Konrad I.: Er übergab die Macht freiwillig seinen Feinden

Montag, 23. Dezember 2013

Vor 1095 Jahren starb der erste deutsche König

In seiner gesamten siebenjährigen Regierungszeit konnte er praktisch keinen einzigen Tag des Friedens genießen. Außer den Angehörigen seines eigenen Stammes waren alle gegen ihn, Seine Versuche, die Feinde mit eiserner Faust unter seine Herrschaft zu zwingen, scheiterten. Eine schwere Kampfeswunde warf ihn schließlich aufs Sterbelager. Da bewies der Franke staunenswerte Größe: Er übergab seinem Bruder die Insignien seiner Königswürde und schickte ihn damit zu seinen erbittertsten Feinden.

„Wir haben viele Getreue und ein großes Volk, das uns im Krieg folgt, wir haben Burgen und Waffen, in unseren Händen sind die Reichsinsignien, und es umgibt uns aller Glanz des Königtums", sagte er zu ihm. Aber es fehlt uns das Glück und das rechte Geschick. Das Glück, mein Bruder, und die herrlichste Befähigung sind Herzog Heinrich zuteil geworden; die Zukunft des Reichs steht nun bei den Sachsen."

Und dann befahl Konrad mit der Autorität des gesalbten Königs dem Bruder, der gern selbst König geworden wäre: „Nimm also diese Heilige Lanze, die goldenen Spangen mit dem Königsmantel, das Schwert und die Krone unserer alten Könige, gehe hin zu Heinrich und mache deinen Frieden mit ihm, damit du ihn zum Freund hast. Oder soll das ganze Frankenvolk mit dir vor seinem Schwert zugrunde gehen? Denn wahrlich, er wird ein König und Herr vieler Völker sein."

Dann - vor 1095 Jahren, am 23. Dezember 918 - starb der glücklose Herrscher. Er ging in die Geschichte nicht nur als erster König der Deutschen ein, sondern auch als bis heute einziger seiner Machthaber, der seine Regierungsgewalt freiwillig dem politischen Gegner übergab.

Konrads Verdienst bleibt es, als erster die Stämme östlich des Rheins zu einem eigenen, souveränen Staatsgebilde zusammengefasst zu haben - jene Stämme der Franken, Sachsen, Lothringer, Bayern und Schwaben, aus denen sich erst ganz allmählich ein Volk der „Deutschen" herauszubilden begann.

Ludwig IV., der letzte Herrscher aus dem Blut Karls des Großen, der noch über das gesamte Frankenreich zwischen Elbe und Pyrenäen gebot, starb mit nur 18 Jahren. Als Nachfolger kam nach den Gesetzen des Blutes nur der König Westfrankens in Frage, Karl III., „der Einfältige" genannt. Doch das Selbstbewusstsein der germanischen Stämme Ostfrankens war bereits zu groß, als dass sie diese Erbfolge akzeptiert hätten. Stattdessen kehrten sie zur altgermanischen Form der Königserhebung zurück und schlugen den Sachsenherzog Otto vor. Der aber fühlte sich zu alt und empfahl Herzog Konrad von Franken. Auf einer Reichsversammlung im oberfränkischen Forchheim vom 6. bis 10. November 911 wurde der neue König von den Großen Frankens, Sachsens, Bayerns und Schwabens gewählt.

Die erste und bleibende Aufgabe war der Krieg: Lothringen war der Wahl ferngeblieben und hatte sich unter die Herrschaft Karls des Einfältigen gestellt. Konrad versuchte, dem Westfranken das reiche Land zu entreißen, hatte aber keinen Erfolg.

Das Deutsche Reich erlebte, was ihm später noch so oft schaden sollte: Die Fürsten wollten zwar wieder einen Herrscher, aber nicht einen, der wirkliche Macht ausübte und ihre eigene Souveränität beschnitt.

Konrad war klar, dass sich das neue Reich nur halten konnte, wenn sich die Zentralmacht durchzusetzen verstand. Er versuchte es mit robuster Härte: Sachsen wurde angegriffen und verwüstet, der Herrscher von Schwaben besiegt, gefangengesetzt und nach einem Fluchtversucht enthauptet, der Bayer angegriffen und vertrieben – er floh lieber zu den Ungarn, den schlimmsten Feinden des Reichs, als sich dem Franken zu unterwerfen.

Der von Konrad zum Nachfolger bestimmte Heinrich aber besiegte die Ungarn und festigte die königliche Macht. Und Heinrichs Sohn, Otto der Große, dehnte das Reich nach Osten aus und löste es damit endgültig aus dem Einfluss des karolingischen Westens.

König Konrad I., so die Chronisten, war ritterlich, tapfer, fromm und gescheit, dazu von heiterem Gemüt, aber zugleich rastlos und leicht hingerissen zum Zorn wie zu edelmütiger Verzeihung, ebenso rasch von Begeisterung beflügelt und dann wieder niedergeschlagen. Niemals aber versagte seine große Tüchtigkeit; als Herrscher war er für ein Weltreich geschaffen, das zu errichten erst seinen Nachfolgern vergönnt war.

 



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