Papst Julius II.: Schrecklicher Kirchenfürst der Renaissance

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Vor 570 Jahren kam der Erbauer des Petersdoms zur Welt.

Sein aufbrausendes Temperament trug ihm den Beinamen „II Terribile" („Der Schreckliche") ein. Wenn er seinen Truppen in Helm und Panzer vorausritt, genügte zuweilen sein bloßer Anblick, um die Feinde in die Flucht zu schlagen. Als Diplomat in seinen Mitteln nicht wählerisch und als typischer Condottiere auch an dem sittenlosen Treiben seiner Zeit nicht unbeteiligt, schaffte der Vater dreier Töchter mit 60 Jahren den Aufstieg in das höchste Amt der Welt: Er wurde zum Papst gewählt.

Es war ein Glücksfall. Obwohl er immer sehr viel für die Bedürftigen übrig hatte, war Julius II. alles andere als das ideale geistige Oberhaupt einer spirituellen Gemeinschaft. Aber durch seine ungeheure Energie, seine unbeirrbare Zielstrebigkeit und seinen unbändigen Willen wurde er zum Retter des Stuhles Petri und der katholischen Kirche in höchst bedrohlicher Zeit.

Vor 470 Jahren, am 5. Dezember 1443, in Albissola bei Savona als Spross eines ligurischen Adelsgeschlechts geboren, hatte Giuliano della Rovere schon mit 28 Jahren von Papst Sixtus IV. den Kardinalshut erhalten. Unter Innozenz VIII. wurde er sogar zum starken Mann und eigentlichen Regenten der Kurie.

Zu dem berüchtigten Papst Alexander VI. aber geriet der Aufsteiger rasch in schärfste Opposition. Er musste Rom verlassen und rief schließlich sogar die Franzosen ins Land, um die Macht des skrupellosen Borgia-Papstes zu brechen. Nach der Vertreibung Alexanders und seines verbrecherischen Sohnes Cesare Borgia half Giuliano seiner Wahl zum neuen Papst durch Bestechung nach. Auch auf dem Stuhl Petri wusste er seine persönlichen Interessen zu wahren - sie erwiesen sich als weitgehend deckungsgleich mit den Interessen der Kirche:

Als erstes wollte Julius II. den Kirchenstaat wiederherstellen und sichern. Sein Angriff im Jahr 1506 gegen die aufrührerischen Städte Perugia und Bologna wurde zum Blitzfeldzug: Obwohl er nur 2000 Mann kommandierte, ergriffen die weit überlegenen Feinde die Flucht, als sie seiner ansichtig wurden.

Die Franzosen halfen ihm, Venedig zur Rückgabe päpstlicher Gebiete in der Romagna zu zwingen. 1510 aber wechselte der Kirchenfürst die Fronten und verbündete sich mit Venedig, um die Franzosen aus Italien hinauszuwerfen.

Am Anfang musste die neue Allianz, die auch von Kaiser Maximilian I. unterstützt wurde, schwere Rückschläge hinnehmen. Als Retter kamen eidgenössische Elitesoldaten; seither ist der Schweizergarde der Schutz des Vatikans anvertraut. Nach einem Sieg bei Ravenna hätten die Franzosen dennoch nach Rom vorstoßen können, wohin der Papst krank und machtlos zurückgeführt war - doch sie beschlossen stattdessen den Rückzug, eine Entscheidung, die in Italien wie ein Wunder aufgefasst wurde.

Die Begeisterung seiner Landsleute ging so weit, dass sie in dem Kirchenmann den herausragenden politischen Führer Italiens sahen, das zu dieser Zeit fast ebenso in kleine, von fremden Mächten beherrschte Territorien zerstückelt war wie später des Heilige Römische Reich Deutscher Nation. Neapel und der Süden gehörten seit 1504 zu Spanien. Im Norden verfolgten Franzosen und Österreicher imperiale Interessen. Sogar die Schweizer setzten Grenzkorrekturen auf italienische Kosten durch und sicherten sich das Tessin.

Statt sich gegen die äußere Bedrohung zusammenzuschließen, verwickelten sich die Italiener in interne Streitigkeiten: Venezianer gegen Genuesen, Mailänder gegen Florentiner. Als die politische Lage stabilisiert war, schaltete Julius II. auf dem 5. Laterankonzil der Jahre 1512-17 auch die innerkirchliche Opposition aus. Danach konnte er sich endlich persönlichen Ambitionen widmen. Sie galten vor allem der Erhöhung seines Ruhmes.

Zu diesem Zweck verpflichtete der Papst die größten Künstler der an großen Künstlern so überreichen Epoche. Im Jahr 1506 legte Julius den Grundstein zum Neubau des Petersdoms; als Architekten gewann er den berühmten Bramante. Nachfolger des 1514 verstorbenen Baumeisters wurde Michelangelo, der im Auftrag des Papstes auch die Deckengemälde der Sixtinischen Kapelle schuf - in ständigem zermürbenden Meinungsstreit zweier starrköpfiger Genies. Nicht weniger grandios fielen die Werke aus, die Raffael für Julius schuf, vor allem die Fresken in den päpstlichen Privaträumen, den Stanzen des Vatikans.

In den nur zehn Jahren seiner Herrschaft leistete und erreichte der „Condottiere der Kirche" mehr als die meisten seiner Vorgänger und Nachfolger. Als er im Februar 1513 starb, trauerten viele um ihn. Michelangelo hat den schwierigen, herrischen, von vitalem Tatendrang beseelten, titanischen Renaissancemenschen perfekt porträtiert: Er übertrug die Züge des Papstes auf seine berühmte Statue des „Moses" in der Kirche San Pietro in Vincoli - jeder Zoll ein großer, einsamer, zorngewaltiger Anführer des Gottesvolks.

 



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