Langobarden: Die großen Blonden mit den vielen Talenten

Mittwoch, 15. Januar 2014

Die Germanen von der Unterelbe beherrschten Italien 200 Jahre lang. Sie bauten Straßen und Kirchen, reformierten das Recht, belebten Ackerbau und Handel, gaben der Lombardei Namen und Gepräge. Ihre kulturelle Ausstrahlung reicht bis in die Gegenwart.

Durch Eis und Schnee sprengte im Februar des Jahres 568 n. Chr. ein diskreter Spediteur zum Hof des Langobardenkönigs Alboin am Donauufer. In seinem Mantel barg der Bote Paketpost aus wärmeren Gefilden. Inhalt: Südfrüchte und Weintrauben – verlockende Gaumenfreuden für frierende Germanen, die sich damals nicht minder nach Sonne sehnten als deutsche Italien-Touristen heute.

Absender der Obstkiste: Narses, erfolgreichster Feldherr Ostroms, der 15 Jahre zuvor, 552/3, die Ostgoten vernichtet hatte – auch mit Hilfe langobardischer Kontingente. Grund der geheimen Gabe: Narses wollte den kriegerischen Germanen einen Zug nach Süden schmackhaft machen, um sich an seinem Kaiser zu rächen, der ihn aus Italien abberufen und nach Byzanz befohlen hatte. Ergebnis der Eilsendung: Nach dem Oktoberfest 568 eroberten die Langobarden Norditalien und entledigten den römischen Kaiser seiner letzten Latifundien im lateinischen Westen.

Der Trick mit den Trauben änderte nicht nur die weltpolitische Landschaft des Frühmittelalters – er schuf auch Voraussetzungen für die Entstehung einer Kulturlandschaft, die Europa prägte bis in unsere Zeit. Denn die Narses-Naschereien lockten ein Volk ans Licht der Geschichte, das gering an Zahl, doch groß an Zielen war.

"Andere germanische Völker haben Reiche gegründet, die bis heute geblieben sind: das Reich der Deutschen, das der Franken, das der Angelsachsen", schrieb Hermann Noelle 1978 in "Die Langobarden". "Das Reich der Langobarden verging. Doch von ihrer Begegnung mit der Antike ging eine Wirkung aus wie von keiner anderen."

Dafür war ihnen eine Zeit von nur 200 Jahren gegeben. Aber sie genügte, um daraus einen Kulturkreis entstehen zu lassen, den der Kulturphilosoph Oswald Spengler als die "Faustische Kultur" bezeichnete und der britische Geschichtsphilosoph Arnold Toynbee als die "Western Civilisation": Die Langobarden, die in ihren besten Zeiten kaum mehr als 100.000 Köpfe zählten, bereiteten in Oberitalien aus urwüchsig Germanischem und raffiniert Römischem den Humus der wichtigsten Kulturlandschaft im mittelalterlichen Europa, die nach ihnen bis heute die Lombardei heißt.

Eine erste zivilisatorische Großtat war das Gesetzbuch des Langobardenkönigs Rothari (636-652). Er beschränkte Selbstjustiz und Sippenhaft und schloss nach Jahrhunderten der Gesetzlosigkeit an das römische Recht der Zeiten Ciceros an. Die liberalen Langobarden lösten sich vom archaischen Vergeltungsgrundsatz "Auge um Auge" und ließen auch Totschlag und Körperverletzung durch Geldstrafen sühnen.

Die Tötung von Hexen galt den Langobarden, anders als allen anderen Germanen, als Mord – Beweis einer erstaunlichen reifen Rechtskultur in einer Zeit, lange bevor das Mittelalter mit seinen Hexenverbrennungen begann, die bis tief in die Neuzeit reichten (die letzte in Europa fand 1793 in Posen statt, dem Jahr, als die Stadt preußisch wurde).

Der langobardische Rechtskodex schützte jedoch hauptsächlich die Freigeborenen und ihr Eigentum, zu dem auch die Hörigen, die Mägde und Knechte zählten. Nur wenn Fremde sich an Unfreien vergingen, wurde das – als Vergehen am Besitz eines anderen – geahndet. Dabei rangierte beispielsweise eine Magd im Wert hinter einer Kuh oder Stute. Diebstahl wurde teurer bezahlt als die Misshandlung oder gar das Töten der Leibeigenen. So lautet der Paragraph 334 des Im Jahre 643 erschienenen Gesetzbuches: "Schlägt jemand eine schwangere Magd und verursacht dadurch eine Fehlgeburt, so zahlt er 3 Solidi… Sechs Solidi aber muss zahlen, wer einem Pferd mutwillig oder aus Bedarf den Schweif stutzt.“ (§ 338).

Viel drastischer sind die Geldbußen, wenn es um Freie geht. Für den Mord an einer Frau müssen 1200 Solidi berappt werden (§ 201). Unbezahlbar ist nur der Herr des Hauses: "Die Frau, die ihren Mann umbringt, wird selbst getötet", heißt es kurz und bündig im Paragraph 203.

Frauen haben auch nicht das Recht, "Nach freiem Gutbefinden" zu leben oder zu heiraten. Für beide aber, Frau und Mann, waren die Klassenschranken unüberwindlich: Freie durften nur Freie, Hörige nur Hörige heiraten. Vermischung galt als Kapitalverbrechen und wurde mit dem Tode bestraft.

Von der oft zitierten Hochachtung der Germanen vor der Frau ist demnach bei den Langobarden nicht mehr viel übrig. Das beweist, neben der Gesetzgebung, vor allem die Art und Weise, wie die Langobarden in Kriegszeiten mit Frauen verfuhren.

Paragraph 135 des Rotharischen Gesetzbuches allerdings, der wie eine Anekdote anmutet, zeigt dennoch etwas Verständnis für das schöne Geschlecht: "Es wurde uns berichtet, dass ein verdorbener Mensch, indessen eine Frau im Flüsse badet, all ihr Gewand, das sie dort am Ufer hatte, wegnahm, so dass sie nackt zurückblieb und jeder, der an dem Platz vorüberging, sündhafterweise ihre Blöße sah… Wer eine solche unerlaubte Frechheit an den Tag legte, der zahlt der Frau… sein Wergelt."

Von allen Germanenvölkern, die Italien besetzten oder besiedelten, bewiesen sich die Langobarden als einzige auch im Straßenbau: Von ihrer Hauptstadt Pavia trassierten sie eine Direktverbindung nach Rom, zunächst zugunsten des Güterverkehrs. Später beschleunigte die schnurgerade Schnellstraße auch Pilger- und Kriegszüge.

Die langobardische Kunst drückte dem frühmittelalterlichen Christentum ihren Stempel auf und fand Nachahmung in ganz Europa. Ihr typisches Beispiel, das gemeißelte Flechtband an Kirchensäulen, entstand aus Schmucklinien bronzezeitlicher Schnurkeramiken. Das Bildwerk aus vielfach ineinander verschlungenen Strängen verband germanische Heilslehre - im Norden galt das geflochtene Band als Sinnbild von Sippe und Frieden - erstmals mit christlichem Glauben, in dem das endlose Flechtwerk die Prinzipien von Schöpfung und Auferstehung symbolisierte.

Als Architekten vereinten die Langobarden als erste die germanische Gewohnheit, Götter von Berggipfeln aus zu verehren, mit der christlichen Sitte, Gläubige durch Glocken zum Gebet zu rufen: In der flachen Lombardei errichteten sie im 7. Jahrhundert Europas erste Kirchtürme.

Die Sozialgeschichte vermerkt die Langobarden als Träger des ersten internationalen Arbeiterbundes: Aus einem losen Zusammenschluss oberitalienischer Bauhandwerker am Corner See, die sich Comacini nannten, wurde nach dem Einmarsch der Langobarden eine Genossenschaft mit ordentlicher Satzung. Sie errichtete Kirchen und Klöster überall in Mitteleuropa. Ihr Einfluss reichte bis Poitiers, Cluny, Augsburg, Speyer, Mainz, Maria Laach) und bestand noch im 12. Jahrhundert, 400 Jahre nach der Vernichtung des langobardischen Reiches.

Die Comacini entwickelten eine lateinisch-langobardische Fachsprache, besaßen eigene Steinmetzschulen und normten Europas Baupläne nach einem Längenmaß, das ihnen der Fuß des Langobardenkönigs Liutprand vorgegeben hatte: 28,5 Zentimeter.

Und: Als einziges der germanischen Wandervölker brachten die Langobarden eine Geschichtsschreibung hervor, die bis in den mythischen Raum der Sage reicht - Fundgrube für die Erforschung der Urgeschichte auch anderer germanischer Stämme.

Unklar bleibt, wonach die Langobarden ihren Namen trugen. „... und sind von der Insel Scandinavia hergekommen", ließ der langobardische Historiker Paul Warnefrid (720-797), hauptberuflich als Mönch Paulus Diaconus im Kloster von Monte Cassino tätig, seine Chronik beginnen.

Archäologen suchten die Urheimat der Vorfahren Warnefrids in Skandinavien und fanden sie in der südschwedischen Provinz Schonen. Dort lebten um die Mitte des 1. Jahrtausends v. Chr. die Winniler („die Streitbaren"). Als Klimaverschlechterungen Boden und Bevölkerung in ein katastrophales Missverhältnis brachten, mussten sie auswandern. Wie zu anderen Zeiten Goten und Vandalen, überquerten die Winniler in mehreren Schüben die Ostsee und landeten auf der Höhe des heutigen Danzig. Als der griechische Geograph Pytheas um 330 v. Chr. ins „Bernsteinland" reiste, hatten sich die „Streitbaren" schon an der Weichselmündung etabliert.

Dort stießen die Neuankömmlinge auf den Widerstand der stärkeren Vandalen, die ältere Rechte geltend machten. Als Krieg drohte, banden die Frauen der Winniler ihre Haare unter das Kinn und traten so vor den obersten Gott Odin, der überrascht ausrief: „Was sind das denn für Langbärte?" Damit, so zitierte der Christ Warnefrid aus heidnischer Überlieferung, gab der Gott den Emigranten einen neuen Namen - und schenkte den Schwächeren, unwahrscheinlich genug selbst für einen Gott, den Sieg.

Archäologisch bewiesen ist, dass die Langobarden schon bald an der Ostseeküste nach Westen zogen und sich an der Unterelbe niederließen, geschützt durch die Nachbarschaft mächtiger Verwandter, der vorher aus Schweden abgewanderten Sueben.

Völkerkundler wollten den Namen der Langobarden mit dem germanischen Wort „Barte" (Beil) erklären, das sich in „Hellebarde" bis heute erhielt. Grabfunde aus dem Elbgebiet zeigen indes, dass die Langobarden lieber mit Lanze und Schwert kämpften. Da sie auch keineswegs längere Bärte trugen als andere Germanen und die urzeitliche Damenbartsage seriösen Forschern nicht genügt (schon Warnefrid nannte sie „lächerlich"), nehmen die meisten modernen Historiker an, die Winniler hätten sich den neuen Namen nach dem Auszug aus religiösen Gründen selbst gegeben: Voll Dankbarkeit wollten die Auswanderer sich nach ihrem Gott Odin benennen, verzichteten dann aber aus frommer Scheu auf den göttlichen Namen und beschieden sich, ihre Nation nach der Barttracht des Himmelsherrschers als „das Volk der Langbärtigen" zu bezeichnen, woraus schnell „Langobarden" wurde.

Seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. siedelten die Langobarden an der Unterelbe zwischen Stade, dem Allertal und Mecklenburg, im „Bardengau" um die heutige Stadt Bardowick. Im Jahr 5 wurden sie von einem römischen Expeditionskorps unter dem späteren Kaiser Tiberius nach Norden abgedrängt. Der römische Reitergeneral Velleius Paterculus notierte nach der Schlacht, seine Gegner seien „wilder als die germanische Wildheit" gewesen.

Der Historiker Tacitus (55-116) lobte die Langobarden unter anderen suebischen Stämmen: „Im Gegensatz dazu adelt die Langobarden gerade ihre geringe Zahl. Inmitten zahlreicher, sehr starker Stämme verschafft ihnen nicht Unterwürfigkeit Sicherheit, sondern Kampf und Wagemut." Die erwachsenen Männer des Stammes übertrafen mit durchschnittlich 1,80 Meter Körpergröße alle anderen Germanen (heutige Schweden: 1,77 Meter, Deutsche: 1,75 Meter, Italiener: 1,67 Meter) und schreckten südländische Kombattanten schon durch ihr Aussehen. Chronist Warnefrid beschrieb seine blonden, blauäugigen Landsleute: „Nacken und Hinterkopf trugen sie geschoren, die anderen Haare hingen ihnen über die Wangen bis zum Mund herab."

Die Langobarden, die sich in Ermangelung von Katzen zur Mäusejagd Hausschlangen hielten, trugen weite, bunte Kleidung aus Leinen, darüber Eisenpanzer und die von ihnen erfundene Pike, eine vernichtende Waffe in den Händen einer anstürmenden Reitertruppe. Von der Schönheit langobardischer Frauen schwärmte der reichsdeutsche Historiker Alois Schneider 1926: „Der goldene oder doch in leuchtender Bronze verfertigte Schmuck des Haares der Frauen ließ dessen Blond und die sammetweise Haut der einst den Schneegefilden des Nordens entsprossenen Trägerinnen nur noch prächtiger erscheinen."

Gegen den germanischen Wandertrieb blieben die Langobarden länger als alle Vettern immun: Erst um 400 n. Chr., lange nach Nachbarn wie Kimbern, Teutonen und Sueben, starteten auch die Piken-Bauern von der Elbe nach Süden, wieder wegen einer Hungersnot. Vermutlich zogen sie zuerst nach Südwesten, wo sie bei Nordheim von den Sachsen aufgehalten wurden, und dann nach Osten in die von den Burgundern geräumte Lausitz. Nach einem unglücklichen Gefecht gegen die Hunnen retteten sich die Langobarden nach Südmähren in die Gebiete der nach Süden weitergezogenen ostgermanischen Rugier. 20 Jahre später, etwa 509, besiegten die Zuwanderer aus dem Norden dort die ostgermanischen Heruler. Vom Grabhügel eines Langobardenkönigs jener Zeit aus gewann Napoleon 1805 die Dreikaiserschlacht von Austerlitz.

Als die Ostgoten aus Pannonien, dem heutigen Westungarn, nach Italien vorstießen, rückten die Langobarden an die Donau nach. Dort siedelten sie erstmals auf römischem Boden — und gerieten in ein Sturmzentrum europäischer Politik.

Wie kein zweiter spielte der oströmische Kaiser Justinian (527-565) die Könige der Germanen gegeneinander aus: Franken gegen Burgunder und Alemannen, Goten gegen Gepiden und Langobarden. Nach der Vernichtung der Ostgoten im Jahr 552/3 bewog der Byzantiner die Langobarden und die aus Asien in den Karpatenbogen eingedrungenen Awaren zum Bündnis gegen die Gepiden.

Der Langobardenkönig Alboin besiegte den Gepidenherrscher Kunimund, ließ aus dem Schädel des Geschlagenen ein vergoldetes Trinkgefäß basteln und heiratete die Tochter des Toten, Rosamunde. Danach ermunterte Kaiser Justinian die den Hunnen verwandten Awaren zum Kampf gegen die geschwächten Langobarden. Dem bedrängten Alboin zeigte die Obstkiste seines alten Bekannten Narses den rettenden Ausweg: In wochenlangem Zug überquerte das kleine Volk die Ostalpen.

Die Langobarden wurden von ihrem ersten Kontakt mit dem „gelobten Land" nicht enttäuscht. Im norditalienischen Friaul fanden sie, was sie mit der Seele gesucht und wofür sie früher die blonden Haare ihrer Frauen verkauft hatten: italienischen Wein. Und in einem gigantischen Bacchanal bewies das Völkchen den Besiegten nach seiner Hieb- und Stich- nun auch seine Trinkfestigkeit.

In der ersten italienischen Stadt, Cividale, ließ Alboin eine starke Nachhut zur Abwehr der nachdrängenden Awaren zurück. Mit dem Rest von 15.000 Kriegern eroberte er innerhalb eines Jahres große Teile von Nord- und Mittelitalien bis nach Benevent bei Neapel. Nur einige Städte, kaiserliches Gebiet um Ravenna und der päpstliche Kirchenstaat blieben frei.

Danach belebten langobardische Agrarspezialisten die ausgelaugten Böden Italiens durch die Dreifelderwirtschaft, bei der sie im jährlichen Wechsel zweien von jeweils drei Äckern durch Fruchtwechsel einen Ausgleich im Mineralhaushalt verschafften und den dritten brach ließen. Langobardische Gutsherren entwickelten ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis mit den bis dahin rechtlosen romanischen Arbeitern und ließen die Landbevölkerung wieder Vertrauen in die Zukunft fassen. Langobardische Krieger trieben fränkische und awarische Räuberhaufen davon und sicherten das Siedlungsgebiet durch Festungen. Langobardische Juristen ordneten das Zusammenleben durch neue Ämter wie die des Gemeindevorstehers „Sculdahis" (Schultheiß), des „streitbaren" (langobardisch: „baro") Grundherrn, aus dem später der „Baron" wurde, und des Hofbeamten „Marscalc" (Marschall).

Doch bald gefährdete ein germanisches Grundübel den zur Großmacht gediehenen Langobardenstaat: die Uneinigkeit des Adels. Nachdem König Alboin im Jahre 572 von seiner Frau ermordet worden war, weil er sie in Festeslaune zum Trunk aus dem väterlichen Schädel gezwungen hatte, intrigierten und kämpften die 56 Langobardenherzöge zwei Jahrhunderte lang gegeneinander - nur dann und wann gezügelt von den stärkeren unter ihren Königen und einig nur, wenn Vernichtung durch äußere Feinde drohte.

774 besiegte Karl der Große schließlich den letzten von 33 Langobardenherrschern, Desiderius, und setzte sich dessen Eiserne Krone auf. Doch die langobardischen Herzogtümer im Süden, Capua, Salerno und Benevent, überstanden auch noch die Angriffe der Araber, bis sie nach der Jahrtausendwende in den neuen Staatsschöpfungen ihrer nordischen Verwandten, der Normannen, aufgingen.

Die Langobarden hinterließen in Italiens Volkstum breite Spuren: Der Dichter Dante Alighieri (1265-1321) und der Freiheitsheld Giuseppe Garibaldi (1807-1882) trugen langobardische Namen (Aligern - „der Speergewaltige"; Garibaldi - „der mit dem Speer Kühne"). Viele italienische Wörter, zum Beispiel „albergo" (Herberge) oder „guerra" (Krieg, verwandt mit dem deutschen Wort „Wehr"), haben einen langobardischen Ursprung.

Kein Zufall auch, dass 1361 eine der ersten Universitäten Europas in der einstigen Langobarden-Hauptstadt Pavia entstand: Germanisches Selbstbewusstsein, schrieb Noelle, lebte in den Bürgern lombardischer Städte fort und führte dort erst zum Widerstand wissenschaftlichen Geistes gegen theologisches Dogma, dann auch zur Suche nach politischer Selbstbestimmung.

In der Renaissance erlebte das vielen Norditalienern bis heute anzusehende Langobardenerbe eine Wiedergeburt als künstlerisches Ideal: Michelangelos zwischen 1508-12 an die Decke der Sixtinischen Kapelle gemalter Gottvater zeigt germanische Züge. Langobardischer Charme schimmert aus dem Antlitz der blonden Maria Fra Filippo Lippis ebenso wie aus der Gestalt der weißhäutigen Venus Botticellis.

Die Langobarden zählten nicht mehr Köpfe als heute die Bürger von Moers oder Witten - doch aus der Begegnung dieses Volkes mit der Antike entstand das Mittelalter und daraus unsere Zeit.

 



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