Als New Yorks Polizei null Toleranz beschloss

Donnerstag, 13. Juli 2017

Amerika auf dem Mars, die SPD-Bundesratsmehrheit blockiert Reformpläne der Regierung: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 13. Juli 1997.

Am Sonntag meldete "Spiegel TV" (RTL) aus New York: Ständige Polizei-Präsenz auf den Straßen und hartes Durchgreifen auch bei Mini-Delikten dämmt den Drogenhandel ein. Wiederholungstaten bleiben aus, seit jeder Straffällige sofort ins Gefängnis geschickt wird. Sozialhilfeempfänger werden zu Arbeiten in den Parks herangezogen, beschmierte U-Bahnwaggons sofort gereinigt, kriminelle Schwarzfahrer verhaftet. Polizeichef Safirs Rat an deutsche Kollegen: "Was sie vor allem tun müssen, ist, das Prinzip 'null Toleranz' in der Verbrechensbekämpfung anzuwenden."

Bürgermeister Ciuliani: "So wie die Polizei in New York organisiert ist, könnte es auch jede andere Stadt machen."

Danach Moderator Aust: "Mancher politisch korrekte, liberale und tolerante Bürger beginnt auch hierzulande nach einer Polizei zu verlangen, die in der Nachbarschaft für Ordnung und Sauberkeit sorgt, statt durch die Windschutzscheibe des Streifenwagens zu beobachten, wie Dealer im Park und auf dem Spielplatz ihren Geschäften nachgehen."

Etwas Gutes zu lernen, ist es nie zu spät (deutsches Sprichwort).

*

In Frontal am Dienstag sagten

ZDF-Moderator Hauser: „Amerikaner auf dem Mars gelandet. Ein Fortschritt, den die SPD nicht verhindern konnte."

Co-Moderator Kienzle (SPD): "Der Mars ist und bleibt rot."

Hauser: "Rot und tot. Das Rot ist alles nur Rost."

Kienzle: "Die Bilder vom Mars sehen aus wie Ostdeutschland nach sieben Jahren Kohl. Soweit das Auge reicht, nur blühende Landschaften...

Blühender Flachsinn.

*

In den ARD-"Tagesthemen" am Mittwoch sprach ARD-Moderatorin Christiansen mit ihrem Kollegen Krause über die seit Wochen von der SPD-Bundesratsmehrheit blockierten Reformpläne der Regierung. Kostprobe:

Christiansen: "Heute abend nun sitzen die Spitzen der Koalition zusammen, um über beide Haushalte zu beraten... Gibt's denn aus dieser spätabendlichen Runde irgendetwas Berichtenswertes?"

Krause: "Na, besonders Berichtenswertes gibt es noch nicht... morgen tagt der Vermittlungsausschuß, und da muss sich jemand bewegen ... Hier in der Koalition muss man überlegen, ob man wirklich das Spiel Alles oder nichts weitergehen will ... Tja, und wenn es bei dieser gegenseitigen Blockade bleibt..."

Laurence Sterne (1713-1768): "Die Werbung besteht aus einer Anzahl stiller Aufmerksamkeiten, die weder so stark hervortreten, dass sie alarmieren, noch so vage sind, dass sie nicht verstanden werden könnten."

*

Am Mittwoch berichtete "Kennzeichen D" über die Finanzpolitik in einer speziellen Dramaturgie:

1. Titel des Beitrags: "Saldo mortale."

2. ZDF-Moderator Buhl: "Schönrechnen."

3. ZDF-Reporter Jüngst zu Bildern essender CSU-Politiker: "Was kümmert's die Partei von Tradition und Moderne... in München bleibt's vorerst recht gelassen..."

4. Abschließend kamen zu Wort: NRW-Finanzminister Schleußer (SPD), Hamburgs Bürgermeister Voscherau (SPD) und der SPD- Vorsitzende Lafontaine.

Kennzeichen D wie Demagogie.

*

In „Tagesthemen" am Donnerstag sprach ARD-Moderatorin Christiansen mit dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Walther, über den Euro. Auszug:

Walther: "Die Währung wird natürlich im Vergleich zu einem starken Dollar schwach erscheinen. Die Amerikaner haben ihre Hausaufgaben wirtschaftspolitisch gemacht. Sie haben eine gute 'Wirtschaft, die in Schwung ist. Sie haben nicht ein Industriemuseum wie wir und aus diesem Grunde wird der Dollar stark sein."

Christiansen: "Das ist natürlich ein hartes Wort: Industriemuseum."

Hart, aber gerecht.

Anmerkungen

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Olaf Buhl moderierte die ZDF-Politmagazine „Studio 1“ und (1995-2001) „Kennzeichen D“. Heute ist er ZDF-Chefreporter.

Sabine Christiansen moderierte 1987-1997 die ARD-„Tagesthemen“ und 1998-2007 eine nach ihr benannte ARD-Talkshow.

Dieser Artikel ist in folgenden Kategorien


Schreiben Sie einen Kommentar


:


:


:


:


*:
Bitte achten Sie auf weitere Anweisungen im nächsten Schritt