Kultur 1998: Bundeskanzler Kohl als Hund vor Kothaufen

Mittwoch, 15. Januar 2014

„Rheinischer Karneval“ bei der Beerdigung Ernst Jüngers, Onanie vor Kindern im „Weilheimer Theatersommer“, „Faust“ kokst und tanzt mit Gretchens Leiche: Was deutschen Kulturschaffenden vor 15 Jahren so alles einfiel.

Januar: Ein neues Werk des Münchners Herbert Achternbusch heißt „Neue Freiheit keine Jobs schönes München Stillstand“. Handlung: Großstadtindianer fordern Helmut Kohls Verschwinden. Zitat: „Als des Führers letzter Hund hetzt er durch Europa.“ Kulisse: Kothaufen.

Februar: Bericht von der Beerdigung Ernst Jüngers in der „Süddeutschen Zeitung“. Der Autor fühlt sich „an Bilder vom rheinischen Karneval gemahnt“. Von „Trauer ob eines wirklichen Verlustes“ sei nichts zu bemerken gewesen.

April: „Phaidras Liebe“ am Schauspiel Bonn: Ein Mann beginnt auf der Bühne zu onanieren, bis ihm Erdnussflips aus der Hose kollern. Die Heldin befriedigt ihn oral. Die Darsteller nennen einander „Fo...“ und „Wi...“, zum Finale kreist über Vergewaltigungen und Verstümmelungen ein Geier.

Mai: Kleist „Zerbrochener Krug“ im Schauspiel Bochum: Die Dörfler grölen „Wenn das Wasser im Rhein goldner Wein wär“ und reißen dem Richter die Kleider vom Leib, der Gerichtsrat beruhigt die Empörten mit Gummibärchen.

Juni: Ärger im „Weilheimer Theatersommer“: Cordula Trantow hat den „Urfaust“ inszeniert, auch sechs- bis zehnjährige Kinder wirken mit, und zur Premiere wurden auf der Bühne Oral- und Analsex sowie Masturbationsszenen gespielt. Die Regisseurin ist von den Protesten „überrascht“.

September: Am Düsseldorfer Schauspielhaus wollte der Dramatiker Franz Xaver Kroetz sein Projekt „Furcht und Elend in Deutschland“ realisieren. Zitat: „Ich möchte einen großen Haufen reinsch... in dieses Sch...land.“ Nach drei Probewochen reist er wieder ab. Zitat: „Das ist alles ein Sch...“

Oktober: „Feuergesicht“ von Marius Mayenburg an den Münchner Kammerspielen. Handlung: Der Vater liest am liebsten über Hurenmorde, die Mutter menstruiert auf den Fußboden. Die wahnsinnige Tochter treibt Inzest mit dem Bruder, und dieser schlägt die Eltern mit dem Hammer tot.

November: „Faust“ im Theater an der Ruhr in Mühlheim: Der Titelheld koitiert, kokst, spritzt Heroin und tanzt mit Gretchens Leiche.

Dezember: Sarah Kanes Drama „Gesäubert“ in den Hamburger Kammerspielen: Brüste werden abgeschnitten, Genitalien verpflanzt, es gibt Vergewaltigungen und Inzest, ein Arzt spritzt einem Gefangenen tödliches Heroin ins Auge.

Sonstiges: Seit Oktober besitzt die Republik einen Bundesminister für Kultur.

 



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