Das ZDF und die „verblödeten Haschischraucher“

Mittwoch, 12. Juli 2017

Als ARD-Pleitgen den „Westen“ in die Sowjetunion schicken wollte, ARD-Witze über Eierkocher und verbrannte Genitalien: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 25 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 12. Juli 1992.

Aus der ARD-Humorsendung "Comedy Club“ am Dienstag:

Ehefrau: "Herr Wachtmeister, mein Mann wollte vor zwei Tagen nur eine Büchse Erbsen holen und ist seither verschwunden. Was soll ich denn nur tun?" Polizist: "Nehmen Sie doch Bohnen!"

Polizist: "Sind Sie wahnsinnig geworden? Sie sind eben mit 90 durch eine geschlossene Ortschaft gebraust!" Autofahrerin. "Nee, nee - das ist der Hut, der mich so alt macht."

Nicht nur sie.

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In den "Tagesthemen" vom Dienstag sagte ARD-Kommentator Fritz Pleitgen: "Von Hilfe zur Selbsthilfe wird fortwährend gesülzt, als ließe sich die explosive Altlast Sowjetunion mit solchen Parolen sanieren. Statt auf Zeit zu spielen, müssen konkrete Operationen endlich entwickelt werden! Warum geht der Westen da nicht rein mit seinem Knowhow? Er bräuchte nur dafür zu sorgen, dass das, was auf den Feldern wächst, auch dorthin kommt, wohin es gehört. Bislang vergammelt die Hälfte oder geht auf dem Transport verloren... "

Wer ist dieser Westen, der da reingehen soll?

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In der "Tagesschau" vom Mittwoch sagte ARD-Reporterin Lidschreiber über die Unruhen in New York: "Frieden wird es nicht geben, solange es keine Gerechtigkeit gibt, sagen die aufgebrachten Bewohner hier in der Stadt. Die Teenager in Washington Heights, meist arbeitslos, verdienen sich mit einem bisschen Kokainhandel ein zusätzliches Einkommen, und die Polizei versucht ihren Kampf dagegen."

Ein bisschen Irrsinn.

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In der ZDF-Talkshow "Doppelpunkt" am Mittwoch sagten zum Thema "Drogen-Freigabe"

ein Student: "Ich habe Angst um jeden Jugendlichen, der heute Haschisch raucht. Denn er hat keine Möglichkeit, über den Umgang mit Haschisch zu lernen, weil eben die Sache verboten wird."

Ein Drogenberater: "Ich habe Haschisch angetestet. Es ist einfach erstmal ein geiles Gefühl. Ich habe damals, als es mir beruflich und privat nicht so gut ging, gemerkt, dass ich damit ein Stück weit Entspannung oder Ausweg gefunden habe. Ich habe im Nachhinein sogar das Gefühl, dass es gut war."

Ein Zuschauer: "Ein Staat, der zum Beispiel Selbstmord nicht unter Strafe stellt, mit welchem Recht geht der her und will Leute hindern, sich selbst Schaden zuzufügen?"

Ein Arzt: "Wir sprechen von Schäden immer nur, wenn körperliche Schäden da sind. Haschisch greift teilweise in den Hirnstoffwechsel ein. Was ich sehe, ist einfach eine Reihe verblödeter Haschischraucher."

Was in dieser Sendung auch zu hören war.

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Am Donnerstag zeigte die ARD die erste von vier neuen Folgen ihrer Humor-Reihe "Bastarde". Kostproben:

In einer Sprachenschule müssen ausländische Ganoven den Satz sagen: "Wenn du die Mäuse nicht rausrückst, trete ich dir in die Eier." Nach sechsmaliger Wiederholung fügt einer der "Ausländer" hinzu: "Lügen haben kurze Eier!"

Ein "Kriminalbeamter" schildert als "Mord der Woche": "Die Kripo hat in der Wupper die männliche Leiche eines aus Thüringen zugezogenen Mannes entdeckt, der starke Verbrennungen im Genitalbereich erlitten hatte. Im Zuge der Ermittlungen wurde ermittelt, dass der Mann zeitlebens unter Hodenfrost gelitten hatte und die Gattin ihm aus niederen Motiven einen hochmodernen Eierkocher westdeutscher Fertigung als praktischen Genitalwärmer angepriesen hatte. Das Gerät verursachte bei Inbetriebnahme jedoch derartige Verbrennungen, dass der Mann statt der erhofften Linderung im Schritt nur den qualvollen Tod erlitt und in die Wupper geworfen werden musste. Die Kripo warnt noch einmal vor der unsachgemäßen Inbetriebnahme fremdartiger Haushaltsgeräte. Sollte es doch einmal zu einem tödlichen Zwischenfall kommen, bitte sofort Das Gemächte vom Netzstecker trennen."   

Kommentar überflüssig.

Anmerkungen

SPD-Mitglied Fritz Pleitgen war 1970-1977 ARD-Auslandskorrespondent in Moskau. 1977 ging er nach Ostberlin, nachdem ARD-Korrespondent Lothar Loewe wegen seiner unverblümt kritischen Berichterstattung am SED-Regime des Landes verwiesen worden war. Bei Pleitgen hatte die ARD Ähnliches nicht zu befürchten, er blieb fünf Jahre auf diesem Posten. 1982 wechselte Pleitgen nach Washington, wo er ganz im Sinne seiner Partei die Politik US-Präsident Ronald Reagans scharf kritisierte. 1987 kehrte er zum WDR nach Köln zurück. 1988 wurde er Chefredakteur des WDR-Fernsehprogrammbereichs „Politik und Zeitgeschehen“. Besonders seine ARD-Kommentare gefielen den Genossen, und 1995 wurde er zum WDR-Intendanten gewählt. Später entzweite er sich mit seiner Partei und näherte sich den Positionen der CDU an, was ihn prompt die Wiederwahl kostete. Seitdem ist er wieder stramm auf Parteilinie.

Die ARD-Journalistin Petra Lidschreiber begann 1979 in der WDR-Wirtschaftsredaktion. 1992 wurde sie ARD-Korrespondentin in New York, 1997 Chefredakteurin Fernsehen beim SFB. Seit 2006 leitet sie die RBB-Redaktion Mittel- und Osteuropa.

 

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