Geißler: Beschneidung ist eine Schweinerei!

Donnerstag, 15. Juni 2017

Maischberger: „Spaltet Religion die Welt?“ ARD, Mittwoch, 14.Juni 2017, 22.45 Uhr.

Der CDU-Politiker Heiner Geißler hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch die Beschneidung von Kindern und Jugendlichen scharf kritisiert.

„Das ist ein Gesetz, das ausschließlich mit Rücksicht auf die jüdische Bevölkerung gemacht worden ist“, erklärte er. „Und für die muslimische“, ergänzte die deutsch-indische Journalistin Khola Maryam Hübsch, die wie immer mit Kopftuch auftrat. „Und für die muslimische“, wiederholte Geißler und setzte noch einen drauf: „Die im Übrigen auch den Mädchen die Klitoris abschneiden!“

In die allgemeine Aufregung sagte Geißler weiter: „Das ist unglaublich! Das ist eine solche unglaubliche Schweinerei! Die Beschneidung ist eine schwere Körperverletzung!“

Die Frage, ob er damit nur die Beschneidung kleiner Mädchen oder auch die von Jungen meine, ließ Geißler offen. Ex-Bischöfin Margot Käßmann beschränkte sich vorsorglich auf „die Genitalverstümmelung“, denn dieser Begriff meint weibliche Opfer. Angst, dass sonst ein jüdisch-muslimischer Shitstorm droht?

Das Thema schien dann aber doch zu komplex für zehn Minuten vor Mitternacht. Zuvor hatten sich die Gäste wie erwartet vor allem am Christentum abgearbeitet. Der katholische Publizist Martin Lohmann verteidigte die Kreuzzüge als militärische Hilfe für bedrängte Glaubensbrüder im Orient. Der Autor und Atheist Philipp Möller („Ohne Religion wäre die Welt besser dran!“ wollte protestieren, kam aber nicht zu Wort. Gut so! Die größten Massenmörder und Menschenopferer der Geschichte waren eben keine Glaubenskrieger, sondern Atheisten und Gottlose der Kategorie Hitler, Stalin, Mao oder Pol Pot.

Geißler, der dem „StarWars“-Weisen Yoda immer ähnlicher wird, hatte sich bald in Rage geredet: „22 Millionen Menschen verhungern im Sudan, und in Nigeria. Zur selben Zeit haben die Kirchen gesungen: Großer Gott, wir loben dich!“ sagte er und grub ein Argument aus den Tiefen der Erde: „Wer ist verantwortlich für die tektonische Plattenverschiebung, durch die der Tsunami entsteht? Irgendjemand, der eine Sünde begangen hat?“ Es sei eine Unverschämtheit, dass die Kirche für alles Unheil immer die Menschen verantwortlich mache.

Dem einstigen Jesuitenschüler ging es auch um die klassische Frage, wie Gott das viele Leid in der Welt zulassen könne. „Sogar der Geschlechtsverkehr ist mit Sünde behaftet“, zürnte er und bekannte: „Ich habe den Glauben total verloren an den Gott, den uns die Theologie präsentiert!“

Die Psychologin Angelika Kallwass, wie Möller als Atheistin eingeladen, forderte, dass sich „die Muslime“ deutlicher von den Terroristen distanzieren sollten. „Was glauben Sie denn, was wir seit dem 11. September Tag und Nacht machen? „ ereiferte sich die Muslima  daraufhin. „Egal, wo ich bin, privat oder öffentlich, immer muss ich den Islam erklären. Was habe ich mit diesen verrückten, durchgeknallten Vollidioten zu tun?“

„Ich rede von Friedensmärschen!“ konterte die Demo-erprobte Psychologin. Doch auch dieses Zauberwort wirkte nicht: „In jeder Talkshow dieser Vorwurf! Das ist so öde!“ rief Hübsch. Atheist Möller fühlte sich prompt auf den Schlips getreten: „Das als öde zu bezeichnen, ist echt herablassend! Erbärmlich!“

Danach ging es immer weiter vom Thema weg zu typisch deutschen Streitpunkten wie Kirchensteuer, Staatszuschüsse an christliche Sozialverbände oder das Arbeitsrecht in konfessionellen Einrichtungen. Die Welt musste nun leider draußen bleiben, nur Ex-Bischöfin Käßmann kriegt im Mief der allgemeinen Missgunst noch ein Fenster auf und verwies auf kirchlich finanzierte Wohltaten etwa in Afrika.

Wichtigster Satz der Diskussion:  „Der Leidende, aus religiöser Perspektive, erfährt Erlösung in Jenseits“, sagte Hübsch. „Aus nicht religiöser Perspektive leidet er umsonst.“ Dem Atheisten fiel darauf nur verächtliches Schnauben, aber kein Gegenargument ein.

 

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