Ärger um die neue SPD-Card: „Völlig falsche Versprechung!“

Freitag, 10. November 2017

Wie einseitig ARD-Korrespondent Buhrow über die US-Kongresswahlen berichtete, juristische Scharmützel nach der Wahl Georgs W. Bushs zum Präsidenten: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 15 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 10. November 2002.

In „Weltspiegel“ am Sonntag berichtet ARD-Korrespondent Buhrow aus dem US-Staat Maine über die Kongresswahlen. Kostproben:

Buhrow über die Kandidatin der Demokraten: „… zeigt, dass ihr die Probleme der Menschen wichtig sind. Widmet sich den Wählern, wo immer sie anzutreffen sind. Macht die Kandidatin auch eine Nachtschicht. Die Wähler persönlich zu treffen ist besser als sie zu belehren. Um sieben Uhr morgens immer noch vor dem Fabriktor...“

Buhrow über die Kandidatin der Republikaner: „Etwas weiter im Süden dominiert die Werft das Wirtschaftsleben, und die Hauptaufträge kommen von der Marine. Mit anderen Worten: aus Washington. Und dort sitzt Präsident Bushs Parteifreundin wie zufällig im Verteidigungsausschuss des Senats...“

Karl Julius Weber: „Alle Autodidakten leiden an Einseitigkeit.“

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In “FAKT” am Montag sagen (Auszüge)

ARD-Moderatorin Pohl: “Seit September lockt eine besonders lukrative Geldanlage SPD-Mitglieder. Ein tolles Angebot, meinte Familienministerin Renate Schmidt, das jeder Genosse sorgfältig prüfen sollte. Wir haben es getan.“

ARD-Reporter Meesmann: „Der Generalsekretär persönlich wirbt für die SPD-Card, die Eintrittskarte in eine bunte Schnäppchen-Welt: günstig reisen, Autos mieten und sogar Geld anlegen. Ein ganz besonderes Angebot: Die Kombi-Geldanlage der SEB-Bank. 7 Prozent Rendite plus Erträge aus einem Immobilienfonds, so verspricht die Werbung auf den ersten Blick. Dafür warb Familienministerin Schmidt persönlich, pries die absolut sichere Rendite, per Internet und in einem Brief an Hunderttausende Genossen in ganz Deutschland. Doch die 7 Prozent gibt es nur für die Hälfe und nur für ein halbes Jahr...“

„Bank intern“-Chefredakteur Schweizer-Nürnberg: „Das ist keineswegs ein besonders gutes Angebot. Wenn Sie die Konditionen durchschnittlich rechnen, werden Sie darauf kommen, dass über ein Jahr hinweg die Gesamtrendite etwa bei 2,2 Prozent liegt. Man kann sagen, dass die SPD-Mitglieder mit einer völlig falschen Versprechung eingeworben werden.“

Meesmann: „Renate Schmidt, die Werbeträgerin der SEB-Bank, schweigt zu den FAKT-Recherchen. ‚Kein Interview!’ heißt es am Dienstag. Am Mittwoch verschwinden plötzlich Foto und Unterschrift der Ministerin aus dem Werbebrief. Doch der Text bleibt unverändert.“

SPD-Schatzmeisterin Ingrid Daniel-Wettigmeier: „In unserem Angebot sind Sonderkonditionen ... Natürlich können wir nicht sagen, dass irgendwo noch ein günstigeres Angebot ist.“ Auf die Frage, was die SPD daran verdiene: „Meiner Meinung nach nichts. Jedenfalls wüsste ich von nichts.“

Meesmann: „SPD-Spitzenpolitiker als Anlageberater mit beschränkter Haftung. Die SEB hofft auf gute Geschäfte mit den Genossen und verrät nebenbei, dass die SPD offenbar mehr an dem Millionendeal verdient, als die Schatzmeisterin zugeben will.“

SEB-Bank-Sprecher Bernd Keine: „Die SPD partizipiert an jedem Geschäft, das heißt also, von dem Geschäft des jeweiligen Kunden oder des Mitglieds der Partei bekommt die SPD einen bestimmten Prozentsatz.“

Wer sagt noch, die SPD könne nicht mit Geld umgehen?

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In „heute Journal“ am Mittwoch sagt ZDF-Korrespondent Eberhard Piltz

über feiernde Anhänger des US-Präsidenten: „Jubel und Triumphgeschrei bei Amerikas Republikanern.“

Über Bushs durch juristische Winkelzüge der unterlegenen Demokraten erschwerten Einzug ins Weiße Haus: „Zwei Jahre nach seinem umstrittenen, nur per Gerichtsbeschluss erreichten Einzug ins Amt...“

Über Freudenbekundungen der Präsidentenfamilie: „Der Bush-Clan feierte öffentlich.“

Über den Verzicht des Präsidenten auf einen öffentlichen Auftritt nach dem sensationellen Erfolg: „Er ließ heute bloß seinen Pressesprecher ganz leise triumphieren. Ein Hauch von Demut also, bisher nicht unbedingt das Markenzeichen im Weißen Haus des zweiten Präsidenten Bush. Jetzt, nach seinem wirklichen Wahlsieg, kann er sich das leisten.“

Marie von Ebner-Eschenbach: „Wenn die Missgunst aufhören muss, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt sie an, es zu ignorieren.“

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In „Bericht aus Berlin“ am Freitag sagte ARD-Moderator Thomas Roth: „Sind wir mal ganz ehrlich: Wir Deutschen haben schon ein ziemlich ausgeprägtes Talent, ausgiebig zu maunzen und zu klagen, wenn es uns schlecht geht oder wir glauben, dass es uns schlecht geht, auch wenn es uns besser geht als 99 Prozent der übrigen Welt.“

Das alte Lied…

Pointen der Woche

„So ist das in Deutschland: Wenn man Erfolg hat, kommt der Neid, und bei Misserfolg die Häme. Das liegt daran, dass der Mensch über 90 Prozent genetische Übereinstimmung mit dem Schwein hat!“

Dieter Nuhr in „Sportreportage“ (ZDF)

„Man muss seine Partnerin auch mal überraschen. Ich zum Beispiel bin neulich mit einem Pelzmantel nach Hause gekommen, da ist sie total ausgerastet – die hatte mich noch nie in so einem Ding gesehen!!

Rüdiger Hoffmann in „tv total“ (PRO7)

„Im Fasching 1976 ist mein Opa in einer SA-Uniform zum Prinzenball gegangen, und die Frau an der Kasse hat gesagt: „Heil Hitler, Herr Jochimsen, aber hier kommen Sie nur verkleidet rein!“

Jess Jochimsen in „Quatsch Comedy Club“ (PRO7)

"Wenn Michelle singt, dann knallen im Umkreis von 50 Kilometern alle Fledermäuse gegen die Wand."

Gaby Köster in "7 Tage - 7 Köpfe" (RTL)

"Dem designierten Ex-Bundeskanzler Schröder bleibt eine große Ehre verwehrt: die Stadt Hannover wird jetzt doch nicht eine Straße nach ihm benennen. Man hat in ganz Hannover keine Straße gefunden, die so trostlos und heruntergekommen ist!"

Henry Gründler in "Freitag Nacht News" (RTL)

Anmerkungen

Cathleen Pohl moderierte 2001-2004 das MDR-Magazin „FAKT“.

Seit 2008 ist sie Coach und  Supervisorin, seit 2010 Partner beim Chemnitzer Unternehmensberater „Kato Consulting“.

Eberhard Piltz (1942-2011) wurde 1965 Redakteur beim Bayerischen Rundfunk, 1970 stellvertretender Redaktionsleiter des BR-Magazins Report München, 1974 Leiter des ARD-Studios Tel Aviv, 1982 des Studios Rom und 1985 stellvertretender Leiter des ARD-Studios Bonn sowie Moderator der Sendung „Bericht aus Bonn“. 1989 wurde er Leiter des ZDF-Studios in Paris und zugleich ZDF-Chefreporter des ZDF. 1993 übernahm Piltz die Leitung der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles und wurde Moderator des heute-journals. 1997 ging er erneut nach Rom und 1999 nach Washington.

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