Wie ARD und Grüne 1987 die Frankfurter Polizistenmorde relativierten

Mittwoch, 8. November 2017

Wie arrogant die ARD vor 30 Jahren eine Übertragung des „Ironman“ ablehnte, was Ex-Minister Fischer über das Vermummungsverbot sagte: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 8. November 1987.

Aus der ARD-Berichterstattung von Dienstag über die  Frankfurter Polizistenmorde:

Im ARD-Magazin "Kontraste" erklärte ein Demonstrant: "Die Eskalation ist klar zu begründen durch zunehmende staatliche Maßnahmen, die immer repressiver werden".

Ein Redakteur einer alternativen Zeitung: "Der Staat kämpft um politische Symbole, um die Symbole des Bauzauns, um Bürgerkriegsinszenierung."

Grüne-Mitglied Cohn-Bendit: "Es wird immer von der Linken Distanzierung von Gewalt gefordert. Man fordert doch auch nicht von einem CDU-Politiker, wenn Barschel die ganze Welt betrügt, sich von Betrug zu distanzieren."

Grüne-Anwalt Schily: "Eine Partei, die bewusst über Jahre hinaus Rechtsbruch in Form von Spendenbetrügereien betrieben hat, von der lasse ich mir nicht erzählen, wir hätten uns irgendetwas vorzuwerfen."

In den ARD-"Tagesthemen" meinte Kommentator von Sternburg: "Es ist nicht auszuschließen, dass die meuchlerische Tat vom 2. November 1987 einen ähnlichen Einschnitt für diese Republik nach sich ziehen wird, wie ihn die Schüsse vom 2. Juni 1967 bewirkten, als der Student Benno Ohnesorg durch die Kugel eines Kriminalkommissars starb.“

Ohne weiteren Kommentar.

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Als Gast einer Diskussion in Hessen III sagte der ehemalige Grüne-Minister Fischer: "Die ganze Diskussion um das Vermummungsverbot ist für mich Bonner Pipifax."

In den letzten Nachrichten von NDR III verlas Sprecherin Zitelmann, das Bundeskabinett wolle sich mit den Konsequenzen befassen, die sich aus der "Tötung" der zwei Polizisten ergeben hätten.

Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten Weimars.

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Kein Spiel gegen Toulouse ohne den bekannten Kalauer. Diesen Mittwoch sagte ARD-Reporter Faßbender bei einer Übertragung der Europacup-Begegnung in Leverkusen: "Toulouse - vielleicht auf Englisch und an Shakespeare erinnernd: to loose or not to loose, that's the question. Verlieren oder nicht verlieren, das ist hier die Frage."

Hamlet 5,2: Der Rest ist Schweigen.

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Sportler aus Buchholz (Niedersachsen) schrieben der ARD-Programmdirektion, sie würden an den Weltmeisterschaften im Triathlon auf Hawaii teilnehmen, und regten die Entsendung eines Kamerateams an.

Der ARD-Sportredakteur Hering antwortete: "Sie sind sich doch hoffentlich klar darüber, was Sie da von uns verlangen... Dazu gehört Mut und eine gewisse Naivität oder sogar Unverfrorenheit! Versuchen Sie doch einmal Ihr Glück bei den privaten Anbietern, die ja eine ungeheure Vielfalt des Programms versprochen haben."

Die nächste Gebührenerhöhung kommt bestimmt.

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Diesen Sonntag wieder Lindenstraße. Immer noch besser als Hafenstraße.

Anmerkungen

Der Student Benno Ohnesorg (1940-1967) wurde auf einer Demo gegen den Schah in Westberlin von dem Polizisten Karl-Heinz Kurras erschossen. „Wikipedia“: „Sein Tod trug wesentlich dazu bei, dass sich die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre bundesweit ausbreitete und radikalisierte.“ Erst 22 Jahre später wurde bekannt, dass Kurras ein Agent der Stasi war.

Wilhelm Freiherr Speck von Sternburg war 1989-1993 Chefredakteur des Hessischen Rundfunks und arbeitet seither als freier Schriftsteller, Publizist und Filmautor.

 

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