Generalsekretär Gorbatschow zum Krieg der Sowjets in Afghanistan

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Folterungen im angolanischen Bürgerkrieg, Berliner Späße über AIDS: In „TELE-RETRO“ zeigen Ausgaben der Kolumne „Teletäglich“, welche Themen dem Fernsehen vor 30 Jahren berichtens- und bedenkenswert schienen. Heute: Die Ausgabe vom 6. Dezember 1987.

In der ARD-Programmvorschau vor der "Tagesschau" am Montag wurde ein Beitrag über Angola angekündigt - mit Bildern eines Angolaners, dem Folterer die Hände abgehackt hatten und der seine Armstümpfe in die Kamera hielt. Lächelnd wünschte die Ansagerin danach: "Gute Unterhaltung".

ARD-Feingefühl.

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In einem Interview der US-Fernsehgesellschaft NBC, von dem die ARD am Dienstag in einer Sondersendung Ausschnitte zeigte, sagte der sowjetische Generalsekretär Gorbatschow: "Die Sowjetunion hat Afghanistan behandelt wie alle ihre Nachbarn."

Eben, eben.

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Aus einem Bericht der NDR-Regionalsendung "Hamburg Journal" über die Revue „Holiday on Ice" am Mittwoch: "Auch heitere Themen wie die russische Revolution wurden auf der Bühne verarbeitet."

Sehr erheiternd.

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Die SFB-Sendung "Berliner Platz" befasste sich am Mittwoch mit dem Thema AIDS. Zu Beginn wurde ein neuer Kurzfilm der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vorgestellt. Er zeigt einen jungen Mann zunächst mit wechselnden Sexualpartnerinnen im Bett und dann mit einer Krankenschwester in einer Klinik. Text: "Das ist Thomas mit Inge. Das ist Thomas mit Gabriele. Das ist Thomas mit Annette. Das ist Thomas mit Martina. Das ist Thomas mit AIDS".

SFB-Moderator Boehncke: "Ganz schön ruppiger Humor."

Ganz schön seltsamer Kommentar.

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Aus der ARD-Sendung "Extratour" am Donnerstag:

Quizkandidat: "Such' nicht die Witze an der Wand, der größte sitzt im Kanzleramt."

Ein Pferd zum anderen: "Sag' mal, wieviel PS hast du eigentlich? "

Gefängnispastor: "Mein Sohn, haben Sie noch einen letzten Wunsch?" - Delinquent: "Ja - ich möchte das Abitur machen."

Diesen Wunsch sollten sich vielleicht auch die "Extratour"-Macher erfüllen.

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In der ZDF-Talkshow "Live" am Donnerstag schon wieder der grüne Ex-Minister Fischer. Regelmäßige Zuschauer öffentlich-rechtlicher Talkshows müssen allmählich meinen, dass sich die unterschiedlichen Richtungen in der Bundesrepublik kaum mehr in Kohl, Vogel, Strauß und Bangemann personifizieren, sondern eher in den Grünen Fischer, Ditfurth und Schily.

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Zum Auftakt der Sendereihe „Bonn direkt" an diesem Sonntag versprach der neue ZDF-Studioleiter in der Bundeshauptstadt, Herles: "Wir müssen dem Massenpublikum, das auf Unterhaltung wartet und nur zufällig zuschaut, Politik kurzweilig präsentieren, mit kritischer Distanz 'Zur Bonner Sprache, die es nicht versteht."

Mönchlein, Mönchlein ...

Anmerkungen

Der SPD-nahe TV-Journalist Justus Boehncke leitete Ende der 80er Jahre die extrem linkslastige SFB-Sendereihe „Berliner Platz“ und wurde anschließend Spiel- und Unterhaltungschef des Senders. 

Wolfgang Herles wurde 1984 stellvertretender Hauptredaktionsleiter Innenpolitik die Konzeption und Moderator der Politmagazine „Bonn direkt“ und „Was nun, Herr ...“ 1987-1991 leitete er das ZDF-Studios in Bonn. Später moderierte er die ZDF-Talkshow „live“, 2000 wurde er Redaktionsleiter und Moderator der ZDF-Kultursendung „aspekte“.

 

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