Als das ZDF einen weiblichen Bundeskanzler forderte

Sonntag, 1. Dezember 2013

Kinderpornographie, Massenvergewaltigungen in Bosnien, Frauenbeschneidung in Afrika: Vor 25 Jahren startete Mainz das Magazin „ML - Mona Lisa“, Moderatorin Maria von Welser setzte mit Erfolg auf harte Themen. Vor 15 Jahren feierte die Sendung ihr erstes Jubiläum:

Aus der Politik sind Rita Süßmuth, Claudia Nolte, Renate Schmidt, die grüne Ex-Ministerin Waltraud Schoppe und, als "ML-Frau des Jahres 1997", Sabine Leutheusser-Schnarrenberger geladen. Die Schauspielkunst vertritt Marie-Luise Marjan ("Lindenstraße"), als Unterhaltung gibt es Frauen-Kabarett ("Die Missfits"), Spenden gehen an den "Bundesverband Deutsche Mütterzentren e.V." Der ZDF-Pressetext kündigt an: "Mona Lisa möchte sich auch weiterhin einmischen, politisch und sozial, im In- und Ausland und überall dort, wo es um das Schicksal von Frauen geht."

Wie man das erfolgreich macht, und seit zehn Jahren gemacht hat, zeigt "ML - Mona Lisa" diesen Sonntag um 18.15 Uhr zum Jubiläum der Sendung: Gesellschaftliches Engagement ohne feministische Verbissenheit, Hilfsbereitschaft ohne billigen Tränendrüsendruck, saubere Recherche, kluge Kommentare und eine wohltuend sachliche Präsentation ohne jeden Anflug von Selbstbeweihräucherung sind die Markenzeichen der ersten öffentlich-rechtlichen TV-Sendung, die speziell für Frauen konzipiert wurde.

Anders als in feministischen Milieu-Publikationen wie "Emma" auch darf gelächelt werden, etwa wenn die Redaktion zum Jubiläum selbstironisch kritisiert: "Schließlich gibt es auch nach zehn Jahren ML - Mona Lisa noch keinen weiblichen Bundeskanzler, keine Bundespräsidentin und keinen weiblichen Papst." Auch die Kollegen von "Frontal" dürfen in der Jubelsendung herumalbern. "Männer im Vorzimmer!" spottet Moderator Bodo H. Hauser im unverwechselbaren Stil neudeutscher TV-Satire, "Geil auf Karriere statt Rechtschreibung. Und wenn man sie am dringendsten braucht, werden sie Vater und nehmen Babyurlaub." Kollege Ulrich Kienzle: "Jaja, und an allem ist Mona Lisa schuld." Hauser: "Ohne Mona Lisa hätten wir heute eine Frauenquote und keine Männerquote..."

Die Gründe des Erfolges sind von schwererem Gewicht: Am stärksten wendet sich das Interesse des durchaus nicht nur weiblichen Publikums journalistischen Themen zu, bei deren Behandlung die Sonntagnachmittags-Sendung belastende Bilder und dezidierte Meinung nicht scheut: "Kinderpornographie", "Massenvergewaltigungen in Bosnien" oder "Frauenbeschneidung in Afrika" zeigen die Ernsthaftigkeit, mit der das ML-Team seine Sache vertritt. Da schalten denn auch regelmäßig bis zu zweieinhalb Millionen Zuschauer ein.

Reichweite und Renommee des Magazins gehen großenteils auf das Konto der Mitbegründerin Maria von Welser, 51, die nach neun Jahren ausstieg und die Mittwochabendsendung "Mit mir nicht" übernahm. Durch die Jubiläumssendung führen heute Moderatorin Petra Gerster, 44, und Redaktionsleiterin Conny Hermann, 39. Sie wollen sich auch "so ihre eigenen Gedankenüber die Zukunft des Frauenfernsehens" machen, denn: "ML Mona Lisa hat noch viele Visionen!"

Eine hatte auch NDR-Intendant Jobst Plog, als er Ende März auf den Spuren des ZDF die ARD-Sendung "Brigitte TV" ins Programm des Samstagnachmittags hob. Doch das Plagiat mißriet zum bunten Allerlei teils absurder, teils politisch insinuierter Themen, das Moderatorin Sandra Maahn, 29, nur mühsam zusammenhält: Mal ging es um alleinerziehende Väter, mal durfte Oskar Lafontaines Ehefrau Christa erklären, warum sie immer noch den Namen Müller trägt, und zur Erheiterung lieferte Ex-Moderatorin Elke Heidenreich Kostproben des von ihr für volkstümlich gehaltenen Humors: "Den Göttinnen aus den ganz feinen Parfümerien werde ich nie auch nur von ferne gleichen - und dabei wollen wir doch alle Schwestern sein!"

Im Mai 2011 wurde „ML – Mona Lisa“ in ein Gesellschaftsmagazin für Frauen und Männer umgewandelt. Moderatoren sind Barbara Hahlweg und Alexander Mazza. Die Sendung erreicht immer noch rund 1,5 Millionen Zuschauer und knapp zehn Prozent Marktanteil.



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