Aischylos: Immer wieder schlug er Griechenlands Dichter-Elite

Samstag, 28. Dezember 2013

Vor 2470 Jahren starb der Schöpfer der abendländischen Tragödie. Er schrieb den ersten Dialog und die erste Trilogie.

Er war der größte Dichter seiner Zeit, aber auf seinem Grabstein ließ er lediglich seine soldatischen Leistungen vermerken. Seine Werke bedeuteten den Höhepunkt der klassischen griechischen Tragödie, er selbst aber nannte sie "Brosamen vom Tisch Homers." Von seinen Landsleuten verehrt, starb er dennoch fern der Heimat. Und um seinen Tod vor 2450 Jahren rankt sich eine ungewöhnlichste Legende.

Der attische Dichter Aischylos, geboren im Jahr 525 oder 524 vor Christus als Sohn einer vornehmen Familie in der durch ihre Mysterienspiele bedeutenden Stadt Eleusis, wurde zum Oberhaupt einer ganzen Sippe von Tragödiendichtern: Seine beiden Söhne Euphorion und Euaion widmeten sich ebenso mit Erfolg dieser Kunst wie sein Neffe Philokles, sein Enkel Morsimos und sein Urenkel Astydamas.

Nach Eleusis zogen damals zweimal jeden Herbst Eingeweihte aus ganz Griechenland von Athen aus in einer feierlichen Prozession zu Ehren der Fruchtbarkeitsgöttin Demeter. Dass ihnen bei diesen Kulthandlungen nach ihrem Glauben die Göttin selbst erschien, bedeutete für die Teilnehmer die Verheißung der eigenen Wiedergeburt. Über den Kult war absolutes Stillschweigen zu bewahren.

Auch Aischylos war einer dieser Eingeweihten. Zu den spärlichen Nachrichten über sein Leben zählt die von einem Prozess, der gegen ihn wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das strenge Schweigegebot geführt wurde. Der Dichter wurde jedoch freigesprochen.

Wesentlich mehr ist über seine militärische Laufbahn bekannt: Bei der Schlacht von Marathon im Jahr 490 v.Chr., als die Athener unter Miltiades ein zahlenmäßig weit überlegenes persisches Heer besiegten, kommandierte der Vierzigjährige eine Abteilung. Zehn Jahre später kämpfte er in den Seeschlachten bei Artemision und bei Salamis gegen die Truppen des persischen Königs Xerxes.

Sein Schlüsselerlebnis in diesen Kriegen waren wohl die Stunden, als er mit Zehntausenden von anderen evakuierten Athenern auf den Hügeln der Insel Salamis saß und zusehen musste, wie die Perser die Tempel und Gebäude auf der Akropolis niederbrannten.

Acht Jahre später wurde sein Drama "Die Perser" uraufgeführt. Aischylos ließ es in Susa spielen, der Hauptstadt der Perser, zu jener Stunde, da Xerxes die Nachricht von der entscheidenden Niederlage bei Salamis erhielt.

Das Stück machte den Autor auf Anhieb in ganz Griechenland berühmt: Als erster hatte Aischylos in die bis dahin übliche feierliche Chordichtung einen zweiten Schauspieler eingeführt und damit den dramatischen Dialog möglich gemacht.

Von seinen etwa 90 Dramen sind nur sieben erhalten: "Perser", "Sieben gegen Theben", "Schutzflehende", "Gefesselter Prometheus" sowie die erste Trilogie der Weltliteratur, die "Orestie" aus "Agamemnon", "Choephoren" und "Eumeniden". In allen diesen Werken zeigte der große Dichter, wie Menschen kaum vermeidbar in Verblendung geraten und dennoch für ihr Handeln verantwortlich bleiben. Für seine großen Gedanken wählte Aischylos eine erhabene, sinnschwere Sprache.

Der Erfolg war überwältigend: Beim Tragiker-Wettstreit an den Großen Dionysien, einem Fest zu Ehren des Gottes Dionysos, soll Aischylos nicht weniger als 28 Mal über die versammelte Dichter-Elite Griechenlands gesiegt haben.

Am politischen Leben Athens nahm der Dichter regen Anteil. Er kannte den großen Lyriker Pindar, traf bei den Isthmischen Spielen in der Nähe von Korinth mit dem berühmten Tragiker Ion von Chios zusammen und reiste an den Hof des kunstsinnigen Hieron von Syrakus, um seine "Perser" auch auf Sizilien zu inszenieren.

Der Grund, warum Aischylos im Alter von 67 Jahren seine Heimat für immer verließ, ist ungeklärt. Im Jahr 458 reiste der Dichter zum zweiten Mal nach Syrakus, übersiedelte dann aber aus unbekannten Gründen nach Gela an der Südküste der Insel, wo er zwei Jahre später starb.

Abergläubische erzählten sich später, ein Geschoss vom Himmel habe den Dichter getroffen, so wie es ihm geweissagt worden sei. Sein Grabrelief zeigte einen Adler, der eine Schildkröte in den Krallen trug. Ihre Schalen, die der Vogel aus großer Höhe herabfallen ließ, sollen den Kopf des Genies zerschmettert haben und Aischylos durch diesen ungewöhnlichen Tod noch einmal aus den Reihen der gewöhnlichen Sterblichen herausgehoben haben.

Auch die vom Dichter selbst verfasste Grabinschrift ist überliefert. Sie lautet: "Aischylos birgt, des Euphorios Sohn, dieses Grab, der in der kornreichen Stadt Gela sein Leben beschloss. Kampfmut bezeugt ihm Marathons Feld, das höchlich berühmte, und der Meder mit wallendem Haar, der ihn kennt."



Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt