Mehr Stunden über Allah und Buddha als über Jesus

Freitag, 1. November 2013

Schröders Amtseid ohne Gott, Kuscheln im Konfirmandenunterricht: In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 1. November 1998.

SONNTAG

Zahl der Unterrichtsstunden nach Sachsens Ethik-Lehrplan für Mittelschulen: Christentum und Judentum zusammen 12. Okkultismus und Psychogruppen ebenfalls 12. Buddhismus 16. Islam 18. Regierungspartei: CDU. Deutsches Sprichwort: "Christentum vererbt sich nicht."

MONTAG

In Bleckede klagt ein pensionierter Lehrer vor dem Verwaltungsgericht: Der fünf Meter breite Deichweg dürfe nur drei Meter breit sein. Betonpoller werden aufgestellt; sie verengen die Straße, so daß die Niedersachsen mit ihren Landmaschinen mitten durch den Ort fahren müssen. Daraufhin ändert der Stadtdirektor den Bebauungsplan. Die Straße darf nun doch fünf Meter breit sein, die Poller werden entfernt - der Lehrer reicht dagegen Klage ein. Papini: "Das Weltall zerfällt in zwei Teile - ich und der Rest."

DIENSTAG

Der neue Bundeskanzler legt den Amtseid ab. Auf den Zusatz "So wahr mir Gott helfe" verzichtet er. Tolstoi: "Alle tun Gottes Werk, ob sie wollen oder nicht."

MITTWOCH

In Hamburg kehrt eine 14jährige aus dem Konfirmandenunterricht mit einem "Kuschelpaß" heim - sie hatte zufriedenstellend auf ungewöhnliche Fragen geantwortet, z.B.: "Wie sagst du deinem Partner, daß du kuscheln willst?" oder "Würdest Du mit Thomas oder Angela kuscheln?" - so heißen der Diakon und die Pastorin, die den Unterricht leiteten. Gottfried von Straßburg: "Ach Tugend, wie schmal sind deine Stege!"

DONNERSTAG

Der Hamburger Verein "Therapiehilfe" will in Hamburg eine leere Villa kaufen, um dort Drogenabhängige unterzubringen. Anwohner protestieren. Eine Stunde vor dem Notartermin wird das Haus an nicht genannte Interessenten für ein erhöhtes Angebot verkauft. Heinrich von Kleist: "Diese Menschen sitzen sämtlich wie die Raupe auf einem Blatte; jeder glaubt, seines sei das Beste, und um den Baum bekümmern sie sich nicht."

FREITAG

Immer mehr Behörden dulden nicht länger, daß vorgebliche Atomgegner mit hochsubventionierten Propellern die Küste verschandeln. Jetzt wollen die Windmüller ihre Anlagen offshore bauen - im Wattenmeer, obwohl Naturschützer große Gefahren für Seehunde und Vögel fürchten. Wedekind: "Das glänzendste Geschäft in dieser Welt ist die Moral."

SAMSTAG

Hollands Förster beklagen, daß ihre Wälder von Deutschen geplündert werden. Im Grenzgebiet seien schon alle essbaren Pilze verschwunden. Manche Sammler reisen über Hunderte von Kilometern an. Heine: "Deutsche - werden nicht besser im Ausland, wie das exportierte Bier."

Anmerkungen
Der SPD-Politiker Gerhard Schröder wurde am 27. Oktober 1998 zum siebten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt.

 



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