Vasco da Gama öffnete Portugal den Weg ins Land der Gewürze

Freitag, 17. Januar 2014

Vor 545 Jahren wurde der große Seefahrer geboren. Sein König ernannte ihn zum „Admiral des indischen Meeres“.

Der wichtigste Rohstoff, den das christliche Abendland aus dem Orient bezog, war fast nicht mehr zu bezahlen, seit islamische Monopolisten die Preise immer weiter in die Höhe trieben. Schließlich sahen westliche Politiker keine andere Wahl mehr, als die Muslime aus dem Handel herauszuhalten.

Das Szenario ähnelte der Situation zur Zeit der Ölkrise Anfang der 70er Jahre, aber es ging nicht um das schwarze Gold der Wüste, sondern um die Gewürze des Dschungels: Pfeffer, Muskatnuss und Gewürznelken Indiens. Seit den Kreuzzügen hatten sich wohlhabende Europäer daran gewöhnt, ihre eintönige Kost aus Rind- und Schweinefleisch durch Gewürze aus Asien zu variieren. Den höchst lukrativen Import besorgten vor allem venezianische Kaufleute über arabische Zwischenhändler im Orient.

Die Portugiesen am Westrand des Mittelmeeres wurden als letzte am teuersten beliefert - Grund genug für sie, ihre Versorgung eines Tages selbst in die Hand zu nehmen. Seit der Erfindung von Feuerwaffen den islamischen Kriegern überlegen und durch militärische Erfolge gegen die Berber Marokkos in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt, setzten die Westiberer wie ihre östlichen Nachbarn, die Spanier, auf die Entdeckung eigener Handelsrouten.

Im Jahr 1418 gründete Prinz Heinrich (1394-1460), später „Heinrich der Seefahrer" genannt, die erste Seefahrtsschule der Welt. Gebräuchlicher Schiffstyp war die aus dem portugiesischen Fischerboot („caravela") hervorgegangene Caravelle, die mit 200 Bruttoregistertonnen viel Stauraum für Wasser- und Lebensmittelvorräte bot.

Heinrichs Schüler lernten den Umgang mit Latein- und Rahsegel sowie dem Astrolabium, das die punktgenaue Bestimmung des Standorts mit Hilfe der Sonne und Sterne erlaubte. Die Erfolge stellten sich alsbald ein: 1419 wurde Madeira entdeckt, 1431 die Inselgruppe der Azoren nach über 800 Seemeilen ohne Landsicht. 1445 erreichten die Portugiesen Cap Verde, 1482 die Kongo-Mündung.

Die schon unter antiken Wissenschaftlern verbreitete Erkenntnis, dass die Erde wie eine Kugel geformt ist, war damals längst wiedergewonnen. Anders als später Kolumbus zogen die Portugiesen auch den richtigen Schluss, dass der Weg nach Indien über den Atlantik weit länger sei als um die Südspitze Afrikas. Bartholomeo Diaz erreichte sie 1487 - er nannte sie „Kap der Stürme" und kehrte um. So blieb die erste Landung an der Pfefferküste Vasco da Gama vorbehalten.

Der nach Überzeugung der meisten Chronisten vor 545 Jahren, an einem nicht mehr fest stellbaren Tag des Jahres 1469, in der südportugiesischen Hafenstadt Sines (Provinz Alemtejo) geborene Seefahrer brach am 8. Juli 1497 mit 180 Mann auf vier Schiffen in Lissabon auf. Der große Bartholomeo Diaz segelte mit einem fünften Schiff voran, um den Kollegen bis Kap Verde zu lotsen. Hinter dem Kap bog der alte Entdecker nach Osten in die Bucht von Guinea ab, der junge aber wählte den Weg über das offene Meer. Er erreichte die Insel St. Helena, umrundete am 2. November das „Kap der Stürme", das König Johann III. später aus diesem Anlass in „Kap der Guten Hoffnung" umbenannte, und segelte an der Ostküste Afrikas entlang nach Norden.

Bereits in Mosambik stieß Vasco da Gama auf die ersten islamischen Händler. Die Kunde vom Eintreffen der „Christenhunde" im „arabischen Meer" verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Lokale Befehlshaber versuchten, den Portugiesen hinzuhalten, bis eine alarmierte Araberflotte käme, um den Eindringlingen aus dem Abendland den Garaus zu machen. Doch in Malindi (Kenia) überredete der Portugiese einen Scheich, ihm einen arabischen Navigator für die Überfahrt nach Indien auszuleihen, und vier Wochen später kam die kleine Flotte in Calicut an der Westküste an: Der Seeweg nach Indien war offen.

Nach seiner Rückkehr am 10. Juli 1499 begeistert gefeiert, lief Vasco da Gama zwei weitere Male ins Land der Gewürze aus, zuletzt mit einer Kriegsflotte aus 20 Schiffen - eine nicht unbegründete Maßnahme: Islamische Händler hatten indische Potentaten gegen die Portugiesen aufgewiegelt. Der „Admiral des indischen Meeres", seit 1519 Graf von Vidigueira, reagierte im Stil der Zeit, schoss seine Feinde zusammen und errichtete eine Reihe von Stützpunkten an der indischen Küste, wo er am 24. Dezember 1524 in Cochin als Vizekönig starb. Die sterblichen Überreste des Mannes, der im Auftrag König Manuels Portugal zur ersten und lange Zeit führenden Kolonial macht der Welt machte, ruhen in der, Kirche des San-Jeronimo-Klosters zu Lissabon.



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