Mit Noah fängt die alkoholische Sintflut an

Dienstag, 14. Januar 2014

Kulturgeschichte einer Droge. Von der Bibel bis zum Bordeaux

Der erste Trunkenbold der Geschichte heißt Noah. Der Held, der die Sintflut überlebt, keltert Wein, kostet maßlos und plumpst stockvoll aufs Lager. So die Legende. Wahr ist. Die ersten Winzer leben wohl vor rund 8000 Jahren am Ararat, dem sagenhaften Landeplatz der Arche. Etwa zur gleichen Zeit brauen Ackerbauern in den Ebenen Mesopotamiens Bier. Seither wetteifern die beiden beliebtesten alkoholischen Getränke, die Frucht der Traube und das flüssige Brot, um die Gunst der Genießer. Schon 3000 v. Chr. sind die Sumerer mit sechzig verschiedenen Biersorten auf dem Markt.

Pharaonen-Doping. Zur Stärkung der Arbeiter an den Pyramiden werden täglich drei Liter Bier pro Nase ausgeschenkt - Gebräu aus Datteln und Mohn. Die Pharaonen trinken Wein - im Grab Tutenchamuns wurden 36 Krüge gefunden. Die medizinischen Wirkungen des Alkohols erkennt und Überliefert als erster der Arzt Hippokrates (400 v. Chr). Seine Warnung: „Stetiger Genuss führt zu Schwachsinn." Die Griechen haben sogar einen eigenen Weingott (Dionysos). Schon 65 n. Chr. rät der Spanier Columella in einem Lehrbuch, Weinstöcke mit Weidenruten an Pfähle zu binden - so wird es noch heute an der Mosel oder im Beaujolais gehalten.

Kaiserlicher Suffkopp. Einer wie Commodus, immerhin römischer Kaiser, verkleidet sich gern als Herkules, lässt sich vollaufen und keult dann in der Arena eigenhändig gefesselte Germanen. Den frühen Christen indes gilt Wein als Blut Jesu und somit heilig. Zuviel Alkohol bedeutet Völlerei und Sünde. Erst im Mittelalter ist der Maßstab weniger streng. Karl der Große, ein großer Weinfreund, erkennt von seinem Schiff aus die günstige Lage der Rüdesheimer Ufer und lässt die ersten Weinberge des Rheingaus anlegen.

Destillat der Mönche. In Irland entwickeln Ordensbrüder ein Lebenswasser („Uisghe"), heute bekannt als „Whisky". Besonders im 17. Jh. kommt der Erfindungsgeist voran. Engländer brauen Ale, Holländer destillieren Korn, Franzosen brennen Cognac. Alkohol setzt sich endgültig als Kulturdroge des Abendlandes durch.

Zufalls-Produkt. Der französische Benediktinermönch Dom Pierre Perignon erfindet den Champagner – unfreiwillig: Es gelingt ihm nicht, seinem Qualitätswein das Perlen abzugewöhnen. Wie gut, dass er es irgendwann aufgab! Den Ruf, die schlimmsten Säufer zu sein, genießen zu diesen Zeiten die Niederländer. Selbst die Franzosen kommen da nicht mit. Einer notiert geschafft: „Die Edelleute der Niederlande haben so viele Regeln und Zeremonien, wenn sie sich betrinken, dass mich die Disziplin dabei ebenso abschreckt wie der Exzess." Während der Kolonialzeit findet Alkohol weltweite Verbreitung.

Gabe und Gift. Längst gedeiht Wein in Kalifornien wie am Kap. Keine Kultur ohne flüssigen Stoff. Der russische Dichter Maxim Gorki: „Gegen Katzenjammer hilft nur der Branntwein und nicht Gewissensbisse oder Zähneknirschen." Berliner Volksmund: „Die Liebe und der Suff, die reib'n den Menschen uff." Der Zyniker André Gide: „Das Alter hat auch gesundheitliche Vorteile, zum Beispiel verschüttet man viel von dem Alkohol, den man eigentlich trinken möchte." Das richtige Maß liegt, wie so oft im Leben, irgendwo in der Mitte!

 



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