee an?"

Hildebrandt: „Rechnung! Er hat mich gefragt. Brauchen Sie eine Rechnung oder nicht?"

Ober, zahlen!

Anmerkungen

Nach Übernahme der Regierungsgeschäfte 1998 hatten rot-grüne Spitzenpolitiker bei ihren ersten Koalitionsrunden beschlossen, noch bis Ende des Jahres mit den Energieunternehmen über den Ausstieg aus der Atomenergie zu „sprechen“. Gebe es bis dahin keine Einigung, solle der Ausstieg „gesetzlich geregelt“ werden. Das entsprach Abmachung im Koalitionsvertrag von SPD und Grünen, nach der sogenannte „Konsensgespräche“ auf ein Jahr befristet sein sollten. Da es weder wirtschaftliche noch technische Gründe gegen die Atomkraft gab, die in praktisch allen anderen wirtschaftlich entwickelten Ländern bis heute weiter genutzt wird, musste politischer Druck aufgebaut werden. Den Wähler wurden durch immer neue Schreckensszenarien so viel Angst gemacht, dass ein festhalten an der Atomenergie in Deutschland politisch nicht mehr durchsetzbar war.

Wolf von Lojewski war 1992-2003 Leiter und Moderator des ZDF-„heute-Journal“.

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Der Journalist Klaus Bednarz war ARD-Auslandskorrespondent in Polen (1971–1977) und in der Sowjetunion (1977–1982). 1983 moderierte er die ARD-„Tagesthemen“, 1983-2001 war er als Redaktionsleiter und Moderator der WDR-Sendung „Monitor“ ein besonders profilierter Propagandist der SPD-Ostpolitik. Franz Josef Strauß nannte das Bednarz-Magazin „Rote Reichsfernsehkammer“.

SPD-Mitglied Dieter Hildebrandt (1927-2013) perfektionierte in „Scheibenwischer“ (1980-2003) das bundesdeutsche Gesinnungskabarett, bis sinkende Quoten die ARD bewogen, die Sendung an Mathias Richling zu übergeben. Da Hildebrandt später Namensrechte reklamierte, heißt die Sendung seit 2009 „Satire-Gipfel“. Richling sagte darüber: „Das Problem ist auch, dass Altgenosse Dieter Hildebrandt kein politisches Kabarett kann, sondern immer nur parteipolitisches. Sein Scheibenwischer wurde von der SPD immer angesehen als parteieigene Sendung. Deshalb geht Hildebrandt leider jede Form von Objektivität ab, auch in der Beurteilung von Kollegen.“

 



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