SPD-Politiker verhöhnt verletzten HSV-Spieler

Montag, 21. August 2017

Anne Will: „Merkel oder Merkel - Hat Deutschland nur diese Wahl?“ ARD, Sonntag, 20.August 2017, 21.45 Uhr.

Der SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Oppermann hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag einen verletzten HSV-Spieler verhöhnt, um den politischen Gegner zu attackieren.

In der Sendung zum Thema „Merkel oder Merkel - Hat Deutschland nur diese Wahl?“ hatte FDP-Chef Christian Lindner gespottet, für den SPD-Kandidaten Martin Schulz sei das Rennen wohl bereits gelaufen. Oppermann wollte diese Bemerkung mit einem Witz auf Kosten des HSV-Stürmer Nicolai Müller kontern, der sich bei einem Freudenausbruch nach einem Tor einen Kreuzbandriss zuzog, und sagte:  „Wenn man zu früh und zu lange jubelt, kann man für den Rest der Saison leicht ausfallen!“

Doch die Attacke missriet zum Eigentor, denn der Unionsfraktionsvorsitzender Volker Kauder sagte trocken: „Der HSV hat jetzt erst mal gewonnen!“ 

Nach Ende der Sommerpause zieht auch die TV-Talk-Truppe in den Meinungskampf. Oppermann zeigte sich trotz des misslungenen Auftakts weiter angriffslustig: „Die Große Koalition darf keine Dauereinrichtung werden“, fordert er, denn: „Die Kanzlerin hat keinen Plan für die Zukunft!“

Auch Linder wurde kühn: „Die FDP möchte auf keinen Fall Leihstimmen!“ behauptet er. Kauder dagegen warnte: „Entschieden ist noch gar nichts. Ich kann nur jedem raten, nicht übermütig zu werden!“

Ist der Wahlkampf wirklich schon gelaufen? Die AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel fuhr schwerstes Geschütz auf und schimpfte über eine angeblich „rechtswidrige Politik“ der Bundesregierung in der Flüchtlingskrise. Ein zaghaftes Klatschen belohnte sie, doch Will bremste den Beifall gleich aus: „Das sind die Kollegen von Frau Wedel, die sie mitgebracht hat!“

Daraufhin versuchte es Weidel mit einem beliebten AfD-Trick: Auch bei der Eurorettung sei die Politik der Bundesregierung „meines Erachtens rechtswidrig“, denn „auch das Bundesverfassungsgericht hat sich dort sehr oft beschäftigt...“

Die AfD-Frau wollte damit nur eben mal die Begriffe „Bundesregierung“, „rechtswidrig“ und „Verfassungsgericht“ in einem Satz unterbringen. Dabei guckte sie harmlos wie die Schmollewitzer Heidelerchen.

Kauder ließ das aber natürlich nicht durchgehen: „Sie machen immer solche Formulierungen, die nicht stimmen!“ stellte er mit leichter Gesichtsröte fest. „Das Bundesverfassungsgericht hat ausdrücklich gesagt, dass es eben nicht rechtswidrig war!“

Die AfD-Politikerin ließ trotzdem nicht locker: „Die AfD wird als erste Amtshandlung einen Untersuchungsausschuss Angela Merkel durchsetzen!“ drohte sie geräuschvoll. Lindner wollte bei dieser Gelegenheit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sagte zu ihr: „Sie sind genauso besserwisserisch wie die Grünen!“

Oppermann, der sich immer brav meldete, wurde endlich aufgerufen und durfte fünf Forderungen zum Flüchtlingsthema aufsagen: Fluchtursachen bekämpfen, Außengrenzen sichern und Schlepper ausschalten, legale Fluchtmöglichkeiten organisieren, schnell integrieren bzw. abschieben und ein Einwanderungsgesetz. Nichts neues, aber immerhin wenigstens mal etwa Inhaltliches.

Der Talkmasterin wurde die Debatte allerdings bald zu kompliziert: „Ich will mich nicht in Details verlieren!“ Oppermann, der immer so aussieht, als müsse er sich anstrengen, ernst zu bleiben, warf der Union mal wieder Knauserigkeit in der Bildungspolitik vor. Da wurde Kauder persönlich: „Lieber Thomas, das ist nicht fair!“ beschwerte er sich und erinnert an das gemeinsame schwarz-rote Investitionsprogramm für Schulen von 7,5 Milliarden Euro: „Dort, wie Rot-Grün regiert, ist der Zustand der Schulen am schlechtesten!“

„Frau Merkel hat die größte Mühe gehabt, überhaupt zu erklären, warum sie noch mal antritt“, stichelte Oppermann weiter. „Quatsch!“ knurrte Kauder. Lindner assistierte: „Das sind Sprüche!“

Sogar Helmut Kohl sollte als Beispiel dafür herhalten, dass Merkel in der Griechen-Krise versage: „Kohl hätte beherzt zugepackt!“ sagte Oppermann und kriegte auch die Kurve zu seinem Kandidaten: „Das würde der Europäer Martin Schulz mit Sicherheit besser machen!“

Dem CDU-Fraktionschef schoss nun fast das Laktat ein: „Die SPD hat sich nicht davon verabschiedet, dass eine Vergemeinschaftung der Schulden in Europa stattfinden soll!“ erklärte er mit energischem Fausteinsatz. „Es ist kein Wunder, dass ihr bei 24 Prozent seid!“

Lindner machte noch einen dicken Beifall-Punkt, weil er Entschädigungen für alle Dieselautobesitzer forderte: „Warum ist das in den USA möglich, warum in Deutschland nicht? Das muss geleistet werden, und zwar nicht auf Kosten der Steuerzahler!“

Und: „Vielleicht wäre es eine Konsequenz, dass nicht mehr Politiker in die Aufsichtsräte (der Autofirmen) gehen, sondern Leute, die was davon verstehen!“

Kauder wurde das Treiben zu bunt: „Ich rate dringend, dass wir unsere Automobilindustrie jetzt nicht kaputtreden“, sagte er. „Da sind Fehler geschehen. Aber jetzt so zu tun, als ob die Automobilindustrie mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muss, ist nicht mein Thema!“

Hochgeschwindigkeitsdebatte durch alle Wahlkampfthemen, jeder gegen jeden, alle wollten ihre neuen Ideen abferkeln, aber leider auch wieder viel Vergangenheitsdeutung und postsituatives Klugscheißertum. Immerhin: Das war ein Talk nach dem Motto „Karten auf den Tisch!“

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