Pensions-Affäre Lafontaine: Ärger um 230.000 DM

Mittwoch, 14. Juni 2017

Streit um den Klimagipfel in Rio, Witze über der Terror in Sarajevo: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 25 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 14. Juni 1992.

Am Dienstag berichtete das ZDF-„Studio 1“ über den Fall Lafontaine. Auszüge:

ZDF-Moderator Hauser: "Zahlungen in sechsstelliger Höhe über mehrere Jahre nicht zu bemerken, diese Version sollte der flotte Lebenskünstler, der so gern als tiefschürfender politischer Kopf auftritt, den Bürgern nicht zumuten."

ZDF-Reporter Schnurbus: "Das Saarland hat 13 Milliarden Mark Schulden. Oskar Lafontaine ist angetreten, diese Misere zu beheben. So wie er in der Öffentlichkeit stets mit erhobenem Zeigefinger Teilen, Sparen und die Wahrheit propagiert. Er hat unrechtmäßig von Gesetzen profitiert. Unverständlich ist auch, dass der sozialdemokratische Vor- und Querdenker glaubt, die Affäre wegspülen zu können, indem er zu viel gezahltes Geld spendet, da die Sache öffentlich geworden ist."  

Ebner-Eschenbach: "Reue ist nicht so sehr Kummer über des Böse, was wir getan haben, wie Furcht vor dem, was uns daraus erwachsen kann.“

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Aus „Nachschlag“ am Mittwoch mit ARD-Kabarettist Scheibner: „Was die in Rio beschließen, ist das Papier nicht wert, worauf es gedruckt ist. Und da sagt eben der Bush: Leider müssen wir auch in Zukunft die Führungsmacht sein im Ausstoß von CO2. Artenschutz machen wir nicht mit, weil unsere Profite wichtiger sind. Wann hat es jemals so viel Aufrichtigkeit gegeben! Da kann sich unser Töpfer doch wirklich ein Beispiel nehmen. Labert da immer ‚rum, statt aufrichtig und ehrlich zuzugeben: ‚Als Umweltminister der Industrie-Interessenvertreter muss ich euch sagen, im Grunde ist uns die Erde scheißegal.‘“

„Jeden Morgen vor dem Spiegel sagt unser Kanzler zu sich: ‚Die Geschichte soll von mir sagen, die deutsche Einheit und das vereinigte Europa – alles Kohl.‘“

Kappes.

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In der ZDF-Talkshow "Live" am Donnerstag sagte Moderatorin Heidenreich: "Wir hatten Helmut Schmidt hier in der Runde, der hat wieder mal sein altes Wort von den Vaterlandsverrätern, so ähnlich, gebracht, dass die Linken ihr Vaterland nicht lieben. Kann man denn ein Land überhaupt lieben? Man muss ihm doch kritisch gegenüberstehen! Immer wieder wird uns vorgeworfen, wir lieben dieses Land nicht genug, weil wir es kritisieren, weil wir ihm kritisch gegenüberstehen. Ich denke, es sähe noch schlechter aus, wenn wir das nicht täten."

Goethe: "Wer uns am strengsten kritisiert? Ein Dilettant, der resigniert.“

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Am Freitag befasste sich die NDR-Satiresendung "Extra drei" mit dem VW-Werk im umkämpften Sarajevo. Auszüge:

Zu Bildern einer weinenden Mutter mit kleinen Kindern: „Diese Frau hat alles verloren - erst den ‚Passat', dann den Zweitwagen, einen VW-Käfer - es ist furchtbar."    

Zu Bildern aus einer Notentbindungsstation: ",Ich bin überglücklich'; sagt diese Frau, ,mein Kind ist zwar tot, aber der ,Scirocco' in Sicherheit.‘"

Da ist man sprachlos.

Anmerkungen

1992 kam heraus, dass Oskar Lafontaines Pensionsansprüche aus seiner Zeit als Oberbürgermeister Saarbrückens nicht ordnungsgemäß mit seinen Bezügen als Ministerpräsident verrechnet waren und er zu viel Geld erhalten hatte. Der Vorgang machte bundesweit als „Pensionsaffäre“ Schlagzeilen. Nachdem ein Gutachten den Sachverhalt nachwies, zahlte Lafontaine rund 230.000 DM zurück.

Hans Scheibner ist ein Hamburger Satiriker, Liedermacher und Kabarettist.

Die Autorin Elke Heidenreich moderierte 1984-1987 die SFB-Talkshow „Leute“ und nach 1990 mit Vize-Intendant Rudolf Radke die ZDF-Gesprächsrunde „live“. Seit 2003 führte sie durch die ZDF-Sendung „Lesen!“ Im Oktober 2008 forderte sie in geradezu grotesker Selbstüberschätzung ihre Kündigung heraus, die prompt erfolgte.  

 

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