Wie die ARD vor 30 Jahren Angst in junge Herzen säte

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Umwelt, Ozonschicht, Atomkraft: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 11. Oktober 1987.

Aus der ARD-Jugendsendung "Al dente" am Sonntag:

Junge Mutter: "Ich habe Angst vor der Atomkraft und ihren Auswirkungen."

Schüler: "Ich habe Angst, irgendwann für mich selbst sorgen zu müssen, irgendwelche Verpflichtungen zu haben."

Punkerin: "Das macht mir Angst: Umweltkatastrophe, Scheiße, Ozonschicht kaputt, und Bomben - aber die Bonzen, die leben morgen und haben genug Kohle."

Schülerin: "Ich habe Angst vor der Zukunft."

Junge Frau: "...vor dem totalen Chaos... Dass Krieg kommt... Ich weiß genau, dass ich nicht alt werde und nicht mein Leben zu Ende leben kann..."

Die Saat geht auf.

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Aus der ARD-Show "Willkommen im Club" mit Showmaster Juhnke, wiederholt am Montag:

"Ich war geschäftlich in Italien mit meiner Sekretärin. Die Hotels waren so voll, dass ich mit ihr im selben Bett schlafen musste. Natürlich haben wir ein Polster zwischen uns gelegt. Am nächsten Tag sind wir spazieren gegangen. Da ist uns ein böser Hund nachgelaufen. Meine Sekretärin ist sofort über eine Mauer gesprungen..." - "Und Sie nicht!" - "Wieso wissen Sie das?" - "Na, wenn Sie noch nicht einmal über ein Polster kommen..."  

"Meine Frau ist ein bisschen naiv. Sie kennt nicht mal die Uhr. Immer wenn ich später nach Hause komme, fragt sie: ,Weißt du, wie spät es ist?'"

Dem Glücklichen schlägt keine Stunde...

 

Die Frage der Woche stellte ZDF-Quizmaster Thoelke am Donnerstag in "Der große Preis." Im Interview mit einer jungen japanischen Geigerin erkundigte er sich: "How old are you im Augenblick?"

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Am Freitag zeigte die NDR-Sendung "Extra drei" 14- bis 18jährige Hamburger, die unter Lebensgefahr in U-Bahnschächte eindringen und auf Waggons klettern, um sie während der Fahrt von außen zu besprühen. Reporter Schomann begleitete die riskante Reise mit der Kamera. Sein Kommentar: "Fahrtwind wie auf dem Motorrad, aber spannender."

Legal, illegal, scheißegal.

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In der ZDF-Sendung "Showfenster" am Freitag berichtete Moderatorin Sauer: "Da gibt es am Modehimmel einen neuen Stern - Christian Lacroix. Sein Markenzeichen ist der Enten-Po - nicht seiner, sondern der, den er seinen Kundinnen appliziert." Danach im Gespräch mit Lacroix: "Eines Tages werden Sie wieder Hippie." - Lacroix: "Da bin ich sicher. Dann werde ich Schäfer." - Sauer: "Auch nicht schlecht. Auf diese Weise kann er seine Schäfchen ins trockene bringen."

Noch ein neuer Stern.

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Seit Einführung des privaten Rundfunks besetzen die öffentlich-rechtlichen Anstalten Frequenzen, wo immer sich eine Chance bietet. Die ARD-Sender strahlen inzwischen 32 Hörfunkprogramme aus. Sie installierten ein eigenes Kabel-TV und wollen jetzt auch mehr Nachmittagsstunden mit Fernsehen füllen. Das ZDF bereitet ein Frühstücksfernsehen vor. Um diese Strategie fortsetzen zu können, forderten ARD und ZDF jetzt eine Gebührenerhöhung um vier Mark pro Haushalt - insgesamt rund eine Milliarde Mark pro Jahr.

Chuzpe.

Anmerkungen

Wim Thoelke (1927-1995) war 1962 Leiter der Sportredaktion beim gerade neu gegründeten ZDF und 1963 auch „heute“-Nachrichtensprecher. Bis 1970 moderierte er das „Aktuelle Sport-Studio“, danach prägte er das ZDF-Programm mit den Unterhaltungsshows „Drei mal Neun“ und „Der große Preis“, deren Zuschauer große Summen für die „Aktion Sorgenkind“ spendeten. Besonders populär wurden Thoelkes Auftritte mit den von Loriot entwickelten Zeichentrickfiguren „Wum“ und „Wendelin“.

 

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