Wie Angela Merkel vor 20 Jahren die ARD vorführte

Donnerstag, 19. Dezember 2013

Eigentor von Küppersbusch, Schmuddelwitze bei „Trotzki“, Fäkalpöbelei im ARD-Magazin „Monitor“: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 19. Dezember 93.

In „Zak" am Sonntag sprach ARD-Moderator Küppersbusch mit CDU-Frauenministerin Angela Merkel. Auszug:

Küppersbusch: „Sie haben unsere Ladenschlusszeiten als frauenfeindlich bezeichnet, sehr kämpferisch. Dann sagt der Kanzler: Ist kein Thema – Ende der Diskussion."

Merkel: „Der Kanzler hat gesagt, in dieser Legislaturperiode wird es zur Änderung des Gesetzes nicht kommen. Er hat nicht gesagt: Ist kein Thema."

Küppersbusch: „Aber den Aufschrei der Frau Merkel in dem Moment, wo er die Diskussion abwürgt, den habe ich nicht gehört."

Merkel: „Ich habe zum Beispiel in ,Pro und Contra' Stellung genommen. Falls Sie das nicht gesehen haben ..."

Küppersbusch: „Ich gucke ausschließlich ARD-Sendungen."

Merkel: „,Pro und Contra' ist eine ARD-Sendung."

Blattschuss!

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Aus der neuen ARD-Serie „Trotzki" am Dienstag:

Ehefrau: „Der Turm von Pisa soll so schön sein!" - Ehemann: „Der steht doch nur noch mit Prothese!" - Ehefrau: „Wenigstens steht er ..."

Showmaster: „Lassen Sie doch im Urlaub einfach mal die Seele baumeln!" - Ehemann: „Ich lass nichts baumeln!" - Ehefrau: „Schön war's ..."

Showmaster: „Beim Fernsehen, da lernt man trinken, sonst hält man es überhaupt nicht mehr aus."

Na dann prost!

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Nach dem Fußballspiel Deutschland-Argentinien am Mittwoch interviewte RTL-Moderator Potofski Bundestrainer Vogts. Auszug:

Potofski: „Nach neun Spielen ohne Niederlage ist es heute wieder einmal passiert. Berti Vogts, die Gründe dafür?"

Vogts: „Ja. zuerst einmal, weil der Gegner ein Tor mehr erzielt hat als wir.“

Potofski: „Der Ausblick auf das Spiel jetzt am Samstag gegen die Amerikaner - Berti Vogts, so kurz nach Ende des Spiels, haben Sie schon eine Idee, was Sie ändern wollen?"

Vogts: „Ja. Vor allen Dingen das Resultat."

Sepp Herberger lebt.

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In „Monitor" am Donnerstag trat ARD-Kabarettist Freitag als Bundeskanzler Kohl im Kostüm eines Weihnachtsmanns auf. Kostprobe: „Hier steh' ich nun im Lichterglanz, / bin stolz auf die Erfolgsbilanz. / Schlecht geht's der Wirtschaft und der Mark. / Alle haben voll die Hosen. / Ja, Deutschland ist kein Freizeitpark. / Außer für die Arbeitslosen."

„Wenn dann auch noch die Ossis fluchen, / dann muss man halt 'ne Lösung suchen. / Für diese hatt' ich ein Präsent: / Einer von euch wird Präsident! / Er wohnte zwar ganz nah der Neiße, / ansonsten aber war er - schade, darauf weiß ich keinen Reim."

Schiller: „Der Pöbel hört nie auf, Pöbel zu sein."

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In der Nord-3-Talkshow „Drei nach Neun" am Freitag sagte die FDP-Kandidatin für das Bundespräsidentenamt Hamm-Brücher: „Ich habe ... mir nicht im Traum vorstellen können, dass wir in eine so verfahrene Situation rund um die Vorbereitung, die Nominierung des Kandidaten kommen, durch den Nacht- und Nebelvorschlag des Kanzlers, einen gewissen Herrn H. aus Dresden zu nominieren."

Noch nicht einmal den Namen des politisch Andersdenkenden aussprechen zu wollen, ist die höchste Form westlicher Arroganz.

Anmerkungen

Friedrich Küppersbusch moderierte 1993-96 die ARD-Sendung „ZAK“ und 1996-1997 die Nachfolgesendung „Privatfernsehen“. Heute schreibt Küppersbusch wöchentliche Kolumnen im Nordwestradio und in der „taz“. Im Wahlkampf 2013 moderierte er auf „Einsfestival“ die Satiresendung „Tagesschaum“.

Die TV-Serie „Die Trotzkis“ lief 1993-1994 in der ARD.

Die FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher war von 1976 bis 1982 Staatsministerin im Auswärtigen Amt und kandidierte 1994 erfolglos für das Bundespräsidentenamt.



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