Was Christoph Daum über Helmut Kohl dachte

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Richard Rogler über Manfred Stolpe und die „Stasi-Schweinereien“, Blasphemie im ARD-„Scheibenwischer“: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 12. Dezember 93.

In „Ranissimo" am Sonntag sprach SAT.l-Moderator Wontorra mit dem scheidenden Trainer des VfB Stuttgart, Daum. Kostprobe:

Daum: „Und ich brauche nicht irgendetwas auszusitzen. Ich brauche nicht irgendeinen Vertrag auszusitzen, und ich muss ehrlich sagen ..."

Wontorra: „Du bist nicht der Kanzler, meinst Du?'"

Daum: „Ich muss sagen, der Kanzler sitzt auch nichts aus. Ich meine, es ist immer leicht zu kritisieren. Ich meine, was der Kanzler macht, ist großartig, den ich sehr schätze, das will ich auch mal sagen."

Wontorra: „Das ist auch eine andere Feldpostnummer. Wir sind hier in einer Sportsendung."

Wer hat denn angefangen?

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Aus „Nachschlag" am Mittwoch mit ARD-Kabarettist Rogler: „Ministerpräsident Stolpe musste seine Stasi-Tätigkeit immerhin noch als genial getarnte Widerstandsarbeit rechtfertigen. Wenn er schlau ist, besteht er jetzt darauf, dass er an Schweinereien der Stasi aktiv beteiligt war. Das bringt in Zukunft den Wahlerfolg! Der PDS-Mann Rolf Kutzmutz hat ihm die neue Wahlstrategie vorexerziert. Er hat seinen engagierten Einsatz als Stasi-Spitzel in den Vordergrund seines Wahlkampfs gestellt und wurde mit diesem überzeugenden politischen Programm zum Oberbürgermeister von Potsdam gewählt ... Fehlt nur noch, dass die PDS Markus Wolf für das Amt des Generalbundesanwalts vor schlägt."

Lachend sagt der Narr die Wahrheit (deutsches Sprichwort).

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Aus der Sendung „Lippes Lachmix“ am Donnerstag mit ARD-Showmaster von der Lippe:

„Wenn man mit einer Sendung Kulturpreise gewinnen will, dann muss ein didaktischer Ansatz gegeben sein."

„48 Prozent aller kanadischen Mütter hätten gern einen Biber als Schwiegersohn – ungeachtet seines breiten Schwanzes."

„Jacques Cartier, der Entdecker Kanadas, benannte die Einwohner dort nach seiner Uhr. Deshalb heißen sie Ureinwohner."

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde.

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In „Scheibenwischer“ am Donnerstag sagten

ARD-Kabarettist Hildebrand: „'Du sollst nicht töten', sagt Gott. 'Es sei denn ...', sagt der Militär-Seelsorger... Ich glaube an die Bibel, allerdings andersrum. In der Bibel steht: Zuerst war Gott, und dann war es eine Weile dunkel, und dann schuf Gott den Menschen. Ich glaube, es war umgekehrt: Erst war der Mensch, der schuf sich einen Gott und dann war es dunkel."

ORF-Kabarettist Hader: „Dann hat man die Glühbirne erfunden, und es ward Licht. Dann kam das Kabelfernsehen, und es wurde finster. Damit schließt sich der Kreis von RTL, von Herrn Thoma, zum hl. Paulus, die beiden erfolgreichsten Manager der letzten 2000 Jahre, die möglichst viel Dreck erfinden, damit sie ihr Waschpulver verkaufen können."

Mark Twain: „Das Recht auf Dummheit wird von der Verfassung geschützt. Es gehört zur Garantie der freien Entfaltung der Persönlichkeit."

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In „Sowieso" am Sonntag sprach Moderator Meyer-Burckhardt mit Arbeitsminister Blüm über den Politikerberuf. Auszug:

Meyer-Burckhardt: „Wobei es aber einen Unterschied gibt zu anderen Berufsgruppen, nämlich den, dass Sie von Steuergeldern alimentiert sind."

Blüm: „Und Sie von Rundfunkgebühren. Das ist kein großer Unterschied."

Treffer, versenkt!

Anmerkungen

Der SPD-Politiker Manfred Stolpe war 1990-2002 Ministerpräsident in Brandenburg und 2002-2005 Bundesminister für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen. Als Kirchenfunktionär hatte er in DDR-Zeiten regelmäßige Stasi-Kontakte. 1978 erhielt er dafür in einer konspirativen Wohnung die DDR-Verdienstmedaille. Die Birthler-Behörde legte 2003 ein über 1200 Seiten starkes Dossier über Manfred Stolpe alias IM „Sekretär“ vor. Dem Politiker gelang es jedoch, den Streit so lange offen zu halten, bis er ihm nicht mehr schaden konnte. Aus Wikipedia: „Das Bundesverfassungsgericht (Az: 1 BvR 1696/98) entschied im Oktober 2005 im Rahmen einer Aufhebung eines Urteils des Bundesgerichtshofs aus dem Jahre 1998, dass eine Bezeichnung Stolpes als ehemaliger Stasi-Mitarbeiter oder „Inoffizieller Mitarbeiter“ nicht zulässig sei. Die Stasi-Unterlagenbehörde verwies allerdings umgehend darauf, dass sich das Urteil lediglich auf „eine Äußerung im politischen Meinungsstreit“ beziehe und bekräftigte nochmals, dass Stolpe – wie in einem Gutachten aus dem Jahre 1992 festgestellt wurde – unabhängig von der Tatsache, ob er je als Mitarbeiter rekrutiert worden sei, als IM „Sekretär“ und über 20 Jahre hinweg als „ein wichtiger IM im Bereich der evangelischen Kirche der DDR“ in den Akten der Staatssicherheit geführt worden sei. Spätere Aktenfunde, zuletzt 2003, hätten diese Bewertung weiter untermauert. Nach seiner eigenen Aussage hat Manfred Stolpe wissentlich niemandem durch seine Kontakte zur Stasi geschadet. 2011 kam ein für die Enquetekommission des Brandenburger Landtages erstelltes Gutachten zu dem Ergebnis, dass Stolpe zwischen 1990 und 1994 sein Landtagsmandat wegen Stasi-Kontakten hätte zurückgeben müssen.“

Der „Linke“-Politiker Rolf Kutzmutz, zuvor SED und PDS, war inoffizieller Mitarbeiter der Stasi. Trotzdem kandidierte er 1993 als erster PDS-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters von Potsdam. Im ersten Wahlgang lag er mit 45 Prozent vor Amtsinhaber Horst Gramlich (SPD), in der Stichwahl unterlag er jedoch. Daraufhin kandidierte er für den Bundestag, dem er 1994-2002 angehörte.

Markus Johannes („Mischa“) Wolf (1923-2006) leitete 34 Jahre lang, von 1952 bis 1986, die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA), den Auslandsnachrichtendienst im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR. Kurz vor der Wiedervereinigung flüchtete über Österreich nach Moskau. Nach dem gescheiterten Putschversuch gegen Michail Gorbatschow suchte er Zuflucht in Österreich. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte ihn 1993 wegen Landesverrats in Tateinheit mit Bestechung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Das Urteil wegen Landesverrats wurde später vom Bundesverfassungsgericht wieder aufgehoben, da die Spionage im Auftrag des souveränen Staates DDR und im Einklang mit ihren Gesetzen erfolgt sei. 1996 lehnten die USA ein Visum wegen Wolfs „terroristischer Vergangenheit“ ab. 1997 wurde Wolf wegen Freiheitsberaubung, Nötigung und Körperverletzung in vier Fällen noch einmal zu zwei Jahren Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Die Justiz konnte wegen fehlender Beweise allerdings nur einen Bruchteil der Wolf zur Last gelegten Verbrechen ahnden.

Die Satire-Sendung „Scheibenwischer“ startete 1980 unter der Leitung des SPD-nahen Kabarettisten Dieter Hildebrand, der 2003 aus Altersgründen zurücktrat. 2009 untersagte er aus Unzufriedenheit mit den Inhalten die weitere Verwendung des Titels. Nachfolger Mathias Richling bezeichnete Hildebrandt daraufhin als „SPD-Wahlkämpfer“ und hielt ihm vor, in erster Linie parteipolitisch motivierte Satire betrieben zu haben: „Das Problem ist auch, dass Altgenosse Dieter Hildebrandt kein politisches Kabarett kann, sondern immer nur parteipolitisches. Sein Scheibenwischer wurde von der SPD immer angesehen als parteieigene Sendung. Deshalb geht Hildebrandt leider jede Form von Objektivität ab, auch in der Beurteilung von Kollegen.“



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