Anne Will: Streit um angebliche CDU-Strategie mit Hilfe der AfD

Montag, 9. Oktober 2017

„Anne Will: „Zwischen Mitte und rechter Flanke - Wohin steuert Merkel Deutschland?“ Sonntag, 8.Oktober 2017, 21.45 Uhr.

Der Journalist Robin Alexander („Die Welt“) hat in der ARD-Talkshow „Anne Will“ am Sonntag gegen die CDU den Vorwurf erhoben, sie habe eine starke AfD bewusst in Kauf genommen, um eine rot-rot-grüne Bundestagsmehrheit auch in Zukunft auszuschließen.

„Da gab es im April (2016) eine Strategiesitzung im Konrad-Adenauer-Haus, mit dem Referat eines Demoskopen, Matthias Jung“, berichtete der Journalist, „und der hatte die These: Die AfD als Chance für die Union“.

„Als Chance?“ staunte Will. Alexander: „Ja, denn sie verschafft dem Mitte-Kurts Glaubwürdigkeit und zerstört die rot-rot-grüne Mehrheit.“

Der Linke-Politiker Gregor Gysi verzog zunächst keine Miene, die Familienministerin Katarina Barkley aber nickte sofort. Die saarländische Ministerpräsident Annegret Karrenbauer (CDU) dementierte heftig: „Im Gegensatz zu Ihnen war ich damals dabei“, widersprach sie dem Journalisten, „und es ist nie gesagt worden, wir sähen die AfD als Chance, weil sie ein rot-rot-grüne Mehrheit kaputtmacht!“

Dann war die Info auch bei Gysi angekommen. „Das wäre auch ein ziemlicher Skandal!“ tönte er etwas verspätet. Kramp-Karrenbauer schlug eine ganz andere Strategie gegen die Rechtsaußen vor: „Die AfD hält man am besten klein, indem man eine entsprechende reale Politik macht!“

Richtig ist: Das Papier mit dem Titel "Die AfD als Chance für die Union" enthielt nicht etwa eine von Unionspolitikern ausgearbeitete Strategie, sondern wurde von dem Demoskopen nur zu Information über die Herkunft der AfD-Wähler vorgelegt. Jung, Vorstand der Forschungsgruppe Wahlen, arbeitet anderem für das ZDF ("Politbarometer").

Zuvor hatte Barley den Scheidungskrieg der GroKo mit der Bemerkung angefeuert: „Angela Merkel ist mit dem, was sie vor der Wahl gesagt hat, immer sehr flexibel, ziemlich biegsam!“ Gysi setzte sofort nach und spottete über die Verhandlungen zwischen CDU und CSU über die Obergrenze: „Zickenkrieg“!

„Mit Zickenkrieg kennt sich die Linke ja aus!“ konterte Kramp-Karrenbauer und spielte auf die Blutgrätschen zwischen Katja Kipping und Sahra Wagenknecht an. Dann ging sie einen Schritt auf die CSU zu: „Wir haben das Recht, zu definieren, wen wir gern in unserem Land haben wollen“, sagte sie über die Zuwanderung, für die Alexander Dobrindt am Donnerstag bei Maybrit Illner ein „Fachkräftezuwanderungsgesetz“ angekündigt hatte.

Zwischendurch fragte die Talkmasterin immer wieder nach dem Spielstand – nicht zwischen Deutschland und Aserbeidschan, sondern zwischen CDU und CSU im Duell um die Obergrenze. Dabei fühlte Will Kramp-Karrenbauer und dem früheren Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) mehrfach auf den Zahn, aber die beiden behaupteten standhaft, sie würden keine Zwischenstände von den gleichzeitigen Verhandlungen der Unionsparteien kennen. „Wirklich nicht? Keine SMS?“ fragte die Talkmasterin. Friedrich: „Ich musste mein Handy abgeben!“

„Die Union kann immer dann regieren, wenn sie die Sozialdemokratie kleinkriegt“, klagte Barley. Kramp-Karrenbauer steckte gleich wieder einen Konter durch: „Wenn sich jeder, der bei der Wahl verloren hat, in die Opposition zurückzieht, frage ich mich, wer jetzt regieren soll!“

Gysi wollte lieber über Konzerne und soziale Weltprobleme reden: „Es rollt eine neue Zeit auf uns zu!“ warnte er. Das war zwar platt wie Watt, aber seine Anhänger im Publikum klatschten trotzdem wie bezahlt: „Neue Zeit“, da war doch mal was!

Barley sammelte indessen Mitleidspunkte: „Ich bin gerne Familienministerin“, sagt sie. „Es ist keine Freude für mich, das Amt aufzugeben. Ich würde viel lieber gestalten.“ Der schwere Gang in die Opposition als Opfer auf dem Altar der Demokratie…

Gysi tickt da ganz anders: „Man sollte die Rolle der Opposition nicht unterschützen“, sagte er. „Was uns da alles gelungen ist, an Veränderungen des Zeitgeistes zu erreichen…“

„Die CDU hat aber geschrieben, der Zeitgeister sei jetzt konservativ“, bremste ihn Will aus. „Dann ist Ihnen nix gelungen, Herr Gysi.“ Da fiel dem Linke-Star wieder nur Geschwurbel ein: „Also der Zeitgeist ist sehr gemischt und sehr unterschiedlich…“

Ein ARD-Einspieler zum Thema „Modernisierung“ zeigte wenig überraschend: bei der AfD sind mehr „Skeptiker“, bei den anderen mehr „Befürworter“. „Unser Wohlstand basiert auf Modernisierung!“ sagte Kramp-Karenbauer dazu. Alexander wunderte sich: „Wir sind doch gar kein so modernes Land. Wir haben kein modernes Internet!“ Und Gysi machte lieber wieder Kabarett: Die GroKo habe „so ein sexuell erotisch verliebtes Verhältnis zur Schwarzen Null.“

 

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