Wie das Monopolfernsehen gegen das Privatfernsehen kämpfte

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Tarifverhandlungen mit der IG Metall, Rentenreform, der Streit um die Privatisierung der Post: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 20 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 12. Oktober 1997.

In „Spiegel TV" (RTL) am Sonntag sagte eine Sprecherin: „Als der Durchbruch im Kalten Krieg dann endlich kam, war selbst die CIA völlig überrascht. Fünf Jahre vor dem Fall der Mauer hatten die Spionage-Cracks aus USA vorhergesagt. die DDR werde Westdeutschland wirtschaftlich bald überholen."

Wer im Glashaus sitzt...

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„Frontal“ am Dienstag sagten

ZDF-Moderator Hauser: "Der IG Metall-Vorsitzende verkündet das Ende der Bescheidenheit. Jetzt wird also verteilt, was gar nicht da ist."

Co-Moderator Kienzle: "Wer Steuerschlupflöcher sät, wird Etatlöcher ernten. Und Besserverdienende haben den Begriff Bescheidenheit schon vor Jahren abgeschrieben. Steuermindernd."

Hauser: "Ihre Milchmädchenrechnung könnte von Lafontaine stammen. Arbeitslosigkeit plus zu hohe Steuern plus Einheitskosten ergibt noch lange keine höheren Löhne."     

Kienzle: "Sie verwechseln Adam Riese mit Theo Waigel. Wer zu spät löhnt, den bestraft die Tarifrunde.“

Goethe, Faust: "Von allen Geistern, die verneinen, ist mir der Schalk am wenigsten zur Last."

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In "Tagesthemen" am Mittwoch sagte Moderatorin Bauer vom gebührenfinanzierten Ex-Monopolsender ARD: „Für die einen ist Fernsehen eine Kulturdienstleistung, für die anderen schlicht ein Kommerzunternehmen. Das Gerät, das in Zukunft das digitale Fernsehen entschlüsseln soll, wird in Deutschland voraussichtlich von einem Monopol bestimmt werden: Die Telekom und die Medienkonzerne Kirch und Bertelsmann bieten demnächst also dieses Fernsehen gegen Gebühren an."

Ein Narr glaubt stets, alle anderen seien Narren (deutsches Sprichwort).

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In "Was nun…“ (ZDF) am Mittwoch sprach SPD Fraktionsgeschäftsführer Struck mit FDP-Chef Gerhard. Auszug:

Struck: “Ich war heute auf der Demonstration der Postgewerkschaft. Von Ihnen war keiner da. Warum?"

Gerhard: „Tut mir leid, da hätte der zuständige Sprecher teilnehmen sollen. Das hat aber nichts damit zu tun, dass ich sagen muss, es ist eine Privatisierung im Postbereich notwendig.“

Struck: “Das ist ja jetzt gar nicht das Thema. Die Menschen, die da aus allen Teilen der Republik nach Bonn gefahren sind, mit Mühseligkeiten, ganz früh aufstehen - und es ist keiner von ihnen da: Sie drücken sich davor. Sie sind feige:

Gerhard: „Ich bin hier, um auch politisch zu begründen, warum, es politisch notwendig ist…"

Struck: "Ich will jetzt gar nicht mit Ihnen inhaltlich streiten."

Sondern nur propagandistisch.

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In "Tagesthemen" am Donnerstag sagte ARD-Moderator Mager zum Rücktritt des Ministerpräsidenten der Mitte-Links-Regierung in Rom: "Jetzt ist er von den alten italienischen Verhältnissen eingeholt worden, davon, dass nicht die Regierenden, sondern nach wie vor die Strippenzieher der Parteien die eigentliche Macht haben. Und denen geht es mehr um theatralische Kulissenkämpfe als um Staatsraison."

Warum in die Ferne schweifen...

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In „Tagesschau" am Freitag sagten zur Rentenreform

ARD-Sprecher Wieben: „Gegen den Widerstand der Opposition durchgesetzt..."

ARD-Reporter Altmann: „Nur eine Mehrheit von 33 Stimmen..."

Sendezeit für Teilnehmer der Bundestagsdebatte und ihre Argumente: Grüne-Expertin Fischer 25 Sekunden. SPD-Experte Dressler 30 Sekunden. CDU-Rentenreformer Blüm elf Sekunden.

Saint-Just: "Das Regieren an und für sich ist schon ein Verbrechen, das nicht begnadigt werden kann."

Anmerkungen

Bodo M. Hauser (1946-2004) moderierte seit 1993 mit Ulrich Kienzle das ZDF-Magazin „Frontal“. 2000 wurde er für das ZDF Programmgeschäftsführer des Nachrichten- und Dokumentationssenders PHOENIX, für den er auch die Talkshow „Unter den Linden“ moderierte. Außerdem leitete er das ZDF-„Nachtduell“.

Der SPD-Journalist Ulrich Kienzle wurde 1980 Fernseh-Chefredakteur bei Radio Bremen („Radio Hanoi“), 1990 Leiter der Hauptredaktion Außenpolitik beim ZDF („auslandsjournal“) und 1993 Co-Moderator des ZDF-Politmagazins „Frontal“. Seit 2003 trat er in der ZDF-Sendung „Wiso“ in der Rubrik „Fahren mit Kienzle“ auf.

 

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