Wie heißt bei den Grünen das Vorspiel? Bioleck!

Freitag, 29. November 2013

Faule Witze mit der „Herkuleskeule“, Betrüger kassieren Sozialämter ab: In DIE WOCHE RETRO zeigen Ausgaben der Kolumne „Von Tag zu Tag“, welche Nachrichten vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert waren. Heute: Die Ausgabe vom 29. November 1998.

SONNTAG

Vor einem Gastspiel der Dresdner "Herkuleskeule" in München verspricht der Regisseur besonderes Niveau: "'Warten auf Godot' auf kabarettistisch". Kostproben: Unter Honecker sei es "im Bett noch netter" gewesen. Ein Thema behandelt "Schwule und andere eingebildete Kranke". Auf die Scherzfrage "Wie heißt bei den Grünen das Vorspiel?" kommt in Anspielung auf einen Talkmaster die Antwort: "Bioleck!" Stanislaw Jerzy Lec: "Können zu Plattfüßen Sporen getragen werden? Jawohl. Nur sollte man nicht mit ihnen klappern."

MONTAG

Fahnder des Hamburger Arbeitsamts finden heraus: Ein Sozialhilfeempfänger ist insgeheim Chef einer Marketing-Firma, ein anderer läßt sich die Stütze nach Südafrika überweisen. Türken und Kurden leben längst wieder in der Heimat und fliegen alle drei Monate nur zum Abkassieren ein. Wilhelm Busch: "Da wundert sich wohl mancher sehr,/Wie's möglich sei, daß ein Malör/So schleunige Verbreitung finde./ Der Weise schweigt. Er kennt die Gründe."

DIENSTAG

Im holsteinischen Wentorf schreiben Sternsinger einem Mieter "Christus Mansionem Benedicat" über die Tür. Die Grundstücksgesellschaft fordert daraufhin, "die Pinselei" zu entfernen. Als der Christ auf die fromme Bedeutung des Segensspruchs hinweist, läßt die Gesellschaft einen Anwalt erklären, der Mieter sei nicht berechtigt, im Hausflur "seine Meinung oder seinen Glauben kundzutun." Erich Kästner: "ob Sonnenschein, ob Sterngefunkel, im Tunnel bleibt es immer dunkel."

MITTWOCH

Ein schwerbehinderter Achtjähriger reist mit seiner Mutter zu einer Operation nach Kassel. Vor dem Hauptbahnhof werden die beiden von acht Taxifahrern abgewiesen; erst der neunte bringt sie zur Klinik. Georges Clemenceau: "Die größte Krankheit der Seele ist die Kälte."

DONNERSTAG

Die Bremer Physikerin und Atomkraftgegnerin Inge Schmitz-Feuerhake behauptete, in Staubproben von Dachböden in der Umgebung des Atommeilers Krümmel Spuren eines gefährlichen Plutonium-Zerfallsprodukts gefunden zu haben. Flugs redete Hamburgs Umweltsenator Alexander Porschke von einem "dramatischen Leck im Sicherheitssystem". Jetzt stellt sich heraus: die Resultate der Physikerin sind falsch. Max Stirner: "Der Fanatismus ist gerade bei den Gebildeten zu Hause."

FREITAG

Der in die Türkei abgeschobene 14jährige Münchner Vielfachstraftäter "Mehmet" wird in Istanbul als Held gefeiert und bekommt demnächst seine eigene TV-Show. Deutsches Sprichwort: "Einen Krebs bestraft man nicht durch Ersäufen."

SAMSTAG

Ein Sprecher der Bundespost teilt mit, daß Kinder auch dieses Jahr an den Weihnachtsmann schreiben können (z.B. nach 92267 Himmelstadt oder 49681 Nikolausdorf). Kein Kind werde leer ausgehen, alle würden als Antwort Geschichte und Gedichte erhalten - aber die Briefe sollten frankiert sein: "Der Weihnachtsmann will keine Nachgebühr bezahlen." Goethe: "Auf ernstem Lebensgrunde zeigt sich das Heitere so schön."

Anmerkungen

Ingrid Schmitz-Feuerhake wurde bundesweit bekannt, weil sie immer wieder Studien verfasste, die beweisen sollten, dass sich durch das Kernkraftwerk Krümmel in den Elbmarschen Leukämiefälle häufen würden. Fachkollegen wiesen die Studien sämtlich zurück. Selbst der atomkritische „Spiegel“ meldete 1998 jedoch ohne Umschweife: „Die angeblichen Beweise der Bremer Physikerin stürzten zum dritten Mal in sich zusammen.“

Alexander Porschke (GAL) war 1997-2001 Umweltsenator in Hamburg und ist heute Vorsitzender des NABU Hamburg.


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