Briten-Talk: Schock für Brok

Freitag, 9. Juni 2017

Maybrit Illner: „Brexit, Terror, Bündniskrisen – welche Antwort hat Europa?“ ZDF, Donnerstag, 8.Juni 2017, 22.15 Uhr.

Der CDU-Abgeordnete Elmar Brok, Brexit-Beauftragter des Europaparlaments, hat sich in der ZDF-Talkshow „Maybrit Illner“ schockiert über den Ausgang der Neuwahlen in Großbritannien gezeigt.

Nach einer Direktschaltung nach London, in der die ZDF-Korrespondentin Diana Zimmermann über erste Vorhersagen des sensationellen Wahlergebnisses berichtete, sagte Brok sichtlich erschüttert: „Dieses Ergebnis bedeutet, dass überhaupt keiner Kompromisse machen kann!“

Denn, so der Politiker: „Ich hatte mir einen klaren Sieg von Teresa May gewünscht, einfach deshalb, weil es dann viel leichter gewesen wäre, mit ihr zu verhandeln.“ Jetzt aber würden zähe Gespräche mit einer angeschlagenen Politikerin bevorstehen.

Und selbst wenn statt May der Labour-Spitzenkandidat Jeremy Corbyn Premierminister würde, sei nichts gewonnen: Auch dieser müsse das Brexit-Referendum respektieren, und auch er würde, wenn überhaupt, nur eine sehr knappe Mehrheit hinter sich sammeln können.

Etwas optimistischer meinte der Journalist Gabor Steingart („Handelsblatt“), eine deutliche Schwächung Mays könne Brüssel die Verhandlungen im Gegenteil sogar erleichtern.

An eine Abkehr vom Brexit-Votum glaubte niemand in der Rede-Runde, die nach der ersten Prognose zunächst wie gelähmt wirkte. Zuvor hatten die Talkmasterin und ihre Gäste zur Überbrückung eine Dreiviertelstunde lang aktuelle Themen abgearbeitet.

Trump: „Bei seinen Wählern hat er nichts verloren“, stellte Brok fest. „Wir müssen nicht immer nur nach New York, Washington und San Francisco gucken. Amerikanische Politik wird auch in Oklahoma und Kansas City gemacht!“

Terror: „Wenn wir den IS vor Ort bekämpfen, wenn wir sie (die Terroristen) dort unter Druck setzen“, warnte die Politikwissenschaftlerin Sylke Tempel, „dann werden sie sich ein Ventil woanders suchen, und das werden sie sich bei uns suchen.“

Illner, zum rauen Krisentalk stylisch in Jeansjacke, hakte nach: „Heißt das, Siege dort sind Niederlagen hier?“ Der Militärhistoriker Sönke Neitzel fand das „ein bisschen zu direkt“ und erklärte: „Es ist alternativlos, den IS dort zu bekämpfen!“

Beim Thema Sicherheit nahm sich Brok die Geheimdienste zur Brust: „Der Präsident des Bundesverfassungsschutzamtes hat ja nicht mal eine Befehlsgewalt gegenüber dem Verfassungsschutzamt in Bremen, die mit 45 Leuten allein einen Antiterrorkampf durchführen“, lästerte der Politiker. „Das ist alles geradezu lächerlich, was da läuft!“

Steingart warnte vor wirtschaftlichen Ursachen, die junge Leute zum IS treiben würden: „Terror und Abgehängtsein, in den Ghettos, in den Vorstädten, hat was miteinander zu tun.“ Tempel widersprach jedoch: „Ich bin lange im Nahen Osten gewesen. Diejenigen, die Hamas geleitet haben, waren sehr gut ausgebildete Leute mit sehr guten Jobs. Das waren Ideologen!“

Menschenrechte: „Wir dürfen nicht den Fehler machen, bei aller Härte, die notwendig ist, dass wir selbst Menschenrechtsverletzungen machen“, sagte Brok. „Denn dann gehen wir genau in die Falle dieser Terroristen. Wir müssen unser System der Grundrechte, der Menschenrechte bewahren!“ Dafür gab es besonders viel Applaus.

Europa-Armee: „Wir haben mehr Soldaten in Europa als die USA“, sagte Steingart, „aber die sind nicht kriegstauglich!“ Neitzel hieb in die gleiche Kerbe: „Mehr Generäle als Panzer!“

Die Pläne einer Europa-Armee, so der Historiker, seien „Nebelkerzen“: „Wollen wir überhaupt ein einsatzfähiges Militär? Ich glaube, das wollen die Deutschen letztlich nicht. Es gibt ja immer diese Vorschläge, die Deutschen machen die Logistik und die Sanitäter, und die Franzosen kämpfen. Das wird nicht wirklich funktionieren!“

Zitat des Abends: „Ich möchte, dass die Briten sich an den Pensionen für Beamte, die 45 Jahre lang für sie mitgearbeitet haben, beteiligen!“ forderte Brok energisch und lieferte damit auch das passende Schlusswort.

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