Eifersucht: die Bestie in uns

Samstag, 18. Januar 2014

Othello braucht Hilfe. Männer leiden schlimmer, aber kürzer. Frauen versuchen es öfter mit einem Trick. Auch Affen und Löwen kennen das schlimme Gefühl. Schon in der Kindheit geht es los.

Psychotherapeuten, Partnerschaftsberater und Anthropologen antworten auf die fünf wichtigsten Fragen zur dunklen Seite der Liebe.

Wie geht man mit einem eifersüchtigen Partner um?

Auf keinen Fall darf man ihm Anlass zum Misstrauen geben, auch nicht im Scherz. Den versteht er sowieso nicht. Alles, was ihn verunsichert, verschlimmert seinen Wahn. Alles, was ihn sicher macht, tut ihm und damit der Partnerschaft gut. Wer eifersüchtig ist, braucht Bestätigung. Man muss ihm öfter als anderen sagen, dass er der Größte ist. Der Psychotherapeut Rolf Merkle: „Sagen Sie ihm, dass Sie ihn mögen und lieben, aber sein eifersüchtiges Verhalten nicht tolerieren werden. Denken Sie immer: Ihr Partner hat große Probleme, die es ihm schwer machen, sich anders zu verhalten." Darüber hinaus muss man dem Othello klarmachen, dass es keinen Grund zur Eifersucht gibt und er es ganz allein selber ist, der sich immer wieder eifersüchtig macht. Es ist sein Problem, und er muss lernen, es zu überwinden. Dabei kann man ihm helfen, indem man alles tut, um sein Selbstbewusstsein aufzubauen: berufliche Erfolge anerkennen, Hobbys akzeptieren. Ein Trick, der manchmal hilft: Selber eifersüchtig sein, mit Fragen, Nachhaken, Quengeln. Das muss so lange konsequent durchgehalten werden, bis der Eifersüchtige kapiert, dass sein zwanghaftes Misstrauen die Partnerschaft gefährdet. Szenen, Wutanfalle, Beschuldigungen ignoriert man am besten. Rolf Merkle: „Wenn alles nichts nutzt, verlassen Sie das Zimmer, machen einen Spaziergang. Auch wenn der Partner dann noch wütender wird - man sollte ihm zeigen, dass er nicht alles mit einem machen kann."

Hat Eifersucht auch gute Seiten?

Eifersucht setzt enorme Kräfte frei, die aber nicht zwangsläufig zerstörerisch sein müssen. So erkennt mancher erst, wenn die Liebe in Gefahr ist, wie viel sie ihm bedeutet; wie sehr er sie vernachlässigt hat; wie wenig Mühe er sich gegeben hat; wie langweilig die Beziehung geworden ist. Hier sorgt Eifersucht für Klarheit. Überhaupt ist Eifersucht - die berechtigte wie die unberechtigte - immer ein Alarmzeichen. Etwas in der Partnerschaft stimmt nicht mehr. Die Münchner Ehetherapeutin Hildegard Baumgart: „Die Chance bei Eifersuchtskonflikten besteht darin, dass ein Paar die Notwendigkeit von Veränderungen im Leben einsieht - die der eigenen Veränderung oder die des Partners." So hätten viele gelernt, sich selbst - und dem anderen – mehr Freiraum zu lassen, denn ihre Liebe sei eben daran gescheitert, dass sie sich und dem Partner zu wenig Auslauf erlaubten. Die fixe Idee der totalen Harmonie in einer Ehe, das Ziel der symbiotischen Verschmelzung, das Nicht-ohne-den-anderen-leben-Können, sei ein Missverständnis vor allem der Frauen. Wer das erkenne, könne durch Eifersucht nur lernen. Zur Liebe gehöre nämlich auch Loslassen können.

Sind Frauen eifersüchtiger als Männer?

Der amerikanische Anthropologe Lionel Tiger hält Männer für eifersüchtiger. Warum? Weil das männliche Geschlecht nie sicher sein kann, dass es auch der Erzeuger der Kinder ist. Ehetherapeutin Baumgart glaubt, dass Männer kürzer und heftiger, Frauen länger und passiver leiden. Und: während Männer aktiv eine Lösung suchen, neigen Frauen dazu, auszuharren und abzuwarten. Deshalb trennen sich auch mehr Männer als Frauen aus Eifersucht vom Partner. Noch ein Unterschied: Männer bauen ihr angeschlagenes Ego wieder auf, indem sie sich eine neue Liebe suchen. Frauen möchten eher die alte Beziehung wieder kitten. Und: Frauen wittern die Gefahr oft im Voraus, sondieren ständig die Lage, machen sich Sorgen - noch ehe etwas passiert ist. Männer werden von einem Rivalen meist total überrascht und fragen sich erst im Nachhinein, was sie wohl falsch gemacht haben. Noch ein Unterschied: Mehr Frauen als Männer neigen zum alten Trick, den Partner bewusst ein bisschen eifersüchtig zu machen, um die Liebe zu testen. Auch wenn es wegen Eifersucht zu Gewalttätigkeiten kommt, gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Männer reagieren aggressiver, wobei sich ihre Aggression fast nur gegen den Rivalen oder die Frau richtet. Weibliche Aggression dagegen ist oft auch gegen sich selbst gerichtet. Mit anderen Worten: der Mann wird zum Mörder, die Frau zur Selbstmörderin.

Wie kriegt man seine Eifersucht in den Griff?

Eins zum Trost: Eifersucht ist alltäglich. Wer darunter leidet, befindet sich in guter Gesellschaft: 77 Prozent aller Frauen und sogar 80 Prozent aller Männer gaben in einer Umfrage zu, eifersüchtig zu sein. Selbst wer Taschen durchwühlt oder Notizbücher liest, ist nicht neurotisch, sondern ganz normal. Psychologen raten ohnehin, solche Gefühle nicht zu verheimlichen oder zu unterdrücken, sondern sie zuzugeben und herauszulassen. Nur dann werden sie nicht übermächtig. Schon Kinder kennen die Eifersucht auf kleinere Geschwister. Auch Tiere wie Löwen und Affen werden von ihr geplagt. Sozio-Biologen sind inzwischen überzeugt: Erst die Eifersucht macht den Wettbewerb um persönliche Beziehungen innerhalb einer Gesellschaft möglich. Und dieser Wettbewerb sei zur Arterhaltung nötig. Wie eifersüchtig jemand reagiert, hängt allerdings vom Selbstwertgefühl ab. Je unsicherer jemand ist, desto eifersüchtiger seine Reaktionen. Zwei kalifornische Psychologen, die das Phänomen erforschten, kamen zu dem Schluss: Extreme Eifersucht geht immer mit Minderwertigkeitsgefühlen einher. Wer sich selbst für eine Niete hält, argwöhnt offenbar ständig, auch der Partner sehe sich nach was Besserem um. Und wer sich selbst für unattraktiv hält, ist ständig in Sorge, er könne dem Partner nicht genügen. Weitere Ergebnisse: Jüngere Leute sind eifersüchtiger als ältere, Hauptschüler eifersüchtiger als Abiturienten. Eine gute Ausbildung tut dem Selbstbewusstsein gut. Das Gefühl der Unselbständigkeit fördert die Eifersucht ebenfalls. Je abhängiger sich eine Frau vom Mann fühlt, desto eifersüchtiger ist sie, desto mehr hat sie ja auch tatsächlich zu verlieren. Umgekehrt ist alles, was das Selbstbewusstsein aufbaut, gut gegen Eifersucht: von der neuen Frisur über ein Abo im Fitness-Studio bis hin zur beruflichen Fortbildung. Wer extrem eifersüchtig ist, muss mehr für sein Ego tun: Wie steht es um eigene, von der Partnerschaft unabhängige Interessen? Um Freundschaften? Kontakte? Hobbys? Pläne? Wie weit hängt man in seinem Urteil vom anderen ab? Ein Tipp aus dem Lexikon der Psychologie: „Die beste Möglichkeit, sich vor Eifersucht zu schützen, ist die Entwicklung der Persönlichkeit zu größerer Autonomie." Die US-Bestseller-Autorin Nancy Friday schreibt in ihrem Buch „Eifersucht - die dunkle Seite der Liebe": „Das Ziel ist nicht, die Eifersucht zu beseitigen, sondern sie zu verstehen."

Gibt es Liebe ohne Eifersucht?

Der berühmte österreichische Sexualpsychologe Professor Dr. Ernst Bornemann war davon überzeugt, dass es Liebe ohne Eifersucht gibt. Eifersucht sei nur die Folge unserer Erziehung. Wir seien dazu erzogen worden, Liebe und Eifersucht in einen Topf zu werfen. Fehlende Eifersucht werde deshalb als Zeichen von Lieblosigkeit gewertet. Doch Liebe sollte keine Fessel, sondern Öffnung zu zweit sein. Darüber hinaus sei Eifersucht nur die sexuelle Ausdrucksform des Privateigentums. Kulturen ohne Besitzdenken würden auch keine Eifersucht kennen. Der Psychologe Arno Plack ist der Auffassung, dass der anerzogene Glaube an die Naturnotwendigkeit strenger sexueller Zweisamkeit die Basis für die Eifersucht liefere. Damit liegen Bornemann und Plack auf derselben Wellenlänge wie die 68er-Studenten, die nach der Parole „Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment" lebten und liebten.

Amerikanische Sozio-Psychologen sehen das inzwischen aber ganz anders. Privateigentum hin - Besitzdenken her: Das Gefühl, zu jemandem zu gehören, sei ein menschliches Grundbedürfnis, und wenn eine Beziehung in Gefahr gerate, kämpfe man eben eifersüchtig darum. Die selbstlose, christliche Liebe, nach dem Motto „Liebe verzeiht alles, Liebe ist bedingungslos", sei eher eine philosophische Größe. Auch der Berliner Psychologe Wolfgang Krüger sieht in der Eifersucht ein angeborenes Gefühl. Er meint, Eifersucht sei ein notwendiges und sinnvolles Warnsignal: Die Liebe zähle schließlich zu den wichtigsten Säulen unseres Lebens- und Selbstwertgefühls. Daher wackele das gesamte Weltbild, wenn die Liebe bedroht ist. Wer könne da noch cool bleiben?

 



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