Bürgermeister nach Messer-Attacke: „Es war todernst!“

Donnerstag, 30. November 2017

„Maischberger: „Die Messerattacke von Altena: Verroht unsere Gesellschaft?“ ARD, Mittwoch, 29. November 2017, 22.45 Uhr.

Der CDU-Bürgermeister von Altena (NRW), Andreas Hollstein, der am Montagabend nur knapp einem Messerattentat entronnen war, hat in der ARD-Talkshow „Maischberger“ am Mittwoch von schlimmen Hassmails berichtet.

Mehrere anonyme Absender hätten ihm geschrieben, es sei „schade“, dass der Anschlag nicht geklappt habe, berichtete der Bürgermeister. In einer Mail habe es geheißen: „Ich bin aus Protest AfD-Wählerin. Wenn Ihre Frau deutsch kochen würde, bräuchten Sie nicht zum Döner gehen, dann wäre das nicht passiert!“

Doch zu diesem Blödsinn sagte Hollstein ausdrücklich über die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel, die direkt neben ihm saß: „Frau Weidel kann nichts dafür!“ Das Problem sei, dass solche Angriffe vor allem im Netz viele anständige Leute davon abhalten würden, sich ehrenamtlich in der Kommunalpolitik zu engagieren: „Wir brauchen sie in unseren Rathäusern alle, von der AfD bis zur Linken“, sagte Hollstein. In der Mitte seien sie ihm allerdings am liebsten.  

Seine Ehefrau habe schlimme Vorahnungen gehabt, berichtete der Bürgermeister weiter. „Es fällt mir nicht leicht, das einzugestehen, aber meine Frau hatte Angst, dass was passiert, und hat gesagt, das werde dann über verbale Gewalt hinausgehen.“

Der Überfall kam von hinten, und der Alkohol habe den Täter nicht eingeschränkt: „Wenn ich heute in beiden Oberarmen Muskelkater habe, kann ich Ihnen sagen, wovon der kommt“, berichtet Hollstein. „Wenn ein Maurer zupackt, dann muss man sich anstrengen!“

Die Imbissbudenbesitzer Abdullah und Ahmet Demir hätten ihn gerettet: „Wir drei, Vater und Sohn Demir genau wie ich auch, haben danach gesagt: Was war der kräftig!“ erzählte Hollstein. „Wir konnten uns das gar nicht erklären, weil es eigentlich ein großer schlaksiger Mann war. Aber wenn man einen Beruf hat, der im Handwerklichen liegt, ist man so einem Schreibtischtäter wie mir natürlich kraftmäßig überlegen.“

„Machen Sie sich selbst nicht unglücklich!“ rief der  Bürgermeister, als er mit den Täter rang. „Auch der jüngere Imbissbudenbesitzer - wir haben alle Deeskalationsmöglichkeiten versucht, aber ehrlicherweise: Es war todernst!“

„Frau Weidel, sehen Sie eine Mitverantwortung der AfD für die Stimmung in diesem Land?“ fragte Maischberger danach. Prompte Antwort: „Ich verwahre ich als AfD-Fraktionsvorsitzende dagegen, überhaupt diese Schlüsse zu ziehen! Wir verurteilen jede politisch motivierte Tat, sei es von links oder von rechts!“

Und dann ging gleich wieder unpassender Parteienstreit los: „Gewalt ist kein Mittel der politischen Auseinandersetzung“, sagt Weidel. „auch wenn ein Kollege von Heiko Maas, Ralf Stegner, dazu aufruft, AfD-Personal zu attackieren!“

Damit war der Ton der Sendung gesetzt. Die Talkmasterin Maischberger mischte gleich munter mit und erinnerte an Alexander Gaulands Ausruf „Wir werden sie jagen“. Auch Maas zitierte den AfD-Fraktionschef, der gesagt hatte, die Flüchtlingskrise sei ein „Geschenk für die AfD“. Weidel fand das inzwischen nicht mehr so gut und zitierte lieber Gabriel, der vor Jahren die schwarz-gelbe Bundesregierung „entsorgen“ wollte: „Hier wird mit zweierlei Maß gemessen“!“

„Spiegel“-Autor Jan Fleischhauer kramte ein Beispiel aus Opas Memorabilienkiste: Heinrich Böll sei vorgeworfen worden, er habe für RAF-Gewalt zu viel Verständnis gehabt. Der Kriminologe Christian Pfeiffer (SPD) wollte mit Zahlen belegen, dass der Befund, die Gesellschaft verrohe, gar nicht stimme: „Ich wehre mich gegen die These, dass es immer schlimmer wird!“ Gegenüber jungen Ausländern gebe es eine „deutlich erhöhte Anzeigebereitschaft“. Was man jungen Deutschen durchgegen lassen, werde bei Flüchtlingen schnell zum Kriminalfall.

„Spiegel“-Fleischhauer nahm die sozialen Medien aufs Korn: „Auf Facebook ist es möglich, den Holocaust zu leugnen!“ Maas bestätigt ihn: Zwar könne man das anzeigen, und es werde auch ermittelt, aber die Zentrale sitze in Irland, deshalb verlaufe alles im Sande und die bösen Sprüche stünden weiter in Netz.

Deshalb lobte der Justizminister sein neues Netzwerkdurchsetzungsgesetz: „Twitter löscht 1 Prozent der strafbaren Inhalte“, kritisierte er. „Bei Facebook ist es gerade mal ein Drittel. Komischerweise bei Youtube werden 90 Prozent der strafbaren Inhalte gelöscht. Es geht also!“

 

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