Jugendproteste gegen die Mauer, Beschwichtigungen in der ARD

Mittwoch, 14. Juni 2017

In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 14. Juni 1987.

Im "Aktuellen Sportstudio" am Samstag vergangener Woche sagte Moderator Heller

zu dem chinesischen Hochspringer Zhu Jianhua nach Szenen eines geglückten Rekordversuchs: "Wenn er alle Chinesen umarmen will, hat er ganz schön lange zu tun."

Zu den Münchner Fußballspielern Matthäus und Kögl: "Ich bleibe mal hier stehen - normalerweise würde ich als Gastgeber per Handschlag guten Abend sagen, aber sonst bringe ich die Regie durcheinander, denn Sie sind zehn Sekunden zu spät gekommen!" Als Studiogäste klatschten: "Also das war doch ein nachhaltiger Applaus, ich habe mal hineingehört eben ... "

Ein Sonderbeifall für Heller.

*

In der ARD-Sendung "Pleiten, Pech & Pannen" am Montag zeigte Moderator Schautzer Bilder von Dreharbeiten zu einem TV-Sketch mit der Schauspielerin Volkmann, bei denen ein Revolver aus der Requisite gestreikt hatte. Schautzer: „Ist ja grässlich, wenn das Schießgerät nicht funktioniert. Übrigens diese Geräte sollte man grundsätzlich so konstruieren." Volkmann: „Dann gäb's auf den Kampffeldern vielleicht Lachen statt Leichen.“

Lacht da jemand?

*

In einem "Tagesthemen"-Interview der ARD zu den Protesten junger Ostberliner gegen die Mauer sagte der ehemalige Ständige Vertreter der Bundesrepublik in der DDR" Günter Gaus am Mittwoch: "Es ist, glaube ich, nötig, gerade an einem solchen Abend die analytische Vernunft zu behalten. Was eine Zeiterscheinung ist in allen Systemen, ist, dass junge Leute sehr schnell, wenn sie sich bedrängt fühlen von der Polizei, in allen Systemen unabhängig vom System, sehr schnell auch wissen, welche Ausdrücke sie in Sprechchören verwenden müssen um die jeweilige Polizei und die dahinterstehende Ordnungsmacht zu provozieren. Auch bei uns gibt es dann und wann und immer häufiger Polizeieinsätze, wo man sich hinterher fragt, warum ist die Polizei überhaupt gekommen, warum hat sie sich so verhalten?"

Analytische Vernunft!

*

Aus der ARD-Sendung "Showbühne" am Mittwoch:

Showmaster Biolek zu einer Amateursängerin: "Was studierst Du denn?“ - Sängerin: "Bio." - Biolek: „Hach, das habe ich gar nicht gemerkt.“

Biolek zu einem Amateursänger: "Du bist BWA - Bundeswehrangestellter. Naja, A steht für vieles..."

Biolek zu einem jungen Komponisten: "Du hast also das Arrangement gemacht?" - Komponist: "Ja. Das ist ein Folklorestück. Wir haben ein etwas freies Zwischenstück..." - Biolek: "Ist das was Jugendgefährdendes?"

Biolek zu einem Nachwuchskünstler: "Er singt zwar gut, aber seine Hauptqualität liegt unten in den Hüften."

Mensch Biolek!

Anmerkungen

Der Sportjournalist Bernd Heller begann als Reporter und Moderator beim SWF und beim HR. 1977 wechselte er zum ZDF. Dort moderierte er 1980-1993 das „Aktuelle Sportstudio“.  Danach moderierte er für n-tv. Er arbeitet heute als freier Filmautor und Vortragsredner, zum Beispiel über Börsen- und Finanzthemen, und führt Medientrainings für Manager durch.

Der Österreicher Max Schautzer moderierte für die ARD 1978-82 „Allein gegen alle“ (1978–1982) und seit 1986 „Pleiten, Pech und Pannen“. Seit 2004 arbeitet er vor allem als Schauspieler. 

Günter Gaus (1929-2004) wurde 1969 „Spiegel“-Chefredakteur, 1973 Staatssekretär im Bundeskanzleramt, 1974-1981 Ständiger Vertreter der Bundesrepublik in Ost-Berlin und 1976 SPD-Mitglied. Als Journalist und Politiker versuchte er unermüdlich, die Unterschiede zwischen dem Stasi-Staat und der Bundesrepublik zu relativieren. Auch nach der Wende, der Wiedervereinigung und der Aufarbeitung der Stasi-Akten konnte er sich zumindest öffentlich nicht zu der Einsicht durchringen, dass die „DDR“ ein Unrechtsstaat war, sondern blieb seiner Linie der Gleichmacherei und Beschönigung treu.

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt