ARD-Satire beleidigt Papst Johannes Paul II. als Mafia-Boss

Donnerstag, 16. Januar 2014

Die ARD über Hochwasser und Arbeitslosigkeit, RTL über einen abgeschnittenen Penis, der Papst als „Sektenführer von der Cosa Nostra“: In „TELE-RETRO“ zeigen „Teletäglich“-Kolumnen, welche Themen das Fernsehen vor 15 Jahren wichtig nahm und was es daraus machte. Heute: Die Ausgabe vom 16. Januar 1994.

Am Sonntag zeigte die ARD-Sendung „Zak" einen Sketch mit den aus der Satirereihe „Hurra Deutschland" bekannten Gummipuppen. Handlung: Kohl und Blüm rudern über den Rhein. Kostprobe:

 Blüm: „Hilfe! Helmut, der Pegel steigt immer weiter. Mit steht's schon bis zum Hals!"

Kohl: „Na und? Dann kann's ja so hoch net sein, das Hochwasser!"

Blüm: „Wieso Hochwasser? Die Arbeitslosigkeit steigt! Da: 3,4 Millionen, 3,5 ..."

Kohl: „Pah! Arbeitslose und  Hochwasser, das ist doch das gleiche! Die Leut' verlieren Haus und Hof und keiner zahlt's, hehe!"

Blüm: „Aber wir müssen doch irgendwas tun!"

Kohl: „Genau, du Jammerlappen! Endlich einen größeren Arbeitsminister suchen."

Land unter.

*

Am Dienstag berichtete RTL in „Nachtjournal" über den Prozess gegen eine Amerikanerin, die ihren schlafenden Ehegefährten entmannt hatte. Kostproben:

Moderator Bremer um 23.51 Uhr in einer Vorschau auf seine Sendung: „Unser Top-Thema heute im Nachtjournal: Der Penis-Prozess in den USA. Lorena Bobbitt soll ihrem Mann die Männlichkeit abgeschnitten haben. John Wayne Bobbitt ist dennoch der Mann des Tages - für die Souvenirjäger."

Bremer um 23.57 Uhr in einer weiteren Vorschau: „In wenigen Minuten: Der Penis-Prozess. Bleiben Sie dran!"

Stimme aus dem Off zum Beginn der Sendung um 24 Uhr: „Die Themen im Einzelnen: Wie John Bobbitt den Verlust seiner Männlichkeit vermarktet."

Bremer um 0.10 Uhr: „Wir berichten gleich über den Penis-Prozess, und wie John Bobbitt den Verlust seiner Männlichkeit vermarktet. Jetzt aber erst der Nachrichtenüberblick."

Bremer um 0.22 Uhr: „Lorena Bobbitt hatte zum Filettiermesser gegriffen und - Schnitt! - das, was den Mann zum Mann macht, war plötzlich weg... Souvenirjäger und Medien haben Hochkonjunktur."

Bremer um 0.29 Uhr, nach dem Beitrag: „Besser kein Schnitt - Schmerz und Entsagung als Preis für Marketing, da kann ich drauf verzichten."

So wie der Zuschauer auf solche Nachrichtendarbietung.

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Aus „Nachschlag" am Mittwoch mit ARD-Kabarettist Deutschmann: „UNO, NATO, WEU schaut interessiert in Sarajevo zu ... Wir haben uns mühevoll an den Dauerbeschuss durch die Medien gewöhnt... Wer von uns kann ohne Artilleriefeuer auf Sarajevo eigentlich noch einschlafen? Ein längerer Waffenstillstand würde uns total aus dem Rhythmus bringen. Was hat die UNO auf dem Balkan erreicht? Gelegentlich freien Zugang für ihre Blauhelme zu den Bordellen der serbischen Soldateska und ein Flugverbot für serbische Panzer. Aber demnächst soll es ja ein Flugverbot für serbische Granaten geben."

Volltreffer.

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In „Werner Schneyder" am Freitag sagte ARD-Kabarettist Schneyder:

„Kanzler Kohl hat einen wunderbaren Satz gesagt: ,Die ganze Wucht von 40 Jahren Teilung habe ich so nicht übersehen'. Ich weiß, was er meint: Er hat sie nicht überblickt - übersehen hat er sie durchaus."

„Wenn einem mehrere Wunder gelingen, ist man schon Sohn Gottes. Und davon ist dieser Helmut Kohl noch weiter entfernt als  dieser polnische Sektenführer von der römischen Cosa Nostra."

„Ich bin satiregeschädigt."

Das ist nicht zu überhören.

Anmerkungen

Norbert Blüm war 1982-1998 Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung. Er ist damit der einzige Bundesminister, der während der gesamten Kanzlerschaft Helmut Kohls dem Kabinett angehörte.

Heiner Bremer leitete 1994-2004 das „RTL Nachtjournal“. Seit 2004 moderiert er die Talkshow „Das Duell bei n-tv“.

Mit dem „polnischen Sektenführer von der römischen Cosa Nostra" meine der österreichische Kabarettist Werner Schneyder Papst Johannes Paul II.

 





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