Als Hallervorden den Kanzler als „China-Kohl“ verspottete

Donnerstag, 5. Dezember 2013

ARD-Witze über die Wiedervereinigung, ZDF-Späße über Lafontaine: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen welche Themen das Fernsehen vor 20 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom Sonntag, 5.Dezember 1993.

In „Spottschau" am Sonntag sagte SAT.l-Komiker Hallervorden: „Unser Kanzler war ja gerade chinesisch essen und hat gezeigt, dass auch er heiße Probleme mit ganz langen Stäbchen anfassen kann. Chlistlich-demoklatische Union Oggelsheim – helzliche Glückwünsche von Dietel Hallelvolden und seinel Clew. Und ganz nebenbei hat er sich noch einen neuen Titel geholt: Prof. Dr. China-Kohl."

*

Am Sonntag zeigte die ARD in ihrer Sendung „Zak“ Ausschnitte aus dem Film „Spartakus". Titel: „De Bello Germani Kohl". Kommentar zu Szenen, in denen Sklaven zur Arbeit angetrieben wurden: „Bonn 1995. Bundeskanzler Helmut Kohl ist wiedergewählt. Die Koalition in Bonn setzt ihre folgenreiche Sozialpolitik fort. Auch Arbeitslose werden jetzt zu gemeinnützigen Tätigkeiten herangezogen, zum Beispiel beim Abbruch der neuen Länder ... Neue Breueltaten auch im Osten ..."

ARD-Moderator Küppersbusch dazu: „Wir befassen uns heute mit wilden Horden. Wilden Horden, die in regelmäßigen Abständen ihre Nachbarn überfallen. Es klingt deutsch, ist aber germanisch. So sehen wir uns durch die Augen von Cäsar. Einziger Unterschied vielleicht: Heute heißt es: Mein Hüfthalter bringt mich um, damals hieß es: Mein Sklavenhalter bringt mich um.“

SOS!

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In „Frontal" am Dienstag sprachen die ZDF-Moderatoren Hauser und Kienzle über den Rücktritt in Magdeburg. Auszug:

Kienzle: „Sind Sie eigentlich für Neuwahlen in Sachsen-Anhalt?"

Hauser: „Ja, aber nur gleichzeitig mit Neuwahlen im Saarland."

Kienzle: „Aber Hauser, was hat denn Lafontaine mit Münch zu tun?"

Hauser: „Die beiden verbindet ihr phantasievoller Umgang mit Steuergeldern."

Kienzle: „Lafontaine war aber zumindest einsichtig. Er hat sich gedacht: Lieber zurückzahlen als zurücktreten."

Hauser: „Das ist eben der Unterschied, Kienzle: Wenn ein Rechter absahnt, muss er gehen. Wenn ein Linker erwischt wird, ernennt man ihn zum Wirtschaftsexperten."

Wilhelm Busch: „Dieses gibt für Plisch und Plum / Ein erwünschtes Gaudium."

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Aus „Nachschlag" am Mittwoch mit ARD-Kabarettist Rogler:

„Der Helmut von der Cholera ... äh, ich meine, von der Kohl-Ära. Das habe ich jetzt verwechselt, ich habe eben von der Schweinepest gesprochen. Der Oberförster Helmut der Kohl... "

„Roman Herzog am 29. 11. zur politischen Lage in Deutschland wörtlich: ,Wir sind auf einer Wanderung, für die wir keine Wanderkarte haben.' Ich meine, gut, mit dem Satz ist er schon mal fürs höchste Amt qualifiziert. Da kommt noch was auf uns zu."

Die Jagd ist auf.


Anmerkungen

Die SAT.1-Kabarettsendung „Spottschau“ mit Didi Hallervorden lief 1992-1993.

Friedrich Küppersbusch moderierte 1993-96 die ARD-Sendung „ZAK“ und 1996-1997 die Nachfolgesendung „Privatfernsehen“. Heute schreibt Küppersbusch wöchentliche Kolumnen im Nordwestradio und in der „taz“. Im Wahlkampf 2013 moderierte er auf „Einsfestival“ die Satiresendung „Tagesschaum“.

Mit „Breueltaten“ spielte Küppersbusch auf Birgit Breuel an. Die CDU-Politikerin war 1978-1986 Ministerin für Wirtschaft und Verkehr und danach bis 1990 Finanzministerin in Hannover. 1990 wurde sie in die Geschäftsleitung der Treuhandanstalt gewählt, ein Jahr später deren Präsidentin der Treuhandanstalt bis 1995. Danach bereitete sie als Generalkommissarin der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover vor.

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Der „Frontal“-Dialog galt dem Rücktritt Werner Münchs in Magdeburg. Der CDU-Politiker war 1990-1991 Finanzminister und 1991-1993 Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt. Münch ist Kuratoriumsmitglied im Forum Deutscher Katholiken und Erstunterzeichner der Aktion „Linkstrend stoppen“.

Roman Herzog war 1987-1994 Bundesverfassungsgerichtspräsident und 1994-1999 Bundespräsident.



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