Bienen-Talk bei Plasberg: Der Glyphosat-Zoff geht weiter

Dienstag, 5. Dezember 2017

„Hart aber Fair: „Der stille Tod der Bienen – wer vergiftet unsere Natur?“ ARD, Montag, 4.Dezember 2017, 21 Uhr.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) hat in der ARD-Talkshow „Hart aber Fair“ am Montag seine Entscheidung verteidigt, in Brüssel gegen den Willen der SPD-Umweltministerin für eine Verlängerung der Glyphosat-Lizenz um fünf Jahre zu stimmen.

Ohne seine Zustimmung, so der Minister, wäre alles noch schlimmer gekommen, denn dann hätte die EU-Kommission entscheiden dürfen.

Wörtlich sagte Schmidt: „Meine Entscheidung war sehr richtig, weil ich damit erreicht habe, dass die EU-Kommission nicht einen Blankoscheck erhalten hat.

Der „Grüne“-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner widersprach: „Den Blankoscheck hat die Kommission jetzt trotzdem!“ Doch Schmidt blieb dabei: „Nein, den hat sie nicht! Wir müssen die Artenvielfalt in den Mittelpunkt stellen. Das ist jetzt gelungen.“ Und: „Wir müssen den Einsatz von Glyphosat reduzieren. Wir haben das in den letzten Jahren auch getan, um 30 Prozent in Deutschland!“

„Jetzt ist die Nervschwelle erreicht“, sagte ARD-Moderator Frank Plasberg zum minutenlangen schwarz-grünen Dauerzoff. Biene Maja, Fliege Walter, Schmetterling Beatrix - gibt’s die bald nur noch im Märchen? Plasberg wollte aus dem Insektensterben für seine Show Honig saugen und servierte Alarmismus, unterstützt von ARD-Alleserklärer Ranga Yogeshwar, der immer dabei ist, wenn’s irgendwo staubt, strahlt und giftet.

„Die Bienen sind unsere wichtigsten Nutztiere nach Rind und Schwein“, erklärte der Minister. „Sie brauchen blühende Landschaften. Wir haben sogar eine Bienen-App!“ Sie ist für Leute eingerichtet, die sich für die Imkerei interessieren die vielleicht sogar quereinsteigen wollen, wie die Ex-Onlineredakteurin Agnes Flügel („Die Honigfrau“): „Mit Bienen zu arbeiten ist etwas absolut Ganzheitliches!“

Ihre Story: Kein Bock mehr auf die Internetbranche, Fahrradunfall, durch „großväterlichen Freund“ Imkerin geworden, seit 10 Jahren Honigmanufaktur „Flügelchen“.

Horror-Zahl des Abends: ARD-Schlaukopf Yogeshwar berichtet von der in Fachkreisen weltweit berühmten Krefelder Insektenzählung. Seit 1989 ging die Masse der Fluginsekten in Deutschland um 75 Prozent zurück. Und das ist dann keine Fliegenbeinzählerei mehr.

Eine der möglichen Ursachen ist der Einsatz sogenannter Neonicotinoide. Ein ARD-Einspieler zeigte: In Frankreich ist es ab 2020 verboten. Plasberg nahm damit Schmidt aufs Korn: „Sind die Franzosen ängstlicher oder sind sie weiter in der Forschung?“

Doch der Minister tanzte den Talkmaster locker aus: „Die sind hinter mir“, antwortete er. „Ich habe bereits vor zwei Jahren die Neonicotinoide in Deutschland verboten. Wenn sich herausstellt, dass sie schädlich sind, dann müssen sie komplett verboten werden.“ So ist er halt, der Schmidt!

Bernhard Krüsken, Generalsekretär des Bauernverbandes, zeigte sich überzeugt, dass „von Glyphosat bei sachgemäßem Gebrauch keine Gefahr ausgeht“, und sagte: „Die Landwirtschaft legt alles auf den Tisch. Ich störe mich nur an der Ansage, dass wir kurz vor dem Ende der Welt stehen!“

„Wenn die Biene nicht mehr kommt, dann sitzen wir mit der Biene in einem Boot, und das droht zu kentern“, sagte Plasberg, gab aber gleich zu: „Ein schiefes Bild.“

Der Grüne („Bienen würden Ebner wählen“) wollte zum Schluss auch über Schlupfwespen reden und lieferte das Zitat des Abends: „Die Männchen finden die Weibchen nicht mehr, weil sie (wegen der Gifte) die Sexuallockstoffe nicht mehr wahrnehmen. Die biologische Tinder-App ist kaputt!“

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