Maximilian Kolbe: Für einen Mithäftling in Auschwitz ging er in den Tod

Mittwoch, 8. Januar 2014

Vor 120 Jahren wurde er geboren. Er rettete viele Juden und andere Verfolgte des Nazi-Regimes. Sein Opfer gilt als einer der großartigsten Beispiele für Nächstenliebe im grausamsten aller Jahrhunderte.

Am Morgen des 31. Juli 1941 war aus Block 14 des Konzentrationslagers  Auschwitz ein Häftling geflohen. Für ihn sollten zehn andere dem Hungertod ausgeliefert werden. Lagerkommandant Fritsch ließ die Gefangenen antreten und bestimmte willkürlich die Opfer. Wenn ihm ein Gesicht nicht gefiel, zuckte sein Zeigefinger hoch: „Raus!" Das war dann das Todesurteil.

Auch den Polen Franciszek Gajowniczek aus Brzeg, einen nach einem Fluchtversuch gestellten Kriegsgefangenen, traf es. In seiner Verzweiflung schrie er: „Meine Frau, meine Kinder - ich will nicht sterben!" Da trat plötzlich ein kleiner, blasser Mann vor und bot den Nazi-Henkern an, statt des Verzweifelten zu sterben.

„Wer bist du?" fragte Fritsch.

„Ich bin ein katholischer Priester aus Polen", kam die Antwort, „ich möchte seine Stelle einnehmen, weil er Frau und Kinder hat."

„Einverstanden", sagte der SS-Scherge. Als seine Henkersknechte die zehn Opfer zum Hungerbunker führten, höhnte einer von ihnen: „Hier werdet ihr eintrocknen wie die Tulpen!"

Der Mann, der dieses Schicksal freiwillig auf sich nahm, wurde vor 120 Jahren, am 7. Januar 1894, in Zdunsko-Wola bei Lodz geboren. Seine Eltern betrieben dort eine kleine Weberei. Ein Apotheker, der die Intelligenz des Jungen erkannte, verhalf ihm zum Besuch einer Handelsschule.

Als 16-jähriger entschloss sich Maximilian Kolbe, Franziskaner zu werden. 1912 wurde er mit anderen Novizen zum Studium der Theologie und Philosophie nach Rom geschickt. 1919 zum Priester geweiht, kehrte er nach Polen zurück - und erfuhr, dass sein Vater bereits vier Jahre zuvor als Legionär des polnischen Freiheitshelden Pilsudski von den Russen gefangengenommen

und ermordet worden war.

Seit Anfang der 20er Jahre litt Maximilian Kolbe unter einem Lungenleiden, das ihn immer wieder zwang, Sanatorien aufzusuchen. Dennoch widmete er sich weiter mit großer Tatkraft und unerschütterlicher Zähigkeit der Verehrung Mariens und dem Kampf gegen die Kommunisten: Seine Zeitschrift „Ritter der Unbefleckten" erreichte eine Auflage von über einer Million Exemplaren. Das von ihm 1927 gegründete Männerkloster „Stadt der Immaculata" wuchs rasch zum größten Polens heran.

Nach der Besetzung des Landes durch deutsche Truppen löste die deutsche Polizei das Kloster auf. Im Dezember 1939 aber kehrte Maximilian Kolbe zurück und bot fortan vielen Juden und anderen Verfolgten Zuflucht. Am 17. Februar 1941 wurde er von der Gestapo verhaftet, am 29. Mai kam er nach Auschwitz. In dem Todeslager erwartete ihn das Schicksal Zehntausender: schwerste Arbeit, Prügel, Demütigungen und nach erneuter Erkrankung fortschreitender Kräfteverfall. Zeugen belegen, dass er bis zum letzten Tag unermüdlich als Helfer und Seelsorger wirkte.

Der Tod, den er wählte, war besonders grausam: Die Insassen des Hungerbunkers bekamen solange weder zu essen noch zu trinken, bis sie tot waren. Anfangs hörten die anderen Häftlinge noch tagelang die verzweifelten Hilferufe der Todgeweihten. Als das Verlies nach 15 Tagen geöffnet wurde, lebten noch vier, darunter Maximilian Kolbe. Der Lagerhenker Boch tötete die nur noch schwach Atmenden, indem er ihnen Phenol in die Venen spritzte. Als der Geistliche an diesem 14. August 1941 starb, war er 47 Jahre alt.

Die Überlebenden wurden im Oktober 1944 aus Auschwitz fortgetrieben. SS-Wachmannschaften hetzten die Entkräfteten mit Hunden durch die Wälder. Wer diese letzte Tortur überlebte, wurde am 3. Mai 1945 in einem Wald bei Schwerin von amerikanischen Soldaten gerettet. Auch Franciszek Gajowniczek zählte zu diesen wenigen Glücklichen. Er wog nur noch 42 Kilo. Als er nach Hause kam, fand er nur seine Frau vor: Die beiden Söhne waren durch alliierte Fliegerbomben umgekommen. Seither fuhr Gajowniczek jedes Jahr mit der Eisenbahn rund 200 Kilometer von Brzeg nach Auschwitz und betet in dem Todesbunker, in dem sein Retter umgekommen war. Er selbst starb 1995 im Alter von 94 Jahren.

Maximilian Kolbes Opfertod galt bald als eines der großartigsten Beispiele für Nächstenliebe im grausamsten aller Jahrhunderte. Besonders in Polen fand der Tote rasch eine ständig wachsende Zahl glühender Verehrer, unter ihnen auch der junge Karol Wojtila. Und als der Pole Papst geworden war, wurde sein großes Vorbild heiliggesprochen - am 10. Oktober 1982.

In einer Ansprache in Kolbes Kloster sagte Papst Johannes Paul II. im Juni 1983 über den Mann, der bald „Engel von Auschwitz" genannt worden war, Maximilian Kolbe habe durch seinen Tod „auf eine besonders eindrucksvolle Weise das Drama der Menschheit des 20. Jahrhunderts" aufgezeigt. Er sei „Patron Polens und Patron unseres schwierigen Jahrhunderts".

 



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