Robert Koch: Die Liebe war ihm wichtiger als die akademische Laufbahn

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Vor 170 Jahren kam der der Begründer der Bakteriologie zur Welt.

„Bei uns zu Hause", schrieb Robert Koch 1903 aus Südafrika an seinen früheren Schüler Georg Gaffky, „ist nun schon so gründlich aufgearbeitet und die Concurrenz eine so gewaltige, daß es sich wirklich nicht mehr lohnt, dort zu forschen. Hier draußen aber, da liegt noch das Gold der Wissenschaft auf der Straße."

Der Brief vom Kap verschweigt, dass Koch schon immer in die Fremde wollte, sich aber erst dann dazu entschließen konnte, als mehrere Skandale sein Ansehen in der Heimat schwer erschüttert hatten. Denn der Begründer der modernen Bakteriologie war ein Mensch voller Schwächen: Selbstgefällig und rechthaberisch setzte er sich in der Manier eines Genies ebenso über die Meinung von Andersdenkenden wie über die Spielregeln der Gesellschaft hinweg.

Vor 150 Jahren, am 11. Dezember 1843, in Clausthal-Zellerfeld als drittes von 13 Kindern eines leitenden Bergbaubeamten geboren, hatte Koch in Göttingen erst Naturwissenschaften, dann Medizin studiert. Schon bald bewies er besondere Begabung: 1865 gelang ihm die Lösung einer Preisaufgabe der Universität „Über das Vorkommen von Ganglienzellen an den Nerven des Uterus".

Auf die ihm in Aussicht gestellte akademische Laufbahn verzichtete der Student – er wollte rasch heiraten und nahm deshalb nach seiner Doktorprüfung eine Stelle als Arzt an einer Erziehungs- und Pflegeanstalt für geistesschwache Kinder in Langenhagen bei Hannover an.

Nach seiner Hochzeit arbeitete Koch nach mehreren Zwischenstationen - und freiwilliger Teilnahme am Krieg der Jahre 1870/71 gegen Frankreich – im heute polnischen Wollnstein als gutbezahlter Kreisphysikus und Leiter mehrerer Krankenhäuser. Die angenehmen Arbeits- und gesicherten Lebensumstände erlaubten es ihm bald, privat weiter zu forschen. Zuerst widmete er sich dem Milzbranderreger, dem damals ganze Viehherden zum Opfer fielen. Es gelang ihm, den Bazillus nachzuweisen. Um seine Ergebnisse dem damals bedeutendsten deutschen Bakteriologen Prof. Ferdinand Julius Cohn in Breslau vorzutragen, unternahm er samt Apparaten und Versuchstieren eine nächtliche Fahrt in Postkutsche und Eisenbahn. Der zur Begutachtung hinzugezogene Pathologe Julius Cohnheim erklärte: „Ich halte dies für die größte Entdeckung auf dem Gebiet der Mikroorganismen und glaube, daß Koch uns noch einmal mit weiteren Entdeckungen überraschen und beschämen wird."

Der Experte behielt recht: Im Juli 1880 wurde Koch Kaiserlicher Regierungsrat und ordentliches Mitglied des neugegründeten Kaiserlichen Gesundheitsamts in Berlin. 1882 gab er die Entdeckung des Tuberkelbazillus bekannt, der die damals noch für viele Menschen tödliche Lungen-Tbc verursachte. 1884 folgte die Entdeckung des Kommabazillus als Erreger der asiatischen Cholera, die acht Jahre später in Hamburg zum letzten Mal in Deutschland als verheerende Epidemie auftrat.

Doch die Erfolge förderten Schwächen zutage: Koch begann eine nationalistisch motivierte Fehde gegen den Franzosen Louis Pasteur. Immer mehr ausländische Wissenschaftler beschwerten sich über die Arroganz, mit der Koch ihren Arbeiten begegnete. Die Kritik wurde lauter, als Koch 1890 ein angeblich hoch wirksames Medikament gegen Tbc, das Tuberkulin, auf den Arzneimittelmarkt brachte, das sich schon bald als wenig tauglich erwies. Auch dass der Forscher sich auf dem Höhepunkt seines Ruhmes von Ehefrau Emmi, seiner treuen Stütze, scheiden ließ, um die 19jährige Hedwig Freiberg zu heiraten, kostete ihn viele Sympathien.

In dieser Lage entschloss sich Koch, seine Jugendträume zu verwirklichen und zu Forschungen in die Ferne aufzubrechen. Einladungen von Regierungen, die von ihm Hilfe bei der Bekämpfung einheimischer Seuchen erhofften, führten ihn von 1896 an nach Afrika, Indien, Japan und in die Südsee. 1905 erhielt er den Nobelpreis für Medizin. Im April 1910 erkrankte er an einem schweren Anfall von Herzschwäche. Am 27. Mai erlag er der Krankheit in Baden-Baden. Die Urne mit seiner Asche wurde in einem Mausoleum in seiner letzten Wirkungsstätte, dem Institut für Infektionskrankheiten in Berlin, beigesetzt.

 



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