Albrecht, Schröder und der Spielbank-Skandal in Hannover

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Ein Casino-Besitzer spielt falsch, ein Minister tritt zurück: Der Kampf um die Macht in Niedersachsen zwischen Oppositionsführer Gerhard Schröder und Ministerpräsident Ernst Albrecht, dem Vater der jetzigen Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen, füllte immer wieder Sendezeit. In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 25 Jahren sonst noch wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 25. Dezember 88.

Aus der „RTL plus"-Satiresendung „Karlchen" am Montag: „Smiley Albrecht hat Grund zum Grinsen. Eine Stimme aus dem anderen Lager! Wer kann das gewesen sein? Wir müssen jetzt nur abwarten, wann irgendwo ein Sozi in Niedersachsen eine Spielbank-Konzession bekommt. Oder ein Grüner. Dann wird das natürlich eine alternative Spielbank mit Chips aus Naturholz oder Spieltisch aus Jute. Apropos Jute: “Juten Abend!"

Jute Nacht.

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In ARD-„Report" vom Dienstag berichtete Reporter Below aus Hannover. Auszüge:

„Gerhard Schröder ist zu kurz gesprungen, trotz einer beispiellosen Kampagne. Dabei ging es um mehr als zehn Jahre alte Vorgänge... Ein Dauerfeuer... Was dabei unterging: die Sozialdemokratische Partei hatte ebenfalls Chips im Spiel. Untergegangen ist auch die Tatsache, dass es die SPD-Regierung 1973 war, die das Projekt Spielbank zum Laufen brachte, und zwar gegen den erbitterten Widerstand des damaligen CDU-Abgeordneten Albrecht."

„Prominenter Spendenempfänger, so stellte der Untersuchungsausschuss fest: Hannovers SPD-Oberbürgermeister

Schmalstieg. Noch zahlreiche andere der SPD angehörende oder nahestehende Personen oder Institutionen zapften den Casino-Boss für allerlei Zwecke an ..."

„Vielleicht ein Zeichen der Gerechtigkeit selbst in der Politik: das auf soviel Heuchelei aufgebaute Misstrauensvotum des 19. Dezember scheiterte."

Auf grobe Lüge derbe Wahrheit (deutsches Sprichwort).

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Aus einem ARD-„Brennpunkt" am Mittwoch über Tiefflüge:

Bundesverteidigungsminister Scholz: „Wir sind nach wie vor einer militärischen Bedrohung aus dem Osten ausgesetzt, und diese Bedrohung ist ganz entscheidend im Bereich der Luft."

ARD-Moderator Elitz: „Da fragen sich viele, warum brauchen wir dann so viele Soldaten zu Lande, auf der Erde?"

Ein Narr kann mehr fragen, als zehn Kluge beantworten können  (deutsches  Sprichwort).

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Am Freitag berichtete die NDR-III-Sendung „extra drei" über niedersächsische Schüler, die Weihnachtsgrüße mit Kondomen verschickten. Aufschrift: „Geiles neues Jahr!" Dazu Reporterin Nordhausen-Skretny: „Das Fest der Liebe steht vor der Tür... Emsiges Treiben... Die Lieben in Nah und Fern wollen mit einem lieben Gruß bedacht sein, und um besondere Zuneigung zu zeigen, muss es etwas Außergewöhnliches sein."

Außergewöhnlich.

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1983, vor Einführung des Privatfernsehens, konnten deutsche TV-Zuschauer an den beiden Weihnachtsfeiertagen bundesweit zusammen sechs Spielfilme sehen. Diesen Sonntag und Montag sind es 35.

Frohe Weihnachten!


Anmerkungen

Björn Hergen Schimpf kommentierte 1984-1992 mit der Handpuppe „Karlchen“ bei RTL plus in satirischer Form das Tagesgeschehen. Ab 1984 moderierte er zusammen mit Hans Meiser die Newsshow „7 vor 72“, 1989-1992 auch die Sendung „Ein Tag wie kein anderer“ (RTL plus). 1993 ging er zum WDR, 1997 zu Vox. 2000 ging er beim RTL erneut mit „Karlchen“ auf Sendung, 2005-2006 auch „RTL Radio“. Seit 2009 arbeitet Schimpf für „Sonnenklar.TV“.

In seinem Beitrag bezog sich Schimpf um die Spielbank-Affäre des Jahres 1988 um den Glücksspielbetreiber Marian Felsenstein, der Geld aus dem Kasino für sich abgezweigt hatte. Als die Spielbank Hannover/Bad Pyrmont in Konkurs ging, musste der CDU-Innenminister Wilfried Hasselmann aus dem Kabinett Ernst Albrecht auf Druck der Opposition unter Gerhard Schröder (SPD) zurücktreten. Ihm wurde vorgeworfen, Spenden angenommen zu haben. Auch andere Politiker gerieten durch den Skandal in Schwierigkeiten. Albrecht überstand ihn unbeschadet.

Rupert Scholz (CDU) war 1988-1989 Bundesminister der Verteidigung und 1994-1998 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Ernst Elitz wurde 1985 Chefredakteur Fernsehen des Süddeutschen Rundfunks. Von 1994–2009 war er Intendant des „Deutschlandradio“, heute ist er Kommentator der Bild-Zeitung.



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