Norbert Blüm als „Bonsai-Herkules der Nation“

Mittwoch, 15. Januar 2014

ARD-Kabarettisten über CDU-Politiker, Geschmackloses über Aids: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 25 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 15. Januar 1989.

In der ARD-Sendung „Schuld sind immer wir anderen" vom Samstag vergangener Woche sagte Kabarettist Venske:

„Blüm - der Bonsai-Herkules der Nation ... der Kampfdackel der CDU.“

„Stoltenberg braucht eigentlich eine eigene Entschwefelungsanlage ... dieses Sparkassenfilialleitergesicht.“

„Bangemann - mit welchem Loch sollen wir eigentlich diese Lücke stopfen?“

„Töpfer ist nach Sylt gefahren und hat kranke Seehunde zu Tode erschreckt. So profiliert man sich eben als der letzte Heuler..."

Wirklich der letzte Heuler.

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Am Montag strahlte das ZDF den neuen deutschen Spielfilm „Vermischte Nachrichten" des Regisseurs Alexander Kluge aus. Im ZDF-Pressetext stand: „Max, der Kellner, der eine schwarze Prostituierte heiratet... Verwandte, die sich regelmäßig bei Beerdigungen treffen... Erinnerungen an den Besuch Helmut Schmidts bei Erich Honecker ... Zwei Brüder, die vor Stalingrad in eine ausweglose Lage geraten waren. Und immer wieder erfährt man, dass diese Nebensächlichkeiten einem bestimmten Datum zugeordnet sind, dem 26. April 1986, dem Tag von Tschernobyl."

Nicht im Pressetext stand: Bei der Kino-Premiere des Films vergangenes Jahr in einem Münchner Lichtspieltheater waren 14 — in Worten: vierzehn — Zuschauer anwesend.

Auch ein Rekord.

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Am Dienstag berichtete die NDR-Sendung „N 3 aktuell - unterwegs" über AIDS. Moderator Kühn: „Wir wollen etwas ganz besonderes machen." Ausschnitte:

In einer „Kondomeria" wurden „poppig verpackte" Kondome und Anstecker mit der Aufschrift „Ich bin ein Gummibär" angeboten.

Ein Zauberer zog mit einer an einer Schnur befestigten Rasierklinge auch ein Kondom aus dem Mund und erklärte: „Vielleicht mag jetzt der eine oder andere sagen, dass das geschmacklos ist - aber es gibt die Dinger mittlerweile auch schon mit Geschmack."

Etwas ganz Besonderes…

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Am Donnerstag berichtete das „RTL plus" Magazin „Explosiv" über Kuba. Auszug: „Wenn die Sowjetunion nicht Jahr für Jahr gewaltige Summen in das Land pumpen würde, wäre Kuba längst am Ende. Moskau begreift haargenau, dass Castro einfach nicht fähig ist, seine verquaste marxistische Weltsicht den Realitäten der modernen Welt anzupassen. Dissidenten melden, dass in Kuba Menschenrechte mit Füßen getreten werden..."

Soviel zu dem öffentlich-rechtlichen Vorwurf, private TV-Sender seien lediglich Abspielstationen für seichte Unterhaltungsbeiträge.

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In einer ARD-Übertragung des Damenabfahrtrennens in Grindelwald am Freitag sagte Reporter Rubenbauer über eine sowjetische Läuferin: „Sie ist aus der Mannschaft geflogen, weil sie nicht genug trainierte. Da ist von Glasnost nichts zu merken und von Perestroika — da wird ein hartes Regiment geführt."

Wer's nicht versteht, dem's nicht gerät (deutsches Sprichwort).



Anmerkungen

Norbert Blüm war 1982-1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Er ist damit der einzige Bundesminister, der während der gesamten Kanzlerschaft Helmut Kohls dem Kabinett angehörte.

Der CDU-Politiker Gerhard Stoltenberg (1928-2001) war 1965-1969 Bundesminister für wissenschaftliche Forschung, 1971-1982 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, 1982-1989 Bundesminister der Finanzen und 1989-1992 Bundesminister der Verteidigung.

Martin Bangemann war 1984-1988 Bundesminister für Wirtschaft, 1985-1988 Bundesvorsitzender der FDP und 1989-1999 EU-Kommissar für den Binnenmarkt (bis 1993) bzw. für Industriepolitik, Informationstechnik und Telekommunikation.

Der CDU-Politiker Klaus Töpfer war 1987-1994 Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

 




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