Als Demonstranten nach Hamburg noch zum Relaxen kamen

Mittwoch, 12. Juli 2017

Kabarett-Witze aus Moskau, In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 12. Juli 1987.

In der letzten Ausgabe des ARD-Jugendmagazins "Kaputschino" am Sonntag befragte Moderator Parbs einen Demonstranten, den er bereits 1985 einmal eingeladen hatte. Auszug:

Parbs: "Bist du in das Privatleben zurückgekehrt?"

Demonstrant: "Nein, ich bin überwiegend immer noch in  Mutlangen tätig oder auch in anderen Camps in Europa. Ich war ein halbes Jahr in Holland. Ich war in England, in Belgien und habe mir jetzt in Hamburg eine Wohnung zugelegt, um ab und zu zu relaxen."

Parbs: „Irgendwann wird doch mal der Punkt kommen, wo man sich sagt, na ja, jetzt müßte man mal an die Altersversorgung denken. Eine Zahnbehandlung. das kostet auch Geld."

Demonstrant: "Ich habe keine Angst davor. Ich denke, ich kann dann auf Freunde aus der Friedensbewegung zurückgreifen und sie werden mir helfen!"

Die internationale Solidarität…

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Diesen Montag zeigte die ARD Ausschnitte aus dem Programm des Moskauer Kabarettisten Michail Schwanetzki. Kostproben:

„Zuerst kriegt der Computer Daten, die man vorher ein wenig manipuliert. Dann wird gespeichert, dabei ein bißchen  verschönert. Und das Ergebnis wird vor der Veröffentlichung wieder manipuliert. Wozu darin überhaupt Computer?"

„Leider haben wir unsere neue Freiheit nicht erkämpft, sondern sie wurde uns gegeben. Und wie man sie uns gegeben hat, kann man sie uns wieder wegnehmen.“

„Wir haben heute im Land was zu lesen, was zu hören, was zu sehen - bloß zu fressen und anzuziehen haben wir noch nichts."

„Mein Gott, das ist ein seltsamer Zustand: ein Friedenskämpfer im Inland. Weshalb brüllt man uns an: Kämpft für den Frieden?' Wer von uns will denn Krieg anfangen? Ich nicht. Nicht einmal gegen Amerika, das wir alle so hassen - wegen des hohen Lohnniveaus ... "

Sage niemand, in der ARD gebe es keine guten Pointen!

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Am Donnerstag lieferte die ARD in der Sendung „Musikantenstadl" dann wieder ein paar Proben deutschen Humors. Aus einem Sketch des Showmasters Kurt Moik mit dem Komiker „Hias":

Moik: „Was hast du denn?" - Hias: „Gelacht!" - Moik: „Ich hab' gedacht, du hast Asthma."

Hias: „Ißt der Moik am Abend ein Zwiebelbrot, dann sind um Morgen die ganzen Fliegen tot."

Moik zum Schluß: "Im August, da gibt‘s ihn dann wieder, den ‚Sound of Music‘ aus dem Musikantenstadl!" - Hias erscheint mit einer Schubkarre, kippt Sand aus. Moik: „Bist du verrückt, was soll denn der Sand hier?" - Hias: „Du hast doch gesagt ‘Sound of Music’!"

Back to normal.

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In den "Tagesthemen" vom Donnerstag sagte der ARD-Korrespondent in Amerika Pleitgen über den in die Iran-Contra-Affäre verstrickten US-Oberstleutnant North: „Ein Kämpfer, ein hochdekorierter Draufgänger im Krieg - Rollen, die Ronald Reagan nur im Kino spielen konnte.“

Auch von Pleitgen immer nur das Übliche.

Anmerkungen

Karl Moik (1938-2015) moderierte ab 1981 im österreichischen Fernsehen und ab 1983 auch im deutschen Fernsehen bis 2005 den „Musikantenstadl“. 1981- 1991 trat darin der österreichische Sänger, Humorist und Ziehharmonikaspieler Erich Mathias Mayer (1950-2007 als der „lustige Hias“ auf.

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

 

 

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