Flaue RTL-Witze über Bundeswehr und NVA

Mittwoch, 1. Januar 2014

Tote Deutsche in Nicaragua, der Streifenwagen in der Garage des Betrunkenen: In „TELE-RETRO“ zeigen „Von Tag zu Tag“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 25 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 1. Januar 89.

Aus der „RTL plus"-Humorsendung „Bornemanns Nähkästchen" am Dienstag:

„Ein Leutnant a.D. schreibt: Ich habe gehört, dass die Bundeswehr 100 Schlauchboote bestellt hat. Ja glauben die denn, dass man damit den nächsten Krieg gewinnen kann? - Lieber Herr, Sie haben Recht. Ich habe in Solingen angerufen und erfahren: Die DDR hat 100 neue Taschenmesser bestellt..."

„Ein Angler schreibt: Seit einiger Zeit fange ich kaum noch etwas. Ich werde einfach das Gefühl nicht los, dass die Fische bei der Wasserverschmutzung meine Würmer nicht erkennen. Können Sie mir einen Tip geben?' – Lieber Freund — nehmen Sie doch Glühwürmchen!"

Auch kein Lichtblick.

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In den „Tagesthemen" vom Dienstag sagte ARD-Kommentator Lechleitner: „Das bejubelte Genfer Afghanistan-Abkommen hat einen Pferdefuß. Ein teuflischer Passus sieht vor, dass die Amerikaner ihre Schützlinge in demselben Maß mit Waffen beliefern dürfen, wie das die Sowjets mit ihren Schützlingen tun."

Georg Büchner (1813-1837): „Es hat keiner das Recht, einem anderen seine eigentümliche Narrheit aufzudringen."

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Die ZDF-Sendung „Kennzeichen D" berichtete am Mittwoch über deutsche Aufbauhelfer, die im Bürgerkrieg in Nicaragua das kommunistische Regime unterstützten und dabei ums Leben kamen. Der SPD-Politiker Wischnewski dazu: „Die Contras, die ihre Waffen niedergelegt haben, werden amnestiert. Aber das kann überhaupt nicht bedeuten, dass sie auch bei uns amnestiert werden. Nein, auch heute ist die Verfolgung derjenigen, die Deutsche ermordet haben, unumstößlich notwendig."

Endlich einmal wieder ein klares Bekenntnis eines SPD-Politikers — leider nicht zur Erfassungsstelle in Salzgitter.

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In den „Tagesthemen" vom Mittwoch sagte ARD-Moderatorin Christiansen: „Sie klingen noch in den Ohren, die düsteren Prognosen der Konjunkturdeuter, 1988 würde das Jahr der Rezession... Als die Bundesregierung im Januar Wachstumsdaten von 1,5 bis zwei Prozent für dieses Jahr angab, da hielt ihr die Opposition noch halsbrecherischen Optimismus vor. 3,5 Prozent sind es nun geworden."

Präzise.

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Aus der ARD-Sendung „Musikantenstadl" vom Donnerstag mit Moderator Moik und Komiker „Hias":

„Hias": „Ich war auf Hochzeitsreise in Gran Canaria, da haben wir im Sand gespielt. Meine Frau hat mich eingegraben, ich hab sie eingegraben... Nächstes Jahr fahre ich wieder hin." - Moik: „Schon wieder? Ja, warum das?" - „Hias": „Ja, meine Frau ausgraben!"

„Hias" nach einem Auftritt von Mickymausfiguren zu Moik: „Das war super, dass du mal Mäuse eingeladen hast - das andere war ja alles für die Katz."

Kann man wohl sagen.

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In der ZDF-„Tele Illustrierte" vom Freitag erzählte der

Göttinger Volkskundler Professor Brednich seine (wahre) Lieblingsgeschichte: Ein Betrunkener fährt von einer Silvesterparty nach Hause. Unterwegs sieht er Blaulicht, muss anhalten – ein Unfall! Um einen nüchternen Eindruck zu machen, steigt er aus und fragt, ob er helfen könne. Die Polizisten antworten: „Nein, fahren Sie ruhig weiter!" Der Mann fährt nach Hause, legt sich schlafen - kurz darauf wird er von der Klingel geweckt. Polizisten stehen vor der Tür: „Dürfen wir mal in Ihre Garage schauen?" - Der Mann öffnet das Tor - und was steht drin? Der Streifenwagen mit dem Blaulicht...

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An diesem Sonntag, dem Neujahrstag, sendet die ARD eine „Journalistische Revue". Unter den Mitwirkenden: Schlagersänger Lindenberg und WDR-Moderator Rosenbauer. Aus dem ARD-Pressetext: „Es geht um Neuanfänge, Altlasten, unvermeidliche Jubiläen... unter dem Motto ,Gar kein Problem - die Zukunft wird schön'…"

Fängt ja gut an.



Anmerkungen

Die RTL-Serie „Bornemanns Nähkästen“ kam 1988 auf 40 Folgen. Moderator war der Gütersloher Lehrer und Schriftsteller Winfried Bornemann.

Der SPD-nahe Fernsehjournalist Hans Lechleitner arbeitete beim Bayerischen Rundfunk und war Kommentator der ARD-„Tagesthemen“.

Der SPD-Politiker Hans-Jürgen Wischnewski (1922-2005) war 1966 -68 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit im Kabinett Kiesinger. Seit 1974 versah er verschiedene Ämter in den von Helmut Schmidt geführten Bundesregierungen.

Die Zentrale Beweismittel- und Dokumentationsstelle der Landesjustizverwaltung (ZESt) in Salzgitter („Zentrale Erfassungsstelle“) hatte die Aufgabe, im Stasi-Staat begangenes Unrecht festzuhalten. Sie wurde auf Vorschlag des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin Willy Brandt gegründet und nahm am 24. November 1961 ihre Arbeit auf. Wikipedia: „Vorbild war die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg. Es ging darum, zu einem Zeitpunkt, da eine Strafverfolgung nicht möglich war, Verantwortliche zu benennen, den Tätern Namen und den Opfern die Hoffnung auf Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts zu geben … Von 1961 bis 1992 registrierte die ZESt über 42.000 Gewaltakte. Nach dem Ende der DDR lieferten die Akten wertvolle Beweise für die Strafverfolgung. Die Unterlagen waren zum Beispiel wichtige Dokumente bei den Mauerschützenprozessen. Nach der Wiedervereinigung wurde die Erfassungsstelle 1992 geschlossen.“ Nach dem Willen führender SPD-Politiker hätte die Schließung noch zu Zeiten des SED-Regimes erfolgen sollen. So forderten bzw. empfahlen die damaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein (Björn Engholm, SPD) und von Niedersachsen (der spätere Bundeskanzler Gerhard Schröder, SPD) die Auflösung bzw. Auflassung der ZESt als Entgegenkommen der DDR gegenüber. Seit dem 9. November 2009 erinnert eine Stele und ein Teilstück der ehemaligen Berliner Mauer vor dem ehemaligen Gebäude in Salzgitter-Bad - heute Sitz der Polizei - an die Behörde. Eine den Opfern der Teilung und Diktatur gewidmete Gedenkplatte trägt die Inschrift "In diesem Gebäude wirkte nach dem Mauerbau von 1961 bis 1992 die Zentrale Erfassungsstelle der Landesjustizverwaltungen. Sie war eine Hoffnung für viele.“

Sabine Christiansen moderierte 1987-1997 die ARD-„Tagesthemen“ und 1998-2007 die nach ihr benannte ARD-Talkshow.

Cathleen Pohl moderierte 2001-2004 das MDR-Magazin „FAKT“. Seit 2008 ist sie Coach und Supervisorin, seit 2010 Partner beim Chemnitzer Unternehmensberater „Kato Consulting“.

Karl Moik moderierte ab 1981 im österreichischen Fernsehen und ab 1983 auch im deutschen Fernsehen bis 2005 den „Musikantenstadl“. 1981- 1991 trat darin der österreichische Sänger, Humoristen und Ziehharmonikaspieler Erich Mathias Mayer (1950-2007 als der „lustige Hias“ auf.

Rolf Wilhelm Brednich lehrte seit 1981 Volkskunde an der Georg-August-Universität Göttingen. Im Jahr 2000 wurde er Senior Honorary Research Fellow am Stout Centre der Victoria University in Wellington, Neuseeland. Seit 2005 ist er dort Visiting Professor of Anthropology an der School of Social and Cultural Studies.

 



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