Konradin: Mit 15 kämpfte er um sein italienisches Erbe

Dienstag, 29. Oktober 2013

Vor 745 Jahren wurde der letzte Staufer in Neapel hingerichtet

Die Enthauptung des letzten Staufers Konradin vor 745 Jahren, am 29. Oktober 1268, auf dem Marktplatz von Neapel zählt zu jenen Ereignissen der deutschen Geschichte, die ihre Zeugen nur wenig, die Nachwelt dafür umso heftiger bewegten. Als die Nachricht über die Alpen kam, wurde nur in Straßburg und Worms, den Zentren der staufischen Partei, so recht getrauert. Andernorts gingen die Bürger alsbald zur Tagesordnung über. Nur die Fürsten, berichtet der „Meißner", ein Spruchdichter des späten 13. Jahrhunderts, „eisete" es: Bei der Vorstellung, wie leicht selbst ein Mitglied des Hochadels den Kopf verlieren konnte, lief es ihnen kalt den Rücken herunter.

Die Hinrichtungsart selbst hingegen galt eher als human. Verwandte und Verbündete des Verlierers hatten weit Schlimmeres zu erleiden: Nach der unglücklichen Schlacht gegen Karl von Anjou bei dem süditalienischen Dorf Tagliacozzo ließ der Sieger die Gefangenen blenden und an allen Gliedern verstümmeln. Und als ein Berater warnte, der Anblick der Bedauernswerten könne bei ihrer Rückkehr nach Rom die Franzosen Sympathien kosten, befahl Karl, die Krüppel in ein Haus zu treiben und es anzuzünden.

Ähnlich grausam verfuhr er auch mit den Angehörigen seiner Gegner: Nach dem Sieg über König Manfred im Jahr 1266 bei Benevent trennte der Franzose dessen griechische Frau für immer von ihren vier Kindern, deren ältestes kaum sechs Jahre war. Die Mutter starb nach fünf Jahren im Kerker. Die Tochter kam erst nach 18 Jahren frei. Die drei Söhne aber wurden 30 Jahre in Ketten gehalten. Zwei von ihnen starben, durch die lange Haft erblindet; dem dritten gelang die Flucht, aber er fand sich in der Freiheit nicht zurecht, irrte herum und ging in Ägypten zugrunde.

Auch Konradin selbst hatte sich allerdings Grausamkeiten zuschulden kommen lassen: Am Morgen der Entscheidungsschlacht ließ er den gefangengenommenen Marschall seines Gegners kurzerhand enthaupten. Konradins Verbündeter Pallavicini konstruierte gar eine Schaukel, die dem an ihr Hängenden nach und nach alle Zähne herausbrach.

Hätte Konradin gewonnen, darüber sind sich die meisten Historiker einig, hätte Karl von Anjou kaum einen leichteren Tod gefunden. Und diesen Tod sah der Franzose schon vor Augen. Denn in der Schlacht hatte Konradin den Sieg bereits in der Tasche. Das erste und zweite Treffen des Franzosen war in die Flucht geschlagen; schon begannen die Krieger des Deutschen, den Tross des Gegners zu plündern. Das aber war ihr entscheidender Fehler. Denn Karl von Anjou hatte zum ersten Mal in der Militärgeschichte des Mittelalters einen Teil seines Heeres zurückgehalten und 1000 französische Ritter hinter einer Bodenwelle versteckt.

Hätte Konradin es geschafft, sein Heer nach dem Sieg zusammenzuhalten, wäre der französische Gegenangriff wohl ohne größere Wirkung verpufft. So aber traf die Reserve auf ein schon aufgelöstes Heer, und der sichergeglaubte Sieg verwandelte sich in eine katastrophale Niederlage.

Konradin, Enkel Kaiser Friedrichs II. und Sohn König Konrads IV. von Hohenstaufen, war beim Tod seines Vaters erst zwei Jahre alt. Er wuchs bei seiner Mutter Elisabeth von Bayern auf. Mit 15 Jahren beschloss er, den Kampf um sein italienisches Erbe aufzunehmen, das der französische Papst Klemens IV. aus Hass gegen die Staufer seinem Landsmann Karl zu Lehen gegeben hatte.

Als Konradin am 24. Juli 1268 in Rom einzog, war die ganze Stadt auf den Beinen. Der junge Staufer war hochgewachsen, blond, bildschön und äußerst begabt. Er sprach schon als Kind perfekt Lateinisch. Die Ewige Stadt lag ihm zu Füßen. Einem riesigen Fackelzug folgten drei Wochen voller Feste. Nur der Papst saß grollend in seiner Burg und bedrohte jeden, der für den Staufer Partei nahm, mit dem Bann.

In die Entscheidungsschlacht führte Konradin 6000 Mann deutscher, spanischer und italienischer Reiterei. Nach der Niederlage floh er und irrte durch Süditalien. Zwei Wochen später wurde er gefangen, wegen „Raub und Verrat" vor Gericht gestellt und mit zwölf Gefährten zum Tode verurteilt.

Nach der Hinrichtung, so weiß die Legende, erschütterte ein Erdbeben Neapel, und ein Adler netzte die rechte Schwinge im Blut des Staufers. Der Chronist der „Magdeburger Jahrbücher" notierte: „Die Völker in jenen Gegenden Italiens scheinen über Konradins Tod größeren Schmerz zu empfinden als die Deutschen." Deren Anteilnahme äußerte sich erst Jahrhunderte später, in Barock und Romantik – dann aber reichlich: Bis heute werden 94 deutsche Konradin-Dramen gezählt.

 



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